Spiel wird zur Nebensache | Mindestens 11 Verletzte durch Böllerwurf in der Partie des FCA gegen Hoffenheim – Tatverdächtige in Gewahrsam

Durch die Explosion eines Böllers beim Heimspiel des FC Augsburg gegen die TSG Hoffenheim sind ersten Erkenntnissen zufolge mehrere Personen leicht verletzt worden.

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Foto: Sebastian Pfister

Der Böller war aus dem Fanblock der Hoffenheimer in Richtung Eckfahne geworfen worden – wo sich zu diesem Zeitpunkt einige Augsburger Auswechselspieler aufwärmten – und mit einem extrem lauten Knall explodiert.

Durch den gezündeten Böller wurden mehrere Personen offenbar durch ein  Knalltrauma verletzt. Das Spiel wurde unterbrochen und die verletzten Personen durch  den Rettungsdienst versorgt. Bislang sind der Polizei elf verletzte Personen bekannt.  Die Polizei bittet Personen, die ebenfalls verletzt wurden, sich unter Tel.  0821/323-3810 zu melden. 

Umgehend nach dem Vorfall nahm die Polizei die Ermittlungen auf. Dabei konnten  noch während des Spiels zwei Tatverdächtige ermittelt werden. Beide Männer stehen  im Verdacht, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Die beiden Männer wurden ebenfalls  noch während der laufenden Partie festgenommen und befinden sich aktuell im  Gewahrsam der Polizei.  

„Ein nicht zu fassender Unsinn“, sagte Alexander Rosen (44), Sportchef der TSG, nach dem 1:1-Remis am frühen Abend. 

Schiedsrichter Felix Brych (48) hatte die Partie wegen des Vorfalls in der 57. Minute für rund fünf Minuten unterbrochen, dann aber fortgesetzt.

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Schiedsrichter Felix Brych (48) wurde von allen Seiten für den Umgang mit der außergewöhnlichen Situation gelobt | Foto: Sebastian Pfister

„Ich habe noch nie einen so lauten Knall in einem Fußball-Stadion gehört“, sagte Brych. „Ich habe klar gesagt, wenn so etwas nochmal passiert, müssen wir das Spielfeld verlassen“.  Er verwies in diesem Zusammenhang den sogenannten Dreistufenplan des Deutschen Fußball-Bundes, bei dem als finale Reaktion ein Spielabbruch erfolgt.

Als erste Stufe hatte Brych die Spieler beider Teams im Mittelkreis zu einem Gespräch versammelt. „Ich habe mir schon überlegt, was mit den Menschen passiert, die da in der Nähe sind, diesen Knall aushalten müssen“, sagte Brych. „Natürlich, wenn es schlimmer gewesen wäre, hätten wir auch andere Maßnahmen ergreifen müssen.“

FC Augsburg bleibt nach dem 1:1 gegen Hoffenheim unter Jess Thorup ungeschlagen

TSG-Hoffenheim veröffentlicht Stellungnahme zu den Ereignissen

Am Abend wurde auf der Webseite der TSG Hoffenheim eine Stellungnahme zu den Vorkommnissen in Augsburg veröffentlicht. Darin heißt es:

„Die TSG Hoffenheim verurteilt den Böllerwurf und bittet alle Zuschauer im Stadion, unseren Gastgeber, den FC Augsburg, die gesamte Fußball-Gemeinde, vor allem aber die zu Schaden gekommenen Personen um Entschuldigung. In den 16 Jahren unserer Bundesliga-Zugehörigkeit sehen wir uns zum ersten Mal mit einer solchen irrsinnigen Entgleisung konfrontiert. Wir werden alles in unserer Macht stehende unternehmen, dass es bei diesem Einzelfall bleibt. 

Wir stehen im Austausch mit den Ermittlungsbehörden, um dabei zu unterstützen, die Tat vollständig aufzuklären. Zudem gelten unsere Aufmerksamkeit und Fürsorge, den zu Schaden gekommenen Personen.

Die TSG steht mit ihren Werten für ein friedliches Miteinander. Im Rahmen unserer Klubstrategie „TSG ist Bewegung“ ist unsere tägliche Arbeit geprägt von Toleranz, Respekt, Fairness und gesellschaftspolitischer Verantwortung. Darüber hinaus lehnen wir jegliche Form von Gewalt ab.

Bedanken möchten wir uns nicht nur beim Schiedsrichtergespann um Dr. Felix Brych, den Verantwortlichen des FC Augsburg sowie den Spielern beider Teams für die besonnene, kollegiale und professionelle Krisenkommunikation, sondern auch bei den Ordnern und Sanitätern, die den Verletzten schnell Hilfe leisteten.

Große Anerkennung gilt auch unserer Szene, die sich unmittelbar vor Ort verbal und in anschließenden Statements nicht nur von dieser kriminellen Aktion distanziert, sondern aktiv an der Aufklärung mitgewirkt hat. Wir wissen, dass die uns nahestehenden Gruppen die TSG aus den Fankurven in der PreZero Arena sowie in den auswärtigen Stadien immer leidenschaftlich, aber nie mit unfairen oder verbotenen Mitteln unterstützt. 

Wir werden auf unseren Kanälen über die Entwicklung der Ereignisse von Augsburg informieren und bedanken uns schon jetzt bei allen, die uns dabei und darüber hinaus unterstützen.

Wir. Die TSG.“