Umfrage: Mehrheit empfand Union im Wahlkampf als zerstritten

Der Eindruck der Zerstrittenheit der Unionsparteien hat offenbar entscheidend zu ihrem schlechten Abschneiden bei der Bundestagswahl beigetragen. Das legt das Ergebnis einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ nahe. Auf die Frage „Glauben Sie, dass die CDU/CSU im Großen und Ganzen einig oder zerstritten ist?“ lag im September 2021 der Anteil derjenigen, die die CDU/CSU als geschlossen bezeichneten, bei nur 18 Prozent.

Umfrage Mehrheit Empfand Union Im Wahlkampf Als ZerstrittenCDU-Wahlplakat mit Armin Laschet, über dts Nachrichtenagentur

57 Prozent hielten die Unionsparteien laut Allensbach dagegen für zerstritten. Ganz anders sahen die Ergebnisse bei der SPD aus, die zum gleichen Zeitpunkt 39 Prozent als einig und nur 20 Prozent als zerstritten ansahen. Die Antworten auf diese Frage hingen eng mit den Angaben der Befragten über ihre Wahlabsicht zusammen, heißt es bei Allensbach.

Steige der Anteil derjenigen, die eine Partei für geschlossen halten, steigt auch in gleichem Maße die Zahl derer, die die Partei wählen wollen. Sinke der Anteil derer, die die Partei als geschlossen bezeichnen, sinke auch deren Wählerpotential. Laut Umfrage findet die sich abzeichnende Bildung einer Ampelkoalition die größte Zustimmung aller möglichen Regierungskonstellationen. Bei der Frage, welche Koalition sie bevorzugen, entscheiden sich im Oktober 2021 nach der Wahl 45 Prozent für die Ampelkoalition aus SPD, Grünen und FDP.

Damit erhalte dieses Bündnis deutlich mehr Zuspruch als eine Jamaika-Koalition aus CDU/CSU, Grünen und FDP (20 Prozent) oder eine Fortsetzung der Großen Koalition aus SPD und CDU/CSU (zehn Prozent), doch die Zahl der Befürworter der Ampelkoalition ist damit zusammengenommen deutlich kleiner als die Zahl der Anhänger der an ihr beteiligten Parteien. Bei der Bundestagswahl 2021 haben sich laut Allensbach-Umfrage viele Wähler erst kurz vor der Wahl entschieden. 53 Prozent sagten im Oktober 2021, sie hätten sich schon viele Wochen vor dem Wahltermin endgültig für eine Partei entschieden. Nicht viel weniger, 46 Prozent, gaben an, sich erst wenige Wochen vor der Wahl oder noch später entschieden zu haben.

1994, 1998 und 2002 hatten noch drei Viertel der Befragten gesagt, dass sie sich schon viele Wochen vor der Wahl entschieden hätten. Und auf die Frage „Fiel es Ihnen bei dieser Wahl schwer, sich für eine bestimmte Partei zu entscheiden?“ antworteten in der aktuellen Umfrage 38 Prozent der Befragten mit „Ja“, weitaus mehr als bei den anderen Wahlen seit 1994. Auch bei der Beurteilung des Wahlergebnisses zeige sich die Bevölkerung unentschlossen. Auf die Frage „Glauben Sie, das Ergebnis der Bundestagswahl ist gut für Deutschland, oder nicht gut, oder wird das keine großen Auswirkungen haben?“ antworteten 31 Prozent der Befragten, sie glauben, dass das Wahlergebnis gut für Deutschland sei, 25 Prozent meinen, es sei nicht gut, eine relative Mehrheit von 44 Prozent vertrete die Ansicht, dass das Wahlergebnis keine großen Auswirkungen haben werde oder waren unentschieden. Auf die Frage „Sind Sie mit dem Ausgang der Wahl zufrieden, oder wäre Ihnen ein anderes Wahlergebnis lieber gewesen?“ antworteten im Oktober 31 Prozent, sie seien mit dem Ergebnis zufrieden, 46 Prozent meinten, ihnen wäre ein anderer Wahlausgang lieber gewesen.

In der ersten Allensbach-Umfrage nach der Bundestagswahl verlor die Union weiter an Zustimmung. CDU und CSU kommen danach zusammen auf 21 Prozent gegenüber ihrem Wahlergebnis von 24,1 Prozent. Die SPD liegt in der Umfrage bei 28 Prozent, bei der Wahl erreichte sie 25,7 Prozent. Steigern in der Umfrage gegenüber dem Wahlergebnis von 11,5 Prozent konnte sich auch die FDP, die nun auf 14 Prozent kommt.

Leicht zugelegt auf 15 Prozent haben die Grünen, die am 26. September auf 14,8 Prozent kamen. Die Linke erreicht nach 4,9 Prozent bei der Wahl nun genau fünf Prozent in der Umfrage. Die AfD hingegen fällt von 10,3 bei der Bundestagswahl auf 9,5 Prozent. Für die Erhebung wurden zwischen dem 1. und 14. Oktober 1.045 Personen befragt.