Stabübergabe in der Dommusik – Augsburger Diözesanadministrator wünscht sich zum Jahresabschluss Christen „mit Biss“

Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier hat dazu ermutigt, als Christen in Kirche und Gesellschaft mehr erkennbar zu sein und selbstbewusst aufzutreten. „Als Christen mit Biss, aber nicht verbissen, sondern als solche, die in Freiheit Verantwortung übernehmen und sich dem öffentlichen Diskurs stellen, wo immer es nötig ist“, so Prälat Meier heute in seiner Silvesterpredigt im Hohen Dom. Mit der Stabübergabe von Domkapellmeister Reinhard Kammler an seinen Nachfolger Stefan Steinemann endete in der Jahresschlussandacht zudem eine kirchenmusikalische Ära im Bistum Augsburg.

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Eine Ära geht zu Ende: Stabübergabe von Domkapellmeister Reinhard Kammler (li.) an seinen Nachfolger Stefan Steinemann (re.). Diözesanadministrator Prälat Dr. Bertram Meier (Mitte) bedankt sich im Namen des Bistums. (Foto: Nicolas Schnall / pba)

„Nicht wegducken, sondern sich einmischen, sich solidarisch zeigen mit den ungerecht Behandelten“, schrieb der Diözesanadministrator den anwesenden Gläubigen ins Stammbuch. Zur Mission der Kirche gehöre es für ihn, einerseits nicht den Anschluss zu verlieren, sich andererseits aber auch nicht zu sehr anzupassen. „Es geht sowohl um Anschlussfähigkeit als auch um kritische Zeitgenossenschaft.“ Kirche verstehe sich als Zeitgenossin der jeweiligen Gesellschaft. Sie begleite gesellschaftliche Prozesse wohlwollend und zugleich kritisch, betonte Prälat Meier. Dies fordere von Christen auch, in Sorge um das gemeinsame globale Haus für die Bewahrung der Schöpfung einzustehen.

Mit Sorge betrachtet der Diözesanadministrator die „dumpfen Töne“ in den aktuellen politischen Auseinandersetzungen. Auch mit Blick darauf empfahl er für das kommende Jahr als guten Vorsatz „auf unseren eigenen Umgang mit Worten“ zu achten. Dies gelte gleichermaßen für die „innerkirchlichen Diskussionen, im Dialog mit dem neuen Bischof, als Reaktion auf Entwicklungen in unserem Land und in privaten Gesprächen“, so der Prälat.

Mit den Worten von Papst Franziskus, dass die Kirche eine Steigerung ihres Zusammenwirkens in allen Bereichen ihrer Sendung nötig habe und eine Kirche des Zuhörens werden müsse, unterstrich er die Notwendigkeit einer Erneuerung kirchlichen Lebens. Dabei gehe es jedoch nicht um eine Sache, sondern um Jesus Christus als Person, in dem sich alles erneuern müsse. „Miteinander sind wir auf dem Weg. Das erleben wir derzeit weltkirchlich, in Deutschland und im Bistum. Gott ist mit uns“, so der Diözesanadministrator. Der für die Kirche in Deutschland geplante Synodale Weg sei trotz aller kritischen Anfragen daher „alternativlos“. Auch wenn sich über die gewählten Themen durchaus streiten ließe, verwies Prälat Meier darauf, dass die Evangelisierung „der Notenschlüssel für die Partitur jeder kirchlichen Reform“ sein müsse. „Praktizieren wir synodale Kirche und hören wir aufeinander, um zu erkennen, was der Heilige Geist uns sagt.“

Stabübergabe in der Dommusik – Domkapellmeister Kammler im Ruhestand

Als am Silvesterabend der letzte Paukenschlag donnernd erklang und bei den Sängerinnen und Sängern des Domchors und den Instrumentalisten des Domorchesters der letzte Ton von Anton Bruckners „Te Deum“ verhallt war, wusste Domkapellmeister Reinhard Kammler, dass seine berufliche Schaffenszeit am Hohen Dom nun ein klangvolles Ende gefunden hat. Nun darf er seinen Dirigierstab ab sofort in Stefan Steinemanns Hände legen. Als symbolisches Dankeschön überreichte Diözesanadministrator Meier dem scheidenden Domkapellmeister eine Kerze und wünschte seinem Nachfolger Gottes Segen für die neue Aufgabe.

Viereinhalb Jahrzehnte sind vergangen, seitdem Reinhard Kammler 1976 von Bischof Dr. Josef Stimpfle den Auftrag bekam, die Tradition der Augsburger Domsingknaben, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht, neu zu beleben. 1980 wurde er als jüngster Domorganist Deutschlands an die Kathedrale von Augsburg berufen und 1995 zum Domkapellmeister ernannt.

Bereits vor rund einer Woche bezeichnete Diözesanadministrator Meier bei Kammlers Verabschiedung im Goldenen Saal des Rathauses den scheidenden Domkapellmeister als einen „echten Glücksgriff“ für Kirche und die Stadt Augsburg. Durch seine Tätigkeit im Dienst der Musica Sacra habe er den Raum der Liturgie weit aufgestoßen und auch das öffentliche Leben in Stadt und Land wesentlich mitgeprägt, so Prälat Meier. Unter seiner Leitung und Förderung hätten sich die Augsburger Domsingknaben zu einem Spitzenchor entwickelt, der über die Grenzen unserer Region hinaus als Markenzeichen für höchste Qualität bürge. „Dafür ist ihm das Bistum Augsburg zu großem Dank verpflichtet.“

Hinter den Jahrzehnten im kirchlichen Dienst stünde eine Biographie, die um zwei Brennpunkte kreist: „Die Leidenschaft für die Musik und die Liebe zur Kirche.“ Für Kammler sei Musik, Orgelspiel und Gesang stets Ausdruck der Gottesverehrung gewesen. Der Dienst an der Verkündigung des Wortes Gottes war ihm dabei in gleichem Maß wichtig wie die Verantwortung gegenüber den jungen Leuten. Auf den Punkt gebracht: „Als Mensch ist er keine Kopie, sondern ein Original – selbstbewusst und durchaus streitbar“, charakterisierte Diözesanadministrator Meier den Domkapellmeister in seiner Würdigung.