SENSATIONELL | Augsburg ist UNESCO-Welterbe-Stadt – Erste Reaktionen

In seiner 43. Sitzung hat das UNESCO-Welterbekomitee in Baku/Aserbeidschan heute der Augsburger Bewerbung um „Das Augsburger Wassermanagment-System“ die exklusive Auszeichnung als UNESCO-Welterbe zugesprochen. Bei der noch andauernden Sitzung wird insgesamt über 35 Vorschläge aus der ganzen Welt entschieden – davon drei mit deutscher Beteiligung.

Rotes Tor Wasserturm Wasserwirtschaft – 07
Foto: Wolfgang Czech

UNESCO-Welterbestätten sind herausragende Zeugnisse der Menschheits- und Naturgeschichte. 1978 wurde die Welterbeliste mit 12 Stätten eröffnet. Im Laufe der Zeit kamen so großartige Baudenkmäler wie Angkor Wat in Kambodscha oder die Chinesische Mauer auf diese Liste; ebenso einzigartige Ensembles wie die Altstadt von Bamberg oder atemberaubende Kathedralen wie der Aachener und der Kölner Dom. Auch bedeutende Industrieanlagen wie etwa die Zeche „Zollverein“ in Essen zählen zur exklusiven Familie der Welterbestätten. Diese umfasste zuletzt (Stand Mai 2019) weltweit 1092 Objekte in 167 Ländern rund um den ganzen Erdball – davon 44 in Deutschland oder teilweise in Deutschland gelegen. Mit dem „Augsburger „Wassermanagement-System“ ist die Zahl der Welterbestätten in Bayern auf acht gewachsen. Die Freude in der Stadt ist riesig. Am Samstag, 20. Juli, steigt ein großes Wasserfest – größtenteils in der Innenstadt. Infos dazu unter www.wassersystem-augsburg.de.

Das Augsburger „Wassermanagement-System

Das historische Wassersystem in Augsburg wurde einst von den Römern gegründet.  nsgesamt 22 Objekte der Technik, Industriearchäologie, Architektur und bildenden Kunst aus über 700 Jahren Stadtgeschichte zählen zu der neuen Welterbestätte. Dazu gehören mittelalterliche Kanäle und Wasserwerke aus der frühen Neuzeit und drei Renaissance-Brunnen ebenso wie die Kanustrecke am Eiskanal.

Mit Augsburg wurde heute auch die Montanregion Erzgebirge/Krušnohoří zum Weltkulturerbe erklärt. Das historische Bergbaugebiet befindet sich in der Grenzregion zwischen Sachsen und Nordböhmen in Tschechien.

Erste Reaktionen aus Augsburg

OB Dr. Gribl: „Ein unvergleichlicher Schatz in der Stadt“ Oberbürgermeister Dr. Kurt Gribl sagt in einer ersten Reaktion: „Mit der Auszeichnung des Augsburger Wassermanagement-
Systems als Weltkulturerbe würdigt die UNESCO einen unvergleichlichen Schatz, den die Stadt seit ihrer Stadtgründung birgt. Denn die Lage Augsburgs am Zusammenfluss von Lech und Wertach ist kein Zufall, sondern strategisch wohl überlegt. Ihre gesamte wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung hat Augsburg dem Wasser beider Flüsse wie auch den reichlichen Trinkwasservorkommen im Stadtwald zu verdanken. Jahrhundertelang wurde die Wasserkraft des Lechs innovativ genutzt, um Mühlräder und Pumpwerke anzutreiben. Augsburgs Handwerk blühte und machte die Stadt reich – auch deshalb, weil dank eines ausgeklügelten Kanalsystems gute hygienische Verhältnisse herrschten und bestes Trinkwasser für die Bürgerinnen und Bürger zur Verfügung stand. Das Zusammenspiel von menschlichem Erfindungsgeist, wegweisender Ingenieurwissenschaft und großartiger Brunnenkunst sind das Erfolgskonzept des einzigartigen Wassermanagement-Systems, das lückenlos über acht Jahrhunderte lang in Augsburg zu erleben ist. Bis heute. Auf dieses Welterbe dürfen wir als Stadt zurecht stolz sein und uns von ganzem Herzen freuen.“

Claudia Roth, MdB/Bundestagsvizepräsidentin: Ich freue mich riesig über die Entscheidung der UNESCO-Kommission, die historische Wasserwirtschaft der Stadt Augsburg zum UNESCO-Weltkulturerbe zu erklären. Das ist eine wunderbare Anerkennung für diese vielfältige, spannende Stadt. Im Kern der Augsburger Bewerbung stand die über Jahrhunderte gewachsene Wasserversorgung und der gezielte Ausbau des Trinkwasserzugangs, nicht zuletzt auch die technisch wie künstlerisch herausragende Förderung durch Wassertürme und Prachtbrunnen. Augsburg hat immer schon Wasserschutz betrieben, auch um den zukünftigen Generationen sauberes Wasser zu ermöglichen. Ein zentrales Ziel der Vereinten Nationen ist es, allen Menschen weltweit bis zum Jahr 2030 den Zugang zu sauberem Wasser zu sichern. Der Welterbetitel kann da Ansporn sein, auch von kommunaler Ebene aus weiter dazu beizutragen, Anregungen und Innovationen beizusteuern – kurzum: zu zeigen, wie eine Welterbestätte nicht nur mit ihren historischen Orten umgeht, sondern dieses Wissen über den nachhaltigen Umgang mit der Ressource Wasser auch in die heutige Zeit überträgt. Ich danke allen Akteurinnen und Akteuren, die in jahrelanger Arbeit die Augsburger Bewerbung ausgearbeitet haben. Was für ein Kraftakt, was für ein Erfolg! Und herzlichen Glückwunsch allen Menschen in der Weltkulturerbestadt Augsburg!

Kulturreferent Thomas Weitzel (in Baku/Aserbaidschan): „Das System des Augsburger Wassermanagements legt sich wie eine verbindende Klammer um die an Kulturdenkmälern reiche Stadt. Von den ältesten Wassertürmen Europas über die kunsthistorisch bedeutenden Brunnen bis hin zu herausragenden Denkmälern der Industriekultur oder der Kanustrecke im ehemaligen Olympiagelände reichen die Zeugnisse der Wasserwirtschaft. Die 22 Objekte der Augsburger Welterbebewerbung stellen in ihrer Mischung aus technikgeschichtlicher und kunsthistorischer Bedeutung einen einzigartigen Sonderfall dar: Sie sind alle eng mit den technologischen Errungenschaften des Wasserbaus, der nachhaltigen Nutzung der Wasserkraft und der ressourcenschonenden Trennung von Trink- und Brauchwasser verknüpft. Der UNESCO-Titel ist uns Verpflichtung, die ausgezeichneten Denkmäler mustergültig zu erhalten. Zugleich sind wir uns bewusst, dass wir mit dem Welterbetitel einen Vermittlungsauftrag annehmen, indem wir die Tradition und das Wissen um die nachhaltige Nutzung der lebenswichtigen Ressource Wasser weitergeben und mit der Völkergemeinschaft teilen.“

Welterbe-Koordinator Ulrich Müllegger (in Baku/Aserbaidschan): „Ich bin mir sicher, dass sich viele Augsburger über den Welterbe-Titel freuen und stolz darauf sind. Wasser ist der genetische Code unserer Stadt, der das Leben zwischen Lech und Wertach seit nun mehr als zweitausend Jahren prägt. Wasser ist ein Thema, mit dem jeder etwas anfangen kann – egal welches Geschlecht, welches Alter oder welche Herkunft jemand hat. Der Welterbe-Titel verleiht Augsburg noch einmal einen besonderen Touch, der nach innen, in die Stadt selbst, aber auch nach außen deutlich bemerkbar sein wird. Wir Augsburger sind mit dem Titel jetzt aber auch die Verpflichtung eingegangen, in gewisser Weise treuhänderisch für die ganze Menschheit unser kulturelles Erbe sorgfältig zu pflegen und zu
erhalten.“

Harald Güller Unesco Weltkulturerbe
Harald Güller freut sich über die Augsburger Ernennung zum Weltkulturerbe

Harald Güller (Landtagsabgeordneter): Augsburg hat es geschafft, „wir“ sind Weltkulturerbe! Trinkwasser, Leitungswasser, Mineralwasser, das Lebenselixier ist in aller Munde. Das Augsburger Wasser mit Prachtbrunnen, Kanälen, Kraftwerken, dem Siebentischwald und so weiter bringt uns jetzt weltweit in aller Munde. Wir haben es geschafft, sind Weltkulturerbe! Das wird uns touristisch nach vorne bringen, denn es gibt genügend Menschen, die sich solche Weltkulturerbestätten anschauen wollen. Damit ziehen wir gleich mit der Museumsinsel in Berlin, der Hamburger Speicherstadt, der Würzburger Residenz. Die Gäste dürften aber auch internationaler werden. Wir werden nämlich in einem Atemzug mit dem Opernhaus in Sidney genannt oder der Inka-Bergfestung Machu Picchu in Peru. Ist das übertrieben? Wer sich den Kriterienkatalog im Internet mal anschaut und sich näher mit der seit 800 Jahren bestehenden Wasserversorgung in Augsburg beschäftigt, wird schnell merken, dass es keine Übertreibung ist. Damals war das saubere Trinkwasser, das in der Stadt floss, ein Garant für Wohlstand und Aufschwung. Die Kanäle und Wasserleitungen suchten ihresgleichen. Bis heute ist Wasser ein sensibles Lebensmittel, das geschützt werden muss. Noch immer sind technische Neuerungen nötig, dessen Reinhaltung zu garantieren. Ich freue mich jedenfalls, dass das Thema Wasser mit all seinen Facetten überzeugt hat. Kulturhauptstadt sind wir vor 16 Jahren nicht geworden, aber jetzt Weltkulturerbe! Darauf stoße ich heute noch (mit einem Glas Wasser?) an!“

Ksa Mit Eva Weber
Karl Heinz Englet (Kanulegende), Horst Woppowa, Vorsitzender des KSA Fördervereins, Eva Weber, 2. Bgm. Der Stadt Augsburg, Hans Koppold, Vorsitzender der Kanu Schwaben, Hans-Peter Pleitner, TSV Schwaben Augsburg Präsident, Vorsitzender des Augsburger Sportbeirats und Lechallianz

Stadtwerke-Geschäftsführer Alfred Müllner: Eine wesentliche Rolle, wenn es um die Trinkwasserversorgung Augsburgs geht, spielen auch die Stadtwerke Augsburg. Geschäftsführer Alfred Müllner sieht in der positiven Entscheidung „auch eine Auszeichnung für 800 Jahre nachhaltige Trinkwasserversorgung für die Bürgerinnen und Bürger Augsburgs, im Wandel der Jahrhunderte jeweils mit den modernsten Methoden und Techniken. In einer Zeit, in der Millionen von Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, kann der nachhaltige Umgang mit Trinkwasser, von der Gewinnung bis zum Wasserhahn, beispielgebend sein. Die Auszeichnung ist damit auch ein Aufruf der UNESCO, dass das Lebensmittel Trinkwasser für alle verfügbar sein muss und nicht von kommerziellen Interessen weniger weltweit agierender Großkonzerne abhängig sein darf. Die Stadtwerke Augsburg sind sich dabei ihrer Verantwortung bewusst auch für die nachfolgenden Generationen eine nachhaltige Trinkwasserversorgung zu sichern.“

Regio-Tourismus-Chef Götz Beck:  

„UNESCO-Welterbestätten sind touristische Schwergewichte. Die Auszeichnung für das Augsburger Wassermanagement-System ist eine wunderbare Möglichkeit, spannende Impulse für die touristische Entwicklung von Augsburg und der Region auf nationaler wie
internationaler Ebene zu setzen.“