Verabschiedung von Augsburgs Bischof Konrad – Viele Menschen suchen noch einmal die Möglichkeit der Begegnung

Am gestrigen Sonntagnachmittag fand im Hohen Dom zu Augsburg ein Pontifkalamt zur Verabschiedung von Bischof Dr. Konrad Zdarsa statt. Papst Franziskus hatte in dieser Woche den Amstverzicht des 74-Jährigen akzeptiert. Nach dem Gottesdienst war vor dem Dom noch die Möglichkeit einer Begegnung mit dem emeritierten Bischof gegeben.

Foto: Wolfgang Czech

 

Draußen, vor dem Dom, wartet schon das Kolping-Blasorchester Göggingen mit seiner Musik auf die Gäste der Abschiedsfeier. Viele Gläubige wollen sich persönlich von Bischof Konrad verabschieden. Auch Rosalia Theisinger aus der Pfarrei Zur Göttlichen Vorsehung in Königsbrunn hat sich zusammen mit ihrem Mann und mehreren Bekannten auf den Weg zur Abschlussmesse gemacht. „Ich habe seinen Abschiedsgottesdienst besucht, um ihm meine Anerkennung zu zeigen und meine Wertschätzung auszudrücken. Ich bin überzeugt, dass man auch bei Widerständen fest zusammenhalten muss“, sagt sie. Was sie ihm für seinen Ruhestand wünscht? „Ich wünsche ihm, dass sein Herz ganz tief in Jesus verankert ist, denn von ihm kommt alle Liebe“, sagt Theisinger.

Es sind Viele, die sich vom Bischof persönlich verabschieden wollen. Und so dauert es, bis schließlich noch drei weitere Grußworte an den Bischof gerichtet werden können. Nun übernehmen die Günztaler Alphornbläser die musikalische Umrahmung. Es ist jetzt kurz nach sechs Uhr. Für das Domkapitel ergreift zunächst Weihbischof Losinger das Wort. An Bischof Konrad gewandt sagt er, der Dom sei „das zentrale Element deines bischöflichen Wirkens und deiner Überzeugungen“ gewesen. Als ein zentraler Ort dafür stehe der Altar. „Der Altar, das religiöse und spirituelle Zentrum im Glauben der Christen gehört zu deinen tiefsten Grundüberzeugungen.“ Mit der Neugestaltung des Sakramentsaltars im Augsburger Dom sei während der Amtszeit von Bischof Konrad ein starker Fokus auf das Geheimnis des Glaubens gelungen. Als Dank dafür werde sich das Domkapitel an der Gestaltung des künftigen Hausaltars des Bischofs in seiner alten und neuen Heimat Dresden beteiligen und so eine künstlerische Verbindung zwischen den beiden Orten herstellen.

Foto: Wolfgang Czech

In einem weiteren Grußwort richtet sich Stadtpfarrer Christoph Hänsler als Sprecher des mit Eintritt der Sedisvakanz aufgelösten Priesterrats an den Bischof. Er habe immer sehr deutlich gespürt, welch großen geistlichen Ernst Bischof Konrad seinem Dienst zugemessen habe. „Ich habe Dich dabei als betenden Menschen kennen gelernt, mit aufrichtiger Ehrfurcht vor Gott und seinem Auftrag.“ Bischof Konrad sei weit davon entfernt gewesen, Dinge auf die leichte Schulter zu nehmen. Das voreilige oder gar das oberflächliche Wort sei niemals seine Sache gewesen. „Das Wesentlich kam auch für uns Priester zur Geltung“, unterstreicht Pfarrer Hänsler zudem. „Wir dürfen Dir dankbar sein für Deine klare Haltung zur Identität des Priestertums. Dies hat uns ermutigt und gewiss auch jene bestärkt, die in sich den Ruf des Herrn in die besondere Nachfolge verspüren.“

„Sie waren genau der richtige Bischof zur richtigen Zeit“, wendet sich schließlich Diözesanratsvorsitzende Hildegard Schütz in ihrem Grußwort an den Bischof. „Durch ihr ruhiges, zurückhaltendes Wesen ließen Sie Ruhe in unsere aufgewühlte Diözese einkehren.“ Mit der pastoralen Raumplanung habe der Bischof für die Pfarreien und Dekanate ein zukunftsweisendes Konzept zu einer Zeit entwickelt, als andere bayerische Diözesen noch nicht an so etwas gedacht hätten. „Dabei nahmen Sie moderat und verantwortungsvoll die Eigenheiten der Pfarreien in den Blick.“ Der Diözesanrat habe stets gut, konstruktiv und vertrauensvoll mit dem Bischof zusammenarbeiten können. Für die Zukunft wünsche sie Bischof Konrad, dass er gern auf die Zeit als Bischof von Augsburg zurückblicken möge.

„Was wären wir ohne Mütter und Schwestern.“

Das allerletzte Wort des Tages hat dann aber noch einmal Bischof Konrad selbst. Er hoffe, es sei nicht bezeichnend für uns, dass unsere Diözesanratsvorsitzende, eine Frau, zu Letzt zu Wort komme. „Aber wir versuchen es ja immer wieder bei den Ministrantinnen und Lektorinnen, also wir sind auf gutem Wege.“ Und wenn er die pastoralen Mitarbeiterinnen erst jetzt nenne, dann denke er erst recht: „Was wären wir ohne Mütter und Schwestern.“ Und er fügt mit einem Lachen hinzu: „Ich weiß, was ich sage, mit fünf Schwestern und einem Bruder“, was seine Zuhörer zu Applaus und Lachen verleitet.

Rückblickend sagt er, sich immer über spontane Worte und Aktionen gefreut zu haben. Die Erfahrung von Einmütigkeit habe ihm Kraft, Trost und Stärke gegeben. Er habe im Bistum Menschen gefunden, die mit dem Gott leben, an den sie glauben. „Und das habe ich ganz lebendig erfahren. Mögen Sie weiterhin kraftvoll dazugehören. Das wünsche ich Ihnen von Herzen und ganz persönlich.“ Und er ruft dazu auf, die Dinge mit eigenem Urteil zu sehen und nicht irgendeinem Mainstream zu folgen. „Bleiben Sie bei Ihrer Meinung, bei dem, was Sie von Kindesbeinen an geglaubt und was Sie in Treue verfolgt haben.“ Dann seien wir auf einem guten Weg und auch über weite Entfernungen gut beieinander. Es sei wunderbar, ganz weit weg jemanden zu wissen, der genauso denkt wie man selbst. „Da kann man sich verbunden fühlen und da spielen Entfernungen gar keine Rolle mehr.“

Und dann, ganz am Ende seiner Abschiedsworte, um Viertel nach Sechs an diesem Sonntagabend, bedankt sich Bischof Konrad schließlich bei seinem Generalvikar Harald Heinrich, bei Seelsorgeamtsleiter und Domdekan Bertram Meier und Dompropst Weihbischof Losinger. „Ich möchte Ihnen von Herzen danken. Aber jetzt fange ich schon wieder an aufzuzählen. Ich kann nicht allen danken. Ein herzliches Dankeschön, Vergelt’s Gott!“