Tierschutzbund warnt vor Ausnahmen bei Verbot des Kükentötens

Vor den Beratungen zum geplanten Ausstieg aus dem Kükentöten hat der Tierschutzbund vor Ausnahmen vom Verbot gewarnt. „Wieder einmal geht es nicht konsequent um Tierschutz, sondern darum, den Tiernutzern Schlupflöcher zu ermöglichen“, sagte Verbandspräsident Thomas Schröder der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Am Montag findet vor dem Agrarausschuss des Bundestages eine Anhörung zum geplanten Verbot statt, welches zum Jahresende in Kraft treten soll.

Dts Image 1268 Osqqpcajhd 3121 800 600Küken neben Hühnereiern, über dts Nachrichtenagentur

Das Bundeslandwirtschaftsministerium hat einen Gesetzentwurf vorgelegt. Bislang werden jährlich rund 40 Millionen männliche Küken der Legehennen-Linien direkt nach dem Schlupf vergast, weil sich ihre Aufzucht nicht lohnt. Zuvor hatte die NOZ berichtet, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium auf Antrag der Bundesländer einen Formulierungsvorschlag zum Verbotsgesetz erarbeitet.

Dieser soll das Kükentöten erlauben, wenn die Kükenkadaver an solche Tiere verfüttert werden, die auf entsprechende Nahrung angewiesen sind – etwa in Wildvogelauffangstationen. Schröder lehnt Ausnahmen vom Verbot ab. Er sagte: „Die ministeriale Empathie für Mitgeschöpfe ist gleich null.“ Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) werde ihrer Aufgabe als zuständige Ministerin für den Tierschutz nicht gerecht.

Die selbst gewählte Bezeichnung ihres Ministeriums als Lebensministerium spotte der Realität. Kritik am Gesetzentwurf kam auch von dem Unternehmen Respeggt, welches sich mit der Geschlechtsbestimmung im Ei befasst. Hintergrund ist eine weitere Verschärfung des Verbots ab 2024. Ab da sollen wegen eines möglichen Schmerzempfindens der Embryonen Eier nur noch bis zum sechsten Tag aussortiert werden.

Respeggt-Geschäftsführer Ludger Breloh sagte der NOZ: „Es gibt nach meinem Kenntnisstand derzeit keine Technologie, die dem im Gesetzesentwurf formulierten Anspruch ab 2024 gerecht wird. Keine einzige. Wenn das Gesetz so kommt, werden wir weggefegt vom deutschen Markt.“ Sein Unternehmen expandiere daher nicht wie geplant in Deutschland, sondern in Frankreich.