„Unsensibel“| Städtisches Impf-Team impft Angehörige einer Steuerkanzlei in Augsburg

„Die Entscheidung des Impfteams der Stadt Augsburg, Angehörige einer Steuerkanzlei in der Priorisierungsgruppe 3 zu impfen, ist rechtlich nicht zu beanstanden, aber unsensibel. Ich bedauere sehr, dass um den so notwendigen Gesundheitsschutz in der Corona-Pandemie öffentlicher Unmut entstanden ist“, sagt Gesundheitsreferent Reiner Erben.

2021 02 05 Impfzentrum12
Archivbild: Wolfgang Czech

Grundlage Coronavirus-Impfverordnung

Die Impfstrategie des Impfzentrums Augsburg fußt auf den Vorgaben der Coronavirus-Impfverordnung (CoronaImpfV vom 8. Februar 2021). Auf der Basis der Vorgaben zum Einsatz und Betrieb der bayerischen Impfzentren werden als erstes die Priorisierungsgruppen 1 und 2 geimpft. Wenn Impf-Kapazitäten frei sind, oder Impfstoff kurzfristig aus Haltbarkeitsgründen verimpft werden muss, werden Personen der Priorisierungsgruppe 3 geimpft.

Impfzentrum und mobile Impfteams

Zur Augsburger Impfstrategie gehören neben dem Impfzentrum auch mobile Impfteams, die nach Prioritätenliste eingesetzt werden. Als Erstes wurden Alten- und Pflegeeinrichtungen angefahren. Derzeit sind weitere Einrichtungen und Personengruppen an der Reihe. Dazu zählen zum Beispiel Unterkünfte für Obdachlose ebenso, wie Angehörige des städtischen Ordnungsdienstes oder der Berufsfeuerwehr. „Je nach der Verfügbarkeit der Impfdosen, werden der Einsatzplan der mobilen Impfteams und das Impfvorgehen im Impfzentrum wöchentlich festgelegt“, so der Gesundheitsreferent.

Personen aus Justiz und Rechtspflege priorisiert

In der Corona-Impfverordnung wurden Personen aus Justiz und Rechtspflege wegen ihrer Systemrelevanz höher priorisiert. Diese Anforderung erfüllen auch die Personen aus der betreffenden Kanzlei, die jetzt geimpft wurden. Sie betreuen unter anderem Seniorinnen und Senioren (Risikogruppe) rechtlich und übernehmen Aufgaben, wie etwa die Bearbeitung von Überbrückungsgeld für Gewerbetreibende, die unaufschiebbar sind. Alle geimpften Personen der Kanzlei haben eine eidesstattliche Erklärung im Sinne der Corona-Impfverordnung abgegeben.

„Andere Auswahl wäre angemessener gewesen“

Jeder Impftag erfordert eine effiziente Planung, um den vorhandenen Impfstoff ohne Verluste einsetzen zu können. Ziel ist es dabei, möglichst viele Augsburgerinnen und Augsburger zu impfen. Gesundheitsreferent Reiner Erben: „In der Woche vom 8. bis 12. März wurden insgesamt 520 Personen von den mobilen Impfteams geimpft. Darunter fanden sich Berechtigte der Priorisierungsstufe 1 und 2 sowie Mitarbeitende systemrelevanter Organisationen und Einrichtungen wie Feuerwehr, Polizei und Ordnungsdienst der Priorisierungsstufe 3. Weiter standen Mitarbeitende der Kanzlei, ebenfalls Priorisierungsstufe 3, auf der Warteliste. Dort konnten mit Unterstützung der Betriebsärztin vor Ort knapp 50 Personen mit relativ geringem Aufwand geimpft werden.“ Erben räumt ein: „Da jedoch höher priorisierte Personen noch keine Impfung erhalten haben, war diese Entscheidung des Impfteams der Stadt zwar pragmatisch und im Rahmen der Corona-Impfverordnung gerechtfertigt, aber den Personen der Priorisierungsgruppen 1 und 2 gegenüber unsensibel. Die Auswahl einer anderen, ebenso systemrelevanten Einrichtung wäre angemessener gewesen.“

Es wird strikt nach Priorisierung geimpft

Tatsächlich steht eine Reihe priorisierter Einrichtungen für eine Impfung auf der Warteliste, was eine Auswahl immer schwierig macht. Künftig werden die mobilen Impfteams nicht mehr kurzfristig ausrücken, wenn keine Termine mit Personengruppen oder Einrichtungen der Priorisierung 1 und 2 vereinbart sind.Stattdessen werden die Impfdosen im Impfzentrum verimpft. Vor allem gilt: Erst wenn alle Personen der Priorisierungsgruppen 1
und 2 in Augsburg geimpft sind, werden Personen der Gruppe 3 geimpft. Bereits vereinbarte Termine der Priorisierungsgruppe 3 werden storniert. Die aktuellen Impfzahlen für Augsburg werden wie gewohnt am Montag veröffentlicht.