Schmachtende Liebhaber, lüsterne Seelen. – Neue Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg

Im Geschäftsjahr 1852/53 erwarb der Naturhistorische Verein in Augsburg von seinem Ehrenmitglied, dem Kupferschmied und Naturaliensammler Abraham Gottlieb Fageroth, eine wertvolle Conchyliensammlung. Zu den Kaufobjekten gehörte auch eine zehnbändige Publikation mit dem Titel „Neues Systematisches Conchylien-Cabinet“, geschrieben von dem Berliner Arzt und Naturaliensammler Friedrich Heinrich Wilhelm Martini, einem typischen Vertreter jener Naturforscher des 17. und 18. Jahrhunderts, die als „Dilettanten“ oder „Liebhaber“ zu Begründern der modernen Naturwissenschaften wurden.20141118_SuStBA_VortragPfeufferConchylien_Bild Schmachtende Liebhaber, lüsterne Seelen. - Neue Ausstellung der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg Freizeit Abraham Gottlieb Fageroth Ausstellung Friedrich Heinrich Wilhelm Martini Neues Systematisches Conchylien-Cabinet Renate Pfeuffer Staats- und Stadtbibliothek Augsburg | Presse Augsburg

Martini’s „Neues Systematisches Conchylien-Cabinet“ gilt seit seiner Entstehung im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts als Standardwerk der Conchologie, der Lehre von den Schalenweichtieren, den Schnecken und Muscheln. Bei dem Exemplar aus dem Bestand der Bibliothek des heutigen Naturwissenschaftlichen Vereins für Schwaben handelt es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um das 1852/53 von Abraham Gottlieb Fageroth erworbene Werk. Es befindet sich somit seit dem Gründungsdezennium in der Vereinsbibliothek und hat deren einhundertfünfzig Jahre dauernden Weg durch die verschiedenen Augsburger Heimstätten des Vereins mitvollzogen – einen Weg, der von der Stadtmetzg über das Maximilianmuseum und das Stettenhaus bis in die Staats- und Stadtbibliothek Augsburg führte.

Der Vortrag stellt F. H. W. Martini und sein „Conchylien-Cabinet“ sowie den Sammler Fageroth vor. Er skizziert die Tradition der Augsburger Naturalienkabinette, die nach mehr als einem Jahrhundert in den Naturhistorischen Verein mit seinen Sammlungen und seiner Bibliothek mündete. Die gleichnamige Ausstellung im Cimeliensaal der Staats- und Stadtbibliothek Augsburg präsentiert eine Vielfalt von Exponaten aus der Geschichte der Conchologie, darunter auch Unikate von Augsburger Naturforschern und Werke aus der berühmten Bibliothek des Bankiers von Cobres. Zahlreiche handkolorierte Abbildungen zeigen die Ästhetik der Conchylien und machen ihre Attraktivität als Sammelobjekte verständlich.

Renate Pfeuffer, M.A. studierte Germanistik, Anglistik und Zeitungswissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Seit 1999 beschäftigt sie sich mit der Naturgeschichte und speziell deren Augsburger Vertretern im 18. und 19. Jahrhundert und publizierte verschiedene Beiträge zu diesem Thema.