Die gesetzlichen Krankenkassen wenden illegale Praktiken an, um Ärzte vermutlich dazu zu bewegen, Patienten auf dem Papier möglichst krank erscheinen zu lassen. Wie der „Spiegel“ berichtet, scheint eine gesetzliche Neuregelung aus dem Jahr 2017 annähernd wirkungslos zu verpuffen. Der „Spiegel“ beruft sich dabei auf ein noch unveröffentlichtes Gutachten, das das Wissenschaftliche Institut für Gesundheitsökonomie und Gesundheitssystemforschung im Auftrag der Techniker Krankenkasse (TK) erstellt hat.

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Darin berichte fast jeder Fünfte von mehr als 600 befragten Medizinern (19,4 Prozent), dass gesetzliche Kassen ihm auch 2018 und später eine sogenannte „Kodierberatung“ angeboten hätten. Gemeint ist damit jeder Hinweis an Ärzte, wie Diagnosen zu stellen seien. Seit April 2017 ist es gesetzlichen Kassen allerdings verboten, Ärzte bei ihren Diagnosen zu beeinflussen.

Explizit untersagt ist, Kodierberater in Praxen zu schicken, eine entsprechende Beratung am Telefon anzubieten oder eine Praxissoftware bereitzustellen. Grund für die Praktiken der Kassen ist vermutlich ein überholungsbedürftiges Verteilungssystem der Gelder. Für Patienten mit bestimmten Krankheitsbildern erhalten AOK, Barmer und Co. besonders hohe Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds. Wird bei einer 45-Jährigen beispielsweise Bluthochdruck diagnostiziert, steigen die jährlichen Zuweisungen an die Kasse um 251 Euro; attestiert man eine Depression, können es 532 Euro zusätzlich sein.

„Das Gutachten zeigt, dass Kodierberatung nach wie vor Thema ist“, sagt TK-Vorstandschef Jens Baas. Er fordert eine Reform des Verteilungsmechanismus inklusive einer „wirksamen Manipuliationsbremse“.