Schwabens Wirtschaft bekommt die Flaute der Industrie deutlich zu spüren

Schwabens Wirtschaft bekommt die Flaute der Industrie deutlich zu spüren. Die Abschwächung der Konjunktur, die sich zu Beginn des Jahres angekündigt hat, hat sich in den vergangenen Monaten weiter fortgesetzt. Das geht aus der aktuellen Umfrage der IHK Schwaben hervor, an der sich fast 900 Unternehmen beteiligt haben.

Dr. Andreas Kopton, IHK-Präsident, Christine Neumann, IHK-Konjunkturexpertin, Markus Anselment, stv. IHK-Hauptgeschäftsführer

Nach Jahren des Wachstums blicken die schwäbischen Unternehmen deutlich pessimistischer in die Zukunft, viele stellen Investitionen zurück. Der Konjunkturindex ist um acht Punkte auf 120 gefallen. Er liegt damit deutlich unter dem langjährigen Mittel der vergangenen zehn Jahre. Für IHK-Präsident Dr. Andreas Kopton ist das mehr als ein Warnsignal: „Die Sorge, dass die Industrieflaute die Gesamtwirtschaft in die Krise zieht, ist deutlich erkennbar.“

Nur noch 54 Prozent der Unternehmen in Schwaben beurteilen ihre Geschäftslage mit gut – das sind vier Prozentpunkte weniger als bei der letzten Umfrage im Frühjahr. Derzeit ist die Auftragslage noch gut. Mehr als 50 Prozent der Unternehmen sind voll ausgelastet. Aber der Abwärtstrend ist klar erkennbar: Auf fast allen Auslandsmärkten sind die Auftragsvolumen rückläufig. 37 Prozent der exportorientierten Unternehmen berichten von einem gesunkenen Auftragsvolumen aus dem Ausland in den vergangenen sechs Monaten. Umso schwerwiegender ist, dass nun auch die Inlandsnachfrage deutlich nachlässt.

Baugewerbe liegt an der Spitze der Konjunkturentwicklung

Quer über alle Branchen und Regionen zeigt sich ein unterschiedliches Bild: Während die Industrie einen merklichen Dämpfer erfahren hat, sind die konsumorientierten Branchen noch recht zufrieden – besonders im Baugewerbe, das weiterhin an der Spitze der Konjunkturentwicklung liegt. Aber auch dort verlangsamt sich das Wachstum. Im Dienstleistungs- und Transportgewerbe sowie im Großhandel wachsen die Umsätze ebenfalls nur noch gering. Dementsprechend macht sich die Konjunkturflaute in den eher industriell geprägten Wirtschaftsräumen von Nord- und Westschwaben stärker bemerkbar. Der Wirtschaftsraum Augsburg profitiert derzeit noch vom starken Dienstleistungssektor. Im Allgäu sorgen das starke Baugewerbe und der Tourismus für geringere Einbrüche.

Internationale und strukturelle Risiken dämpfen Geschäftserwartung

Wie geht es weiter? Die Prognosen der schwäbischen Unternehmen sind pessimistisch. Die Umfrage spiegelt die zunehmende Unsicherheit der schwäbischen Unternehmer wider. 19 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung der Geschäftslage, im Frühjahr waren es nur zwölf Prozent gewesen. Nach wie vor ist der Mangel an Fachkräften in den Augen der Unternehmer das größte Risiko für ihre geschäftliche Entwicklung. Inzwischen rücken aber auch andere Themen stärker in den Fokus: Weltweite Krisen, Handelskonflikte und steigende Zölle belasten vor allem die Geschäfte der exportorientierten Industrie. Strukturelle Risiken, etwa in der Automobilindustrie, setzen den Unternehmen ebenso zu.

Mit Wachstumsimpulsen gegen Konjunktur-Virus

IHK-Präsident Kopton: „Die Umfrage zeigt ganz deutlich, dass mit der Industrie ein für die regionale Wirtschaft lebenswichtiges Organ von einem Virus befallen ist. Es geht jetzt nicht nur darum, die Industrie zu heilen, beispielsweise durch Förderung von Innovationen oder Digitalisierung. Wir müssen auch verhindern, dass der Virus auf noch gesunde Branchen übergreift. Das gelingt uns durch weniger Bürokratie und wettbewerbsfähige Steuern und Abgaben. In Bayern haben wir zum Beispiel die Chance, eine unbürokratische Grundsteuerreform umzusetzen.

Auf keinen Fall darf uns jetzt der Impfstoff ausgehen: Wachstum ist kein Nice-to-have, sondern die Voraussetzung für Investitionen jeder Art. Gleichzeitig sind mit dem Brexit und Handelszöllen auch Viren aus Großbritannien und den USA im Umlauf. Gerade der Brexit birgt ein schwer zu kalkulierendes Risiko: Wenn es denn schon einen Austritt geben muss, dann bitte klar geregelt.

Gegen den Konjunktur-Virus brauchen wir ebenfalls gesunde Ernährung, das bedeutet Fachkräfte und eine stabile Inlandsnachfrage. So oder so muss uns klar sein: Mit einer Kopfschmerztablette und Bettruhe alleine kommen wir da nicht mehr raus. Wir haben in den letzten Jahren zu wenig für unser Immunsystem getan, obwohl wir alle Möglichkeiten dazu hatten. Jetzt muss es eben anders gehen.“