Universität Augsburg verleiht Ehrendoktorwürde an Theo Waigel

Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg verlieh dem Bundesminister der Finanzen a. D. Dr. Theo Waigel in einem Festakt im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses die akademische Würde eines Ehrendoktors (Dr. rer. pol. h. c.).

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Bundesminister der Finanzen a. D. Dr. Theo Waigel © Universität Augsburg

 
Über 400 ranghohe Gäste begleiteten die Verleihung der hohen Auszeichnung, die Dr. Theo Waigel aufgrund seiner außergewöhnlichen wirtschaftspolitischen Leistungen bei der Schaffung der deutschen Wirtschafts- und Währungsunion und der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion, für seine Verdienste um Compliance bei namhaften Unternehmen sowie für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Wirtschaftswissenschaften verliehen worden ist.

Die Laudatio auf den herausragenden Wirtschafts- und Währungspolitiker, der seit vielen Jahren eng mit der Universität Augsburg insgesamt verbunden ist, hielt Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler. 

Früherer Bundespräsident würdigt Weitsicht und Glaubwürdigkeit Theo Waigels
„Als Bundesfinanzminister dachte Theo Waigel weit über die Tagespolitik hinaus“, sagte Bundespräsident a. D. Prof. Dr. Horst Köhler. „Mit seinem Haus entwickelte er Mitte der 1990er Jahre ein auf eine Dekade angelegtes finanzpolitisches Arbeitsprogramm, das eine dauerhafte Balance zwischen einem leistungsfähigen Staat einerseits und einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft andererseits zu erreichen suchte. Dessen Kernelemente sind auch mit Blick auf heutige finanzpolitische Herausforderungen wegweisend.“ Der frühere Bundespräsident hob Sachkompetenz, Glaubwürdigkeit und Menschenfreundlichkeit Theo Waigels hervor. Aufrichtigkeit und Fairness seien nicht nur für Theo Waigels Umgang mit seinen politischen Mitstreitern, sondern auch für seine Auseinandersetzung mit Kritikern und Gegnern prägend gewesen. „Egal wie turbulent es im politischen Betrieb zuging: Theo Waigel blieb immer Mensch und sah in seinem Gegenüber stets den Mitmenschen“, so Köhler.

Die Urkunde zur Verleihung der Ehrendoktorwürde übergab Prof. Dr. Wolfgang Schultze, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät: „Die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Augsburg würdigt mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde das lebenslange Wirken von Waigel an der Schnittstelle von Praxis in Politik und Wirtschaft einerseits und Wissenschaft andererseits“. Waigel beeindrucke mit seinem Lebenswerk im Bereich der Volkswirtschaftslehre ebenso wie in der Betriebswirtschaftslehre.

Theo Waigel nimmt Ehrendoktorwürde entgegen

„Die Ehrenpromotion der Universität Augsburg erfüllt mich mit dankbarer Freude“, sagte Waigel. „Sie ist meine Heimatuniversität. Gerne hätte ich dort studiert, wenn dies 1959 möglich gewesen wäre. Über fünf Jahrzehnte durfte ich die stolze Entwicklung dieser Institution verfolgen, von 1985 bis 2019 im Kuratorium. In dieser Zeit hat sich die Augsburger Universität nationales und internationales Ansehen erworben und war sich ihrer regionalen Verantwortung in Schwaben bewusst. Ich wünsche den Studierenden und Lehrenden weiterhin eine gelingende Zeit an der Universität in Augsburg.“

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v.l.: Universitätspräsidentin Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Dekan der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät Prof. Dr. Wolfgang Schultze, Dr. Theo Waigel, Vizepräsident Prof. Dr. Peter Welzel und Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler © Universität Augsburg

Prof. Dr. Sabine Doering-Manteuffel, Präsidentin der Universität Augsburg, gehörte neben Wissenschaftsminister Markus Blume und Oberbürgermeisterin Eva Weber zu den ersten Gratulanten: „Theo Waigel ist ein international anerkannter Wirtschafts- und Währungsexperte, der immer auch seiner Region Schwaben, der Stadt und in ganz besonderem Maße der Universität Augsburg verbunden war und ist.“, hebt sie hervor. Die Universitätspräsidentin verwies unter anderem auf die langjährige Mitgliedschaft im Kuratorium der Universität Augsburg, dessen Vorsitzender Waigel ebenfalls war. Als Mitglied im Kuratorium der Kurt und Felicitas Viermetz-Stiftung trägt Dr. Theo Waigel bis heute dazu bei, dass Projekte in der Region und insbesondere auch an der Universität durch die Stiftung gefördert werden.

Markus Blume, Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, begleitete den Festakt mit einem Grußwort und gratulierte: „Aus Mister Euro wird Doktor Euro! Theo Waigel hat deutsche und europäische Geschichte geschrieben. Sein Lebenswerk gilt dem friedlichen Europa. Dank ihm haben wir eine gemeinsame und stabile Währung, die uns stärkt und verbindet. Als Freund der Wissenschaft, der auf die Kraft der Argumente setzt, hat er stets die Stimme für Rationalität erhoben. Ein großes Vergelt’s Gott an einen echten ‚Weltbürger Bayerns‘ und herzlichen Glückwünsch zur Ehrendoktorwürde der Universität Augsburg!“

Beeindruckendes Lebenswerk

Dr. Theodor Waigel blickt auf ein beeindruckendes Lebenswerk zurück, das insbesondere durch sein Wirken für Europa und die Bundesrepublik Deutschland im Bereich der Wirtschafts- und Finanzpolitik und ein wechselseitig befruchtendes Verhältnis zwischen Politik und Wissenschaft geprägt ist. Er hat einerseits Argumente aus der Wissenschaft aufgegriffen und im Rahmen des politisch Machbaren umgesetzt und andererseits vonseiten der Politik der Wissenschaft Impulse, Analysen und Fragestellungen geliefert, die zur Weiterentwicklung theoretischer Überlegungen von hoher Bedeutung waren. Sowohl bei der deutschen Wiedervereinigung als auch bei der Errichtung der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion war Waigel einer der wichtigsten politischen Akteure. Beide Integrationsvorhaben erforderten grundlegend durchdachte und dennoch wagemutige Schritte mit gravierenden wirtschaftlichen und nicht zuletzt außenwirtschaftlichen Implikationen.

In der Zeit nach dem Ausscheiden aus der Politik engagierte sich Waigel nachhaltig für Compliance bei deutschen Unternehmen. Sein Sachverstand und seine hohe Integrität gelten Unternehmen und Behörden als Garanten dafür, dass aufgetretene Compliance-Probleme gelöst und dauerhaft Strukturen und eine Kultur zur Vermeidung solchen Fehlverhaltens geschaffen werden.

„Europafunken“ – gewidmet Theo Waigel

Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung im Goldenen Saal durch das Ensemble CelloPassionato des Leopold-Mozart-Zentrum (LMZ) unter der Leitung von Prof. Julius Berger (mit Prof. Hyun-Jung Berger, Edward King, Chloe Brooks, Philip Heide, Malwina Jakubowska, Friederike Schubert und Minjae Sul). Unter anderem wurde ein eigens für Theo Waigel komponiertes Stück von Monika Kerer mit dem Namen „Europafunken“ uraufgeführt.