Motorengeräusche ist Ron gewohnt, denn er lebt genau am Nordring in Nürnberg. Auf vier Spuren sausen die Fahrzeuge an seiner Erdgeschosswohnung vorbei. Doch am frühen Dienstagabend (09.08.2022) ist es plötzlich anders. „Ja, wie gesagt: ich war bei mir in der Küche, habe es scheppern gehört und ich bin selber Motorradfahrer, habe genau, ich habe sofort gewusst, was los ist“. An dem Fußgängerüberweg vor Rons Wohnung hat ein Hyundai-Fahrer verbotswidrig versucht zu wenden. Ein nachfolgender Kradfahrer kann nicht mehr bremsen, kracht in die Seite und schleudert auf die andere Fahrbahn.

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Foto: vifogra

Der passionierte Biker zögert nicht, zieht seine Schuhe an und rennt raus. Doch das, was er sieht, trifft ihn hart: „Ja, erst habe ich gemeint, echt, dass er tot ist, weil er sich nicht gerührt hat und das Moped ja total zerlegt war, und ich habe erst das Schlimmste gedacht“. Doch zum Glück lässt sich Ron davon nicht abschrecken und auch seine erste Vermutung bestätigt sich glücklicherweise nicht: „Habe ihn erst einmal ein bisschen beruhigt, weil er gar nicht gewusst hat, was los war. Wahrscheinlich einen kleinen Schock oder was gehabt hat, keine Ahnung und der rechte Fuß unten war schwer verletzt“.

Ron betreut den verunglückten, spricht ihm gut zu und versucht es ihm so gut es geht bequem zu machen, bis die Rettungskräfte und der Notarzt kommen. Erst dann geht er zurück in seine Wohnung. Doch das Erlebte lässt ihn nicht kalt: „Das gibt einem natürlich schon eine mit. Ja, weil ich selber schon, wie gesagt, einen Unfall gehabt habe, und man sieht ihn da so liegen und überall das Blut und alles ist es doch, man merkts“.

Die Rettungskräfte bringen den schwer verletzten Biker in die Klinik, ebenso wie den leicht verletzten Hyundai-Fahrer ins Krankenhaus. Plötzlich, während die Polizei den Unfall aufnimmt, steht ein Mann in Zivilkleidung in der Unfallstelle und macht Aufnahmen. Zwar wird ein Gutachter erwartet, aber den Mann kennt keiner und normalerweise sind die Sachverständigen bekannt. Auf Ansprache der Polizei gibt er sich im ersten Moment als Sachverständiger aus. Die Beamten bitten den Mann zur Seite und um seine Personalien – eine Diskussion folgt, denn er ist nicht der bestellte Gutachter. Auf Anweisung der Polizisten muss der Unbekannte seine Fotos löschen. Dies klappt nur mit Unterstützung des Beamten. Nach dem Löschen der Daten muss der Mann die Einsatzstelle verlassen.