Wenn am kommenden Sonntag Landtagswahl in Bayern wäre, käme die CSU auf 36 Prozent. Dies ergibt eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap im Auftrag des BR. Das ist für die CSU ein Verlust von zwölf Prozentpunkten im Vergleich zum letzten BR-BayernTrend vom Januar 2021, der sich auf die Frage nach der Landtagswahl bezog. Zweitstärkste Partei bleiben die Grünen mit 16 Prozent. Sie verlieren drei Punkte und liegen damit nur noch knapp vor der deutlich gestärkten BayernSPD mit 14 Prozent (+7). Verbessern können sich die AfD auf zehn Prozent (+3) und die FDP mit sieben Prozent (+4). Die Freien Wähler bleiben unverändert bei acht Prozent.

Nach dieser Umfrage würde die CSU/FW-Koalition ihre Mehrheit im Bayerischen Landtag verlieren. Gleichzeitig zeigt sich auch eine deutlich gesunkene Zufriedenheit mit der Arbeit der Staatsregierung und der sie tragenden Parteien: Äußerten sich im Januar 2021 noch 70 Prozent zufrieden mit der Arbeit des Landeskabinetts, ist es aktuell nur gut die Hälfte (54 Prozent). 44 Prozent der Wahlberechtigten im Freistaat sind unzufrieden. Im Regierungslager stößt die Koalitionsarbeit derzeit allein bei den Anhängern der CSU auf positive Resonanz (83 Prozent), bei den Freien Wählern überwiegt dagegen anders als vor einem Jahr die Kritik (41:59 Prozent). Wesentlich besser als bei den Freien Wählern kommt die Arbeit der CSU-geführten Landesregierung bei den Wählern von SPD (54:45 Prozent), Grünen (47:52 Prozent) und FDP (49:50 Prozent) an, wo sich positive und negative Urteile in etwa die Waage halten. Die AfD-Anhänger wiederum äußern sich fast einhellig kritisch (14:83 Prozent).
Vom gesunkenen Zuspruch zur Arbeit der bayerischen Staatsregierung sind beide Koalitionsparteien stark betroffen. Nach 66 Prozent im Januar vergangenen Jahres bewerten aktuell nur noch 45 Prozent der Wählerinnen und Wähler die Leistungen der CSU in der Landesregierung positiv. Dies entspricht einem Rückgang von 21 Prozentpunkten. Die Kabinettsleistungen der Freien Wähler wiederum werden in der Umfrage nur noch von 33 Prozent der Wahlberechtigten (-12) wohlwollend wahrgenommen, nachdem vor einem Jahr noch knapp die Hälfte mit ihnen zufrieden war.
Bewertung Landtagsopposition: Grüne verlieren, SPD und Liberale gewinnen hinzu
Von der Ansehensschwäche der Koalitionsparteien können die Grünen als größte Oppositionspartei nicht profitieren. Äußerte sich zu ihrer Arbeit im Januar 2021 noch knapp die Hälfte der Wahlberechtigten (47 Prozent) im BR-BayernTrend positiv, müssen die Grünen nun mit 37 Prozent einen deutlich geringeren Zuspruch und einen Verlust von zehn Prozentpunkten hinnehmen. Mit 38 Prozent (+8) können sich die bayerischen Sozialdemokraten im Urteil der Wahlberechtigten dagegen klar verbessern, ebenso die Liberalen, zu denen sich jeder Dritte (32 Prozent; +8) positiv äußert. Kaum verändert zum Vorjahr wird die Oppositionsleistung der AfD nur von jedem Achten (12 Prozent; +3) zustimmend bewertet.
Politikerbewertung: Aiwanger und Söder mit deutlichen Sympathieverlusten
Wie die Landesregierung kann auch Ministerpräsident Markus Söder nicht an seine Popularität von Januar 2021 anknüpfen. Mit einem Zuspruch von derzeit 55 Prozent (-17 Prozentpunkte) reicht der CSU-Regierungschef zugleich ebensowenig an die Zustimmungswerte heran, die er in Bayern im September letzten Jahres vor der Bundestagswahl erzielte (63 Prozent). Trotz des deutlichen Rückgangs liegt der CSU-Politiker im aktuellen Urteil der bayerischen Wahlberechtigten vorn, dicht gefolgt von Landtagspräsidentin Ilse Aigner (52 Prozent; -4 zu Januar 2021). Auf dem dritten Platz landet CSU-Gesundheitsminister Klaus Holetschek mit 45 Prozent.
Etwas größer als beim CSU-Regierungschef fällt der Sympathieverlust binnen eines Jahres bei dessen Stellvertreter im Kabinett, Hubert Aiwanger, aus. Der Wirtschaftsminister von den Freien Wählern überzeugt nach 54 Prozent zu Beginn des vergangenen Jahres aktuell nur noch jeden dritten Wahlberechtigten (36 Prozent; -18). Von den Spitzen der Landtagsopposition erzielt die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katharina Schulze mit 28 Prozent (-4) trotz Verlusten wie gehabt den größten Zuspruch. Sie liegt vor Kultusminister Michael Piazolo von den Freien Wählern (25 Prozent; +1) und ihrem Co-Vorsitzenden Ludwig Hartmann (18 Prozent; -5). Zum SPD-Fraktionsvorsitzenden Florian von Brunn äußern sich 14 Prozent positiv. Allerdings kann die Mehrzahl der bayerischen Wahlberechtigten ihn ein dreiviertel Jahr nach Übernahme des Fraktionsvorsitzes noch nicht beurteilen. Die letzten beiden Plätze im Politikerranking belegen der FDP-Fraktionsvorsitzende Martin Hagen (13 Prozent; +3) und der erst im Oktober zum AfD-Landesvorsitzenden gewählte Stephan Protschka (7 Prozent).

