Todesfalle Stauende leider keine Seltenheit in Deutschland und auch nicht das erste Mal am Mittwoch (08.06.2022) in Bayern. Erst am Morgen gab es einen tödlichen Auffahrunfall mit drei beteiligten Lastwagen bei Regensburg. Und auch am Abend ist wieder ein toter Trucker zu beklagen – diesmal auf der A3 am Kreuz Fürth-Erlangen. Ein Rückstau von einem Pannenlastwagen mit Reifenpanne ist sein Verhängnis.

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Foto: vifogra/Friedrich

Birgitt Süßner ist als Einsatzführungsdienst der Feuerwehr Erlangen alarmiert. Im Gegensatz zu ihren Kollegen in den großen Fahrzeugen kommt ihr Fahrer mit dem Einsatzleitwagen schnell an die Unfallstelle, weil er auf den Zubringer fahren kann. Die großen Fahrzeuge müssen sich durch den Stau quälen und kommen erst zeitverzögert an. Vor Ort ein Bild der Zerstörung. „Wir haben vorgefunden einen Sattelauflieger, dessen Zugmaschine abgerissen war und darauf aufgefahren war ein weiterer Lkw, dessen Führerhaus komplett kollabiert war und auf den ersten Blick bereits klar erkennbar war, ein äußerst kritischer Patient“, erklärt Süßner. Die es auch noch einmal kurz Zusammenfast mit den Worten: „Das ist einfach nur ein Trümmerfeld“.

Die erfahrene Feuerwehrfrau koordiniert den Einsatz routiniert, auch wenn die Kräfte vor Schwierigkeiten stehen. Der Aluminiumschrott aus einem der Sattelauflieger war komplett auf der Fahrbahn verteilt und zudem ist der Zugang schwierig, weil die Fahrerkabine total verkeilt, ineinander geschoben und dadurch zusätzlich erhöht ist. Sofort lässt sie die Entklemmungsmaßnahmen von beiden Seiten vorbereiten. Dabei sind ihre Leute natürlich auch Gefahren an der Einsatzstelle ausgesetzt: „Absturzgefahr, Wegrutschen der Leiter oder auch selber hier in die Bredouille zu kommen, um eingeklemmt zu werden noch zwischen den ganzen Strukturen. Aber zunächst haben wir natürlich PSA, persönliche Schutzausrüstung und dann natürlich Leute, die Feuerwehrmänner sind aus Leidenschaft und ihren Job auch soweit wirklich gut machen“.

Trotz der schwierigen Situation läuft alles ruhig und Hand in Hand ab, auch mit dem Rettungsdienst, der Polizei und der Autobahnmeisterei. „Also grundsätzlich es waren sehr viel Einsatzkräfte an der Einsatzstelle, die aber ruhig und sehr koordiniert alle ihren Job gemacht haben“, so Süßner. Wie wichtig das ist, weiß die Führungskraft genau: „Die größte Hilfe ist denke ein gutes Team, das Hand in Hand arbeitet, das sehr vertrauensvoll zusammenarbeitet und an dieser Einsatzstelle denke ich, waren wir wirklich sehr gut miteinander in Verbindung. Ansonsten haben wir inzwischen unsere eigenen PSNV-Teams, die Einsatzführer, Einsatzleiter sind sensibilisiert. Wir haben jetzt auch noch mal eine kurze Nachbesprechung gemacht, aber ich denke, man muss sich nicht Sachen herbeireden, die nicht da sind. Wenn ein Team funktioniert, dann sind auch die Schwierigkeiten in der Form ein bisschen reduzierter“.

Doch an dem Thema Stauende hadert auch Süßner, wie vielleicht auch viele andere ihrer Kollegen und Einsatzkräfte anderer Bereiche. Deswegen appelliert sie an jeden Fahrzeugführer: „Fahren Sie immer besonnen, konzentriert, wenn Sie nicht mehr können, machen Sie eine Pause, auch uns zuliebe“! Und einen weiteren Tipp hat sie auch noch an der Hand: „Und vor allem eins: Wenn Sie es eilig haben, dann tun sie es langsam, weil, das hat mir damals auch ein Ausbilder gesagt: ‚Tu langsam, weil jetzt pressiersts‘ und das will ich Ihnen auf dem Weg mitgeben“. Trotzdem weiß die Einsatzleiterin auch, das ist nicht alles: „Ich denke, das sind viele Sachen im Hintergrund, was Zeitdruck auch angeht bei den verantwortlichen Lkw-Lenkern. Vielleicht tut sich da mal was“.