Schröder kritisiert Führungsschwäche der deutschen Politik

Altkanzler Gerhard Schröder vermisst Entscheidungsfreude bei deutschen Spitzenpolitikern. „Entwicklungen zu beobachten, alle an der Entscheidung partizipieren zu lassen und nach Konsens zu suchen, mag in Situationen funktionieren, in denen man viel Zeit hat und es keinen Entscheidungsdruck gibt“, schreibt er in einem Beitrag für das Nachrichtenportal T-Online. Aber mehr denn je gelte in der aktuellen Jahrhundertkrise der Corona-Pandemie, dass nach der Abwägung von Alternativen eine Entscheidung getroffen und zügig durchgesetzt werden müsse.

Dts Image 10167 Dtokershhj 3121 800 600Gerhard Schröder, über dts Nachrichtenagentur

„Krise erzwingt Führung von vorne“, schreibt Schröder. Für ihn heiße das etwa: den Impfstoff von Astrazeneca für alle Bürger freizugeben. „Und jede und jeder kann selbst entscheiden, ob er die etwaigen Risiken tragen mag.“

Schröder attestiert auch CSU-Chef Markus Söder in der Coronakrise nur eine „vermeintliche Entschlossenheit“. Er habe nicht den Eindruck, dass Söder diesem Anspruch wirklich gerecht werde: „Er simuliert Führung mehr, als dass er sie tatsächlich ausübt.“ Zwar unterstütze Söder die Kanzlerin bei einem harten Kurs, wenn es ihm opportun erscheine, aber lasse sie auch im Regen stehen, wenn es ihm politisch passe. Bei Armin Laschet sei es „dagegen so, dass er versucht zu überzeugen, dabei aber den Eindruck von Führung vermeidet“.

Auch wenn dies dem innerparteilichen Ringen um die Kanzlerkandidatur geschuldet sein könne, sei es nicht notwendig: „Armin Laschet hat alle Chancen, trotz der jüngsten Turbulenzen in der Union Kanzlerkandidat zu werden.“ Politische Führung zeichne sich nicht nur dadurch aus, wirklich etwas zu tun, schreibt der Altkanzler. „Sie ist auch dadurch gekennzeichnet, das zu tun, was richtig für das Land ist. Und Entscheidungen eben nicht von Popularitätswerten oder Wahlterminen abhängig zu machen.“