Spannend-witzig-intensiv | Die Uraufführung von „Švejk/Schwejk“ im Augsburger Martini-Park überzeugt

 „Švejk/Schwejk“ im martini Park nimmt den Besucher auf eine spannend-witzig-intensive Spurensuche mit Texten von Bertolt Brecht, Jaroslav Hašek und Petra Hulová mit. Was die Gäste der Uraufführung am Freitagabend fanden, war ein modernes, spannendes, wenn auch leicht reizüberflutendes Stück vor. Eine gelungene Inszenierung.

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Tomáš Milostný | Foto: Jan-Pieter Fuhr

Die Premiere beginnt, obwohl sie eigentlich nicht beginnen kann. Die Geschichte “des braven Soldaten Schwejk” hat die Autoren Brecht und Hašek ihr Leben lang nicht losgelassen. Sie wurde nie wirklich fertig geschrieben* und dennoch wurde die Story immer wieder inszeniert.

Durch die Zusammenarbeit des Staatstheaters Augsburg und den Städtischen Bühnen Prags entstand ein wortgewaltiges Werk unter der Regie von Armin Petras.

Für die Zuschauer gab es viel zu lesen, sehen und hören. Erst tschechisch dann deutsch, dann deutsch dann tschechisch und dann beides zusammen.  

Ständig herrscht auf der Bühne Bewegung. Zuerst am Tisch mit der Brecht-Darstellerin Eva Salzmannová. Sie spricht zwar primär tschechisch, aber liefert so eine ausdrucksstarke Darbietung, dass das gesprochene Wort in den Hintergrund rückt. Neben ihr steht Tomáš Milostny. Er, der aussieht als wäre er im Schlamm versunken, bewegt sich in der ersten Szene fast gar nicht. Aber sein Blick, dieser Blick… ist fesselnd. Am Schluss der Szene  kommentiert er nur einmal den Text an der Leinwand. „Sch… nicht fertig?“*

Jonas Koch und Anatol Käbisch geben wahrlich ihr letztes Hemd für das Stück und Sarah Haváčová und Katja Sieder lassen mit ihren Stimmen das Theater beben.

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Katja Sieder, Sarah Haváčová | Foto: Jan-Pieter Fuhr

Rebecca Riedel ist für das zahlreiche Bildmaterial verantwortlich. Insbesondere in der zweiten Szenerie wird das Leben des Autoren Hašek auf das Wesentliche reduziert, aufgezeigt. Er hatte es nie leicht und durch seinen extremen Alkoholkonsum erlebte er nicht mal seinen 40. Geburtstag. Sein Werk Švjek blieb unvollendet. 

Die Inszenierung ist (im dritten Akt) vollgepackt mit Darstellern – Mensch und Hund – ständig wechselnden Bühnenbildern und Kostümen, ja man kann schon von leichter Reizüberflutung sprechen. Und dennoch oder vielleicht gerade deshalb ist es so spannend. 

Man fragt sich auch immer wieder was passiert als nächstes und in welcher Sprache geht es weiter? Es ist laut und leise auf der Bühne und im dritten Akt springen Statisten umher. Die mit sehr viel Herzblut (insbesondere Schwejk Nr. 1) die Bretter des martini Parks rocken.

Das Stück konzentriert sich stark auf die Autoren und deren Zerrissenheit. Deren Drang zum selbstzerstörerischen Perfektionismus.   

Aber was ist perfekt? Und muss immer alles perfekt sein? 

Noch achtmal wird die Inszenierung von  „Švejk/Schwejk“ in Augsburg zu sehen sein.

Filipa zu Silbersee