SPZ der Hessing Stiftung | Bei der Online-Petition für die betroffenen Familien zählt jede Unterschrift

Völlig überraschend wurde der Hessing-Stiftung kurz vor Weihnachten die Zulassung für ihr Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ) entzogen. Seit dem 1. Januar kann das Hessing Förderzentrum für Kinder und Jugendliche keine SPZ-Leistungen mehr anbieten. „Für die betroffenen Kinder und Jugendlichen sowie ihre Familien stellt dies – gerade in Coronazeiten – eine unbillige Härte dar und ist mit großen Beeinträchtigungen verbunden“, so äußert sich eine spontan gegründete Interessensgemeinschaft für die betroffenen Eltern.

Annie Vor Dem Sozialpaediatrischen Zentrum Hfz
Annie ist fünf Jahre alt und kam mit dem extrem seltenen Gendefekt „GRIN1“ auf die Welt. Ihre Mutter Daniela Sauer-Meyer hat zusammen mit anderen Eltern eine Petition im Bayerischen Landtag eingereicht: Sie kämpfen für den Erhalt des Sozialpädiatrischen Zentrums der Hessing-Stiftung.

Aus diesem Kreis wurde daher eine Petition an den Bayerischen Landtag verfasst. Hierin wird neben einer angemessenen Übergangsfrist die Beibehaltung der Ermächtigung und auch die Etablierung eines zweiten Sozialpädiatrischen Zentrums in Augsburg gefordert. Unterstützt werden die Elternvertreter:innen dabei vom Peutinger-Forum Augsburg.

Betroffen ist unter anderem die Familie von Daniela Sauer-Meyer. Ihre Tochter wird seit 2017 im SPZ des Hessing Förderzentrums betreut. Annie ist fünf Jahre alt und kam mit dem extrem seltenen Gendefekt „GRIN1“ auf die Welt. Sie war bei der Diagnosebekanntgabe im Dezember 2016 das 22. Kind, das weltweit mit diesem Gendefekt verzeichnet war. Sie leidet unter anderem an einer Statusepilepsie, Hüftdysplasie, ist extrem entwicklungsverzögert, kann nicht sprechen und kann auf Grund ihrer geistigen Behinderung auch nicht gebärden oder unterstützende Kommunikationshilfen benutzen. Annie ist laut ihrer Mutter 24 Stunden am Tag auf Hilfe angewiesen. Sie kann nicht selber essen, trägt Windeln und wird auch nachts mit einem speziellen Gerät überwacht, um keine epileptischen Anfälle zu übersehen.

Im Oktober 2019 hat Familie Sauer-Meyer den Landkreis Augsburg zu ihrem Zuhause gemacht, so dass Annie seit September 2020 auch die Nestgruppe des Kinderhauses der Hessing Stiftung mit einer Individualhilfe besuchen kann. Daniela Sauer-Meyer sagt: „Ich habe durchweg nur positive Erfahrungen mit dem SPZ der Hessing Stiftung gemacht. Wir scheiterten in diversen großen Kliniken außerhalb Augsburgs und fanden keine Hilfe. Bis uns unser Kinderarzt, der am Kinderklinikum Augsburg arbeitete, das HFZ der Hessing Stiftung empfohlen hat.“ Die seitdem behandelnde Ärztin Dr. Susanne von Schoenaich, sei für die Familie die Rettung gewesen, medizinisch und auch psychisch. Das erste Mal wurde sich dem Kind angenommen und auch die Familie drum herum wurde und wird wahrgenommen, schildert die Mutter ihre Erlebnisse. Annie werde in jeder Hinsicht ganzheitlich betreut. Daniela Sauer-Meyer sagt: „Annie hat hier Entwicklungsschritte mit gezielten Therapien erreichen können, von denen wir nie zu träumen wagten.“

Welche Probleme kommen nun auf diese und hunderte von anderen Familien zu, wenn Sie das Sozialpädiatrische Zentrum wechseln müssen? Annies Mutter sagt mit klaren Worten: „Für ein Kind das nun schon dreieinhalb Jahre an dieselben Therapeuten gewöhnt ist und aufgrund ihrer geistigen Behinderung und autistischer Züge sich nur ganz schwer an neue Umfelder gewöhnt, wäre eine Umstellung in jeder Hinsicht fatal. Ein Wechsel ist für uns ein Rückschritt, den wir uns in Anbetracht der Situation entwicklungstechnisch für das Kind nicht leisten können.“ Ein jahrelanges Vertrauensverhältnis könne nicht einfach so von heute auf morgen ersetzt werden. Das sei nicht nur für die Kinder eine enorme Belastung, sondern auch für die Familien, die all ihre Kräfte für den Alltag benötigen. Dieser Alltag sei an sich schon schwer zu meistern, gerade auch in dieser Zeit der Pandemie. Therapieerfolge könnten hiervon großen Schaden nehmen, wie Daniela Sauer-Meyer befürchtet.

Die Petition für eine patienten- und familienfreundliche Lösung in Sachen Sozialpädiatrisches Zentrum hat mittlerweile 1.475 Unterschriften erhalten. Darunter auch von Ärzt:innen und Kinder- und Jugendärzt:innen aus der Region, die sich besorgt im Hinblick auf die Versorgung ihrer Patient:innen äußern.

Informationen zur Petition und die Möglichkeit, sie zu unterzeichnen finden Interessierte online unter: openpetition.de/spzaugsburg

In den sozialen Medien informiert die Interessensgemeinschaft IG SPZ Augsburg über aktuelle Entwicklungen: 

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