Röttgen lehnt CDU-Doppelspitze ab

Vor der Konferenz der CDU-Kreisvorsitzenden an diesem Wochenende hat sich Präsidiumsmitglied Norbert Röttgen gegen eine Doppelspitze in seiner Partei ausgesprochen. „Die CDU braucht jetzt vor allem klare Führung, was durch eine Doppelspitze schwieriger wird“, sagte er den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Freitagausgaben). „Eine Doppelspitze passt zu den Grünen, sie haben das entwickelt.“

Roettgen Lehnt Cdu Doppelspitze AbNorbert Röttgen, über dts Nachrichtenagentur

Alle anderen seien Nachahmer. Die CDU müsse authentisch und ehrlich mit sich selbst sein. Röttgen zeigte sich offen für eine Mitgliederbefragung über die Nachfolge von Armin Laschet an der Parteispitze.

„Grundsätzlich bin ich für das repräsentative Prinzip des Parteitages. Wir haben aber eine Situation, wie sie noch nie da war“, sagte er. Die Bundestagswahl sei eine Zäsur für die CDU. „Wenn in dieser besonderen Lage ein beachtlicher Teil der Basis mitteilt, dass die Mitglieder aktiver Teil des Neuanfangs sein möchten und darum eine Mitgliederbefragung wünschen, dann begrüße und unterstütze ich das.“

Für die Frage, ob er für den Parteivorsitz kandidiere, spiele das Verfahren keine Rolle, so Röttgen. „Ich werde mit mir und meiner Familie zu Rate gehen und natürlich auch mit Freunden in der Politik. Eine Kandidatur muss breit getragen sein. Man kann ja nicht alleine antreten und sagen: Ich bin der Retter und Erlöser der CDU.“

Der Außenpolitiker und frühere Umweltminister sprach sich ausdrücklich für eine Kampfabstimmung aus. Er habe „eine Skepsis gegenüber Paketlösungen“, sagte er. „Denn die zielen ja darauf ab, dass es nichts mehr zu entscheiden gibt. Die Ausschaltung des Wettbewerbs wäre kein Prinzip des Fortschritts und der Verbesserung. Wenn sich kontroverse Kandidaturen ergeben, nennt man das üblicherweise Demokratie.“

Röttgen rief andere mögliche Bewerber zur Zurückhaltung auf. „Alle, die in unserer Partei mehr Verantwortung haben möchten, sollten jetzt erst einmal zuhören, wie die Kreisvorsitzenden der CDU die Situation bewerten“, sagte er. „Vorher sollten einzelne nicht erklären, was sie selbst vorhaben. Das ist eine Frage des Respekts vor der Parteibasis.“

Das Präsidiumsmitglied sprach sich dafür aus, schnell eine Frauenquote in der CDU einzuführen. „Wir bestehen in der Mitgliedschaft, den Parlamenten und den Vorständen nur zu einem Viertel aus Frauen. Das Volk ist aber zur Hälfte weiblich“, sagte er. „Insofern ist die fehlende Verankerung hier ein Grund, der unseren Status als Volkspartei gefährdet.“ Daran müsse die CDU arbeiten. „Dazu gehört, den gefundenen Kompromiss zur Frauenquote zügig zu beschließen.“ Die CDU-Spitze hat sich zwar im vergangenen Jahr darauf geeinigt, dass bis 2025, beginnend bei Vorstandswahlen auf Kreisebene, schrittweise eine Frauenquote bis 50 Prozent eingeführt werden soll, aber es muss noch ein Parteitag zustimmen.