Die frühere Bundesfamilienministerin und langjährige bayrische SPD-Vorsitzende Renate Schmidt hat sich gegen eine Fortführung der Großen Koalition ausgesprochen. In den letzten 50 Jahren sei die SPD gut 30 Jahre an der Regierung beteiligt gewesen oder habe den Kanzler gestellt: „Das heißt, die jetzigen Zustände sind von uns in erheblichem Maß mitgestaltet worden“, sagte Schmidt dem „Zeitmagazin“. Man habe sich gesellschaftspolitisch ein ganzes Stück nach links bewegt. SPD-Logo im Willy-Brandt-Haus, über dts Nachrichtenagentur

„Das ist gut. Aber wir haben uns gleichzeitig sozialpolitisch ein Stück zu weit nach rechts bewegt, und das ist schlecht“, so die SPD-Politikerin weiter. Den durchschnittlichen Arbeitnehmer interessiere die Ehe für alle „nur marginal.“

Schmidt sagte, sie werde im Fall einer Mitgliederbefragung anders als 2013 nicht erneut für eine Große Koalition stimmen. Sie sehe die großen Projekte nicht. Die Partei habe den Kompromiss zu sehr verinnerlicht. „Ein bisschen mehr Radikalität täte meiner guten alten SPD gut“, so Schmidt.

Die SPD müsse die „Systemfrage“ stellen. Schmidt forderte außerdem ein Wahlrecht für Jugendliche: „Es dürfen bei uns Menschen wählen, deren gesamte Angelegenheiten unter Betreuung stehen, also etwa ein dementer 88-Jähriger in einem Altenheim. Und eine 15-Jährige aufgeschlossene `Fridays for Future`-Aktivistin, die darf nicht wählen? Das ist doch absurd!“