Sportreferent und Vereine sind uneins über den Zukunftsplan für die Augsburger Schwimmbäder

Die diesjährige Freibadsaison schließt mit dem hervorragenden Ergebnis von knapp 250.000 Badegästen ab – es ist das zweitbeste Ergebnis im Zehnjahresvergleich. Zum Start in die jetzige Hallenbadsaison nennt Sportreferent Dirk Wurm Fakten zur geplanten Weiterentwicklung der Hallenbadlandschaft in Augsburg.

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Sportreferent Wurm und die Vereine sind sich uneins über die Zukunft der Augsburger Schwimmbäder | Foto: Wolfgang Czech

Für ihn ist klar: „Wir bauen kein neues 50-Meter-Spaßbad. Erheblich sinnvoller ist, ein bestehendes Hallenbad auszubauen und zu modernisieren.“

Mehr Wasserflächen für alle Nutzergruppen

Mit der Deutschen Sportstättenbetriebs- und Planungsgesellschaft mbH & Co. KG wurde das renommierteste und erfahrenste Planungsbüro für Bäder in ganz Deutschland beauftragt. Ziel ist die Modernisierung und Weiterentwicklung der bestehenden Hallenbäder in Augsburg, um mehr Wasserfläche zu schaffen. „Schwimmen und Wassersport zählen auch in den kommenden Jahrzehnten zu den beliebtesten Sport- und Freizeitaktivitäten bei Alt und Jung“, so Wurm. Dies bedeutet, dass es Wasserflächen für Wassergymnastik und Wassersport für die Älteren und Wasserflächen für die Jüngeren geben muss, die sowohl im Verein als auch in der Schule schwimmen lernen sollen. Darüber hinaus sind attraktive Wasserflächen vor allem für Familien erforderlich – ein solches Angebot fehlt bislang in der Stadt.

„Zentraler Neubau verfehlt Ziel der Bestandssicherung“

Für den Bäderentwicklungsplan wird eine Machbarkeitsstudie mit drei Varianten erstellt. Variante eins sieht die Bestandssanierung der Bäder vor. „Kein Mehrwert“, sagt Sportreferent Wurm, weil damit kein Gewinn an Wasserfläche verbunden ist.

Variante zwei beschreibt den Neubau eines zentralen Sport- und Freizeitbades. Mit dieser Variante sind, so der Sportreferent nicht nur sehr hohe Kosten verbunden. „Mit einem Neubau ist auch das Ziel der Bestandssicherung unserer Hallenbäder nicht erreicht. Abgesehen davon, dass die Standortfrage sehr viel Zeit in Anspruch nimmt sind auch Nutzungskonflikte zwischen Freizeit-und Sportschwimmern im Bad vorprogrammiert.

Ausbau eines Bestandsbeckens und Neubau

Mit der dritten Variante wird ein Bestandsbecken (25 Meter-Becken und Lehrschwimmbecken) zu einem wettkampftauglichen Sportbad (50 Meter-Becken mit zehn
Bahnen und Lehrschwimmbecken) ausgebaut. Hinzu kommt der Neubau eines Familien- und Freizeitbades (Familienbecken, 25 Meter-Becken, Planschbecken, Sprungbecken, 2 Rutschen, Gastro, Sauna, etwas Wellness und Solebecken im Außenbereich). Aus Sicht der Sport- und Bäderverwaltung führt diese Variante am besten zum Ziel, weil sie mehr Wasserfläche in zwei Schritten schafft, die dezentrale Bäderstruktur in der Stadt mit ihren kurzen Wegen aufrechterhält und mittelfristig finanzierbar ist.

Auch der Wunsch der Vereine wird geprüft

Für Sportreferent Dirk Wurm ist die Richtung klar: „In einem ersten Schritt sollten wir die wettkampftaugliche 50-Meter-Sportschwimmhalle an einem bestehenden Hallenbad-Standort und im Rahmen einer Komplettmodernisierung errichten.“

Wie der Sportreferent weiter ausführt, wird parallel dazu auch der Wunsch der Vereine geprüft, diese Sportschwimmhalle auf der Fläche des Familienbades am Plärrer zu errichten. In einem zweiten Schritt wäre dann zu entscheiden, ob und wo in der Stadt Augsburg ein Familien- und Freizeitbad entstehen könnte. Nachdem die Stadtratsfraktionen sowie die Schwimm- und Wassersportvereine im Sommer über diese drei Varianten informiert wurden, befasst sich Ende September der Sportbeirat und am 7. Oktober der Sportausschuss mit der Thematik.

Varianten werden öffentlich vorgestellt

Im November stellt Sportreferent Dirk Wurm die drei Varianten öffentlich in drei Veranstaltungen vor. „Dazu sind alle interessierten Bürgerinnen und Bürger eingeladen, ihre Wünsche und Vorschläge zur Bäderentwicklung in Augsburg zu äußern und einzubringen. Diese Anregungen nehme ich für die Bäderplanungen sehr gerne mit“, betont der Referent.

Wurm: „Behauptung der Vereine ist absurd“

Vor diesem Hintergrund macht Wurm deutlich, dass er die öffentlich geäußerte Verärgerung der Schwimm- und Wassersportvereine nicht nachvollziehen kann. „Den Vereinen wurden in aller Offenheit und transparent die drei Varianten vorgestellt und erläutert – insbesondere die mögliche Abfolge der Maßnahmen bei Variante drei. Jetzt zu behaupten, der Sportreferent habe keine Vorstellung von der Modernisierung und Weiterentwicklung der Hallenbäder in Augsburg ist daher absurd.“

Der Sportreferent rechnet damit, dass der Stadtrat Ende des Jahres oder Anfang 2020 den Grundsatzbeschluss zur Modernisierung und Weiterentwicklung der Augsburger Bäderlandschaft fasst. Aktuell bereitet die Sport- und Bäderverwaltung zudem die Planungen zur Modernisierung der Freibäder im neuen Jahrzehnt vor, die auch die Fördermöglichkeiten durch den Freistaat Bayern berücksichtigen. Im Oktober wird dazu im
Sportausschuss berichtet.

Arbeitsgemeinschaft sieht keine Lösung für die Vereine

Die Arbeitsgemeinschaft „50-Meter-Hallenbad für Augsburg“  kritisiert Wurm für die vorgestellten Varianten schwer. Alle vorgestellten Varianten werden als „völlig inakzeptabel“ bezeichnet. „Weder wurden nach unserer Kenntnis die für eine Förderung entscheidenden künftigen Belegungen für das Schulschwimmen erhoben, noch wurden die Vereine bisher befragt, welchen Bedarf sie in Zukunft haben werden.“, heißt es in einer Erklärung.

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Bernd Zitzelsberger (Mitte) sieht weiter Probleme für die Augsburger Schwimmsportvereine | Foto: Jörg Zitzelsberger

Völlig inakzeptabel sei die dritte Variante. Die ARGE befürchtet dass zuerst das etwa 50 Mio. Euro teure Familien- und Freizeitbad umgesetzt werden soll, das angekündigte 50-Sportbad hinten ansteht. „Für uns Vereine fehlt damit jegliche Perspektive und die Verbindlichkeit, auch weil es überhaupt keinen Zeitplan gibt, wann das 50-Meter-Hallenbad gebaut werden soll.“ Dies wiederum soll laut Sportreferent Wurm zuerst anstehen (siehe oben). Einigkeit klingt anders.

Keine Möglichkeit für olympischen Schwimmsportarten in Augsburg

Besonders ärgerlich ist dies, weil die Zeit drängt. Den Schwimm- und Wassersportvereinen in Augsburg steht schon länger keine wettkampftaugliche, ganzjährig nutzbare Wasserfläche zu Verfügung. Zudem nagt an den bestehenden Hallenbädern in Haunstetten, Göggingen und im Spickel der Zahn der Zeit. Hier hat sich teils ein enormer Sanierungsbedarf angestaut. Wie bei vielen städtischen Einrichtungen wurde hier in der Vergangenheit an der falschen Stelle gespart. Diese Sanierungen müssten vor einem möglichen Ausbau durchgeführt werden. Kosten und zeitmäßig ein enormer Bedarf.

Spickelbad im Fokus

Als Standort für den Ausbau zum Sportbad steht in den städtischen Varianten das Spickelbad im Fokus. Für Bernd Zitzelsberger, Sprecher der ARGE, wäre dieser Umbau im Bestand schwierig für seine Vereine. Er rechnet mit einer Sanierungs- und Umbauzeit von etwa vier Jahren. Viel Zeit in der den Augsburgern erneut weniger Wasserflächen zu Verfügung stehen.

Ein gemeinsamer Weg scheint noch nicht gefunden zu sein. Selbst bei einem entsprechenden Stadtratsentscheid wird es bei realistischer Betrachtung noch einige Zeit dauern, bis den Augsburger Sportvereinen ein entsprechendes Bad zu Verfügung stehen wird.