TV-Tipp | „Abschottung oder Aufbruch?“ – Missbrauchskrise in der katholischen Kirche

In Rom beginnt am kommenden Donnerstag, 21. Februar 2019, das vom Papst einberufene Bischofstreffen zum Thema „Missbrauch in der katholischen Kirche“. Am Mittwoch, 20. Februar 2019, 22.45 Uhr, nimmt „ZDFzoom“ aus diesem Anlass in „Abschottung oder Aufbruch?“ die katholische Kirche und die Missbrauchskrise in den Fokus.

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Alle Augen richten sich Ende Februar nach Rom, wenn sich Bischöfe aus aller Welt mit dem Papst zum Thema „Missbrauch“ treffen. Copyright: ZDF/Armin Vater

Eine von der Kirche beauftragte Untersuchung hat 2018 Tausende Opfer sexuellen Missbrauchs durch Geistliche festgestellt. Die Forscher sprachen von „der Spitze des Eisbergs“ – und die Studie löste Bestürzung aus. Die Kirche hat seit der Aufdeckung der Skandale einiges unternommen – „ZDFzoom“ stellt die Frage: Reichen die Maßnahmen aus, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern?

„Wir haben zu lange weggeschaut … für dieses Versagen möchte ich um Entschuldigung bitten.“ Mit diesen Worten kommentierte Kardinal Marx im Herbst 2018 die Ergebnisse der MHG-Studie, die den sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche untersucht hat. Die Wissenschaftler erkannten Strukturen innerhalb der Kirche, die diesen Missbrauch begünstigen: den Missbrauch klerikaler Macht, eine problematische Sexualmoral sowie den Umgang mit dem Zölibat. Bringt die Studie nun die Kehrtwende?

Bereits 2011 hatte „ZDFzoom“ Opfer von Missbrauch im bayrischen Ettal getroffen und über sie berichtet. Robert Köhler, der Missbrauch durch Geistliche erlebt hat, schildert den Autoren der „ZDFzoom“-Dokumentation seine Sicht auf die bisher geleistete Aufarbeitung und die Frage, ob diese gelungen ist. Theologe und Psychotherapeut Wunibald Müller hat Täter und Opfer betreut und fordert Reformen in Sachen Zölibat, Homosexualität und Priesteramt: „Wir fahren die Kirche mit Karacho gegen die Wand, wenn wir es nur bei Absichtserklärungen belassen“, so seine Warnung in der Dokumentation. „ZDFzoom“ trifft auch die Bischöfe von Freiburg und Hildesheim, die deutliche Worte finden. „Es gibt nur dann einen Weg in die Zukunft, wenn externe Spezialisten ins Boot geholt werden, um Licht in dunkle Stellen zu bringen“, so der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer.

2010 hatte das Aufdecken von Missbrauchsskandalen quer durch die Republik die Öffentlichkeit schockiert. Die Internatsschule im Kloster Ettal, das Berliner Canisius-Kolleg, die Regensburger Domspatzen – die hohe Zahl der Opfer rüttelte viele auf. Seitdem ist einiges passiert: Die katholische Kirche hat Leitlinien zum Umgang mit dem Missbrauch verabschiedet. In den Bistümern gibt es Präventions- und Missbrauchsbeauftragte, Zahlungen in Anerkennung des Leids, Fortbildungen. Doch reichen diese Maßnahmen, um Missbrauch in Zukunft zu verhindern? Alle Augen richten sich nun auf das Treffen der Bischofskonferenz-Vorsitzenden beim Papst. Werden dort die Weichen für tiefgreifende Veränderungen in der Kirche gestellt? Es geht dabei auch um die Frage nach Aufhebung des Pflicht-Zölibats.