Starkstrom | Formula-Student-Projekt der Hochschule Augsburg feiert Jubiläum

Starkstrom, das interdisziplinäre Formula-Student-Projekt der Hochschule Augsburg, hat am 24. September im SIGMA Technologiepark Augsburg sein 10-jähriges Bestehen gefeiert. Aktive Vereinsmitglieder, Alumni und Sponsoren blickten gemeinsam zurück auf Höhepunkte der Vereinsgeschichte und Erfolge in der Rennwagen-Entwicklung.

Starkstrom 14.Jpeg
Foto: Wolfgang Czech

Nach einjähriger Vorarbeit konnte im Jahr 2012 der erste Rennwagen des Formula-Student-Electric-Teams präsentiert werden: UASA1201 – Asrael. 78 Studierende verfolgten damals unter der Betreuung von Prof. Dipl.-Ing. Ulrich Thalhofer und Prof. Dr.-Ing. Dr. h. c. Hans-Eberhard Schurk das Ziel, für die Hochschule Augsburg an Formula-Student-Events teilzunehmen. Bei den Wettbewerben treten internationale Hochschulteams in drei Klassen gegeneinander an: Combustion, Electric und Driverless (seit 2017). Die Teams müssen dabei mit einem Gesamtpaket aus technischer Finesse, Performance auf der Rennstrecke sowie Kosten- und Marktverständnis glänzen können. Zu diesem Zweck konstruieren und fertigen Studierende eigenständig einen Rennwagen im Stil eines Formel-Rennwagens.

Dabei werden sie heute von Prof. Dr.-Ing. Rainer Wieler und Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf federführend betreut. Markgraf erklärte anlässlich der Jubiläumsfeier: „Die Studierenden wenden im Projekt das Wissen aus dem Studium direkt an, um Bauteile zu optimieren oder ganz neu auszulegen. Dabei müssen sie auch die wirtschaftlichen Aspekte der Fahrzeugentwicklung beachten. Mitglieder von StarkStrom bereiten sich so optimal auf den Berufseinstieg vor, da dieses interdisziplinäre Denken in vielen Bereichen und nicht nur in der Automobilindustrie erwartet wird.“ Mitglieder, die nach ihrem Abschluss in der Formula E oder bei großen Herstellern von intelligenten, mechatronischen Systemen arbeiten, würden immer wieder rückmelden, wie wertvoll sich die praktische Erfahrung im Rennteam in größeren Dimensionen im späteren Berufsleben erweise.

Bereits die Gründungsmitglieder von StarkStrom hatten erkannt, dass sich der Automobilmarkt zunehmend in die Richtung elektrischer Antriebe hin entwickelt. Deshalb konstruierte der Verein vom ersten Jahr an Rennwagen mit dieser Technik. Seitdem wurden die Autos jedes Jahr verbessert. Scheuchtel, der Rennwagen der Saison 2013, wog deutlich weniger als Asrael und besaß erste aerodynamische Komponenten. In der folgenden Saison lernte das Team über sich selbst hinauszuwachsen und auch in schwierigen Situationen zusammenzuhalten. Denn den Studierenden wurde bei der Formula Student Germany der „Broken Dreams Award“ für einen Fahrwerksbruch in der letzten Kurve des Endurance verliehen. Nur wenige Tage später zeigten sie trotz dieser Niederlage beste Performance bei der Formula Student Austria.

Die nächste Generation bezeichnet das Team als Meisterwerk. Bei Cedur – so der Name des Rennwagens – wurden mehr als 40 Bauteile grundlegend verändert. Diese Evolution ermöglichte den zehnten Platz bei der Formula Student Germany. Somit zählte StarkStrom seitdem zu den besten deutschen Teams. Silencio, der Rennwagen der Saison 2016 und 2017, war der erste autonom fahrende Rennwagen von StarkStrom. In der neu eingeführten Klasse „Formula Student Driverless“ erreichte das Team auf dem Hockenheimring den elften Platz. Von Anfang an war StarkStrom in dieser Klasse vorne mit dabei und folgte dem Trend zum autonomen Fahren aus der Automobilindustrie. In den folgenden Jahren bewiesen die Studierenden mit Fenja, Zapp und Blecki Decker ihre hervorragenden Kompetenzen. Sie entwickelten das mechanische System sowie das elektrische System weiter und rüsteten die Sensorik zur Erkennung der Fahrbahnmarkierung auf.

In der aktuellen Saison belegte StarkStrom bei der Formula Student Germany am Hockenheimring den zweiten Platz in der Klasse Driverless. In der Klasse Electric landete das Team auf dem 15. Platz und somit im oberen Mittelfeld der 38 teilnehmenden Teams. Zuvor konnten die Studierenden bereits bei der Formula Student East in Ungarn über einen zweiten Platz in der Gesamtwertung in der Klasse Driverless freuen. Prof. Gordon Thomas Rohrmair, Präsident der Hochschule Augsburg, sagte anlässlich der Feierlichkeiten: „Mit den jüngsten Erfolgen in dieser Saison hat Starkstrom gezeigt, dass der Verein an einem bisherigen Höhepunkt in seiner Geschichte angelangt ist. Ein zweiter Platz am Hockenheimring ist das größte Geburtstagsgeschenk, das sich das Team selber machen konnte.“ Ab nächster Saison warten jedoch bereits neue Herausforderungen auf die Studierenden. Die Rennwagen müssen dann sowohl manuell als auch autonom fahren können. Deswegen planen die Mitglieder bereits jetzt, wie sie diese Vorgabe umsetzen können.

Zunächst kamen auf der Geburtstagsfeier aber noch einige Ehemalige zu Wort: „Hinter einem fertigen Rennwagen steckt mehr als nur viel Arbeit“, sagte Martin Schmidtner, Head of Mechanic in der Saison 2013/2014. Er betonte: „Für mich war an StarkStrom immer besonders, dass man mit so vielen Menschen eng zusammenarbeitet.“ Der Head of Mechanic der vergangenen Saison, Florian Herlan, geht sogar noch weiter und bezeichnete das Team als seine zweite Familie. Er sagt: „Zu dieser großen Familie zählen auch die Professoren Prof. Dr.-Ing. Rainer Wieler, Prof. Dr.-Ing. Carsten Markgraf und Prof. Dr. Michael Feucht sowie alle Alumni, die an nachfolgende Generationen Erfahrungen und Wissen weitergeben.“ Und natürlich gehörten dazu auch alle Sponsor:innen, ohne deren Unterstützung das Projekt nicht möglich wäre. Herlan erklärte in seinem Grußwort: „Jeder, der nicht nur Teil eines spannenden Projekts sein möchte, sondern sich mit der Hilfe vom Team zu einer ‚gefragten Persönlichkeit‘ entwickeln möchte, ist bei StarkStrom genau richtig.“