„Verantwortungslos“ | Uniklinikum Augsburg kritisiert Streikankündigung von Verdi

Kommenden Montag und Dienstag werden erneut dieselben Stationen bestreikt wie beim letzten Mal. Mehr noch: In Zeiten rasch steigender Zahlen mit Covid-19-Patienten weitet ver.di den Streik auf 207 Betten und 48 Stunden aus. Der Gesamtvorstand des UKA nennt das verantwortungslos.

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Foto: Klinikum Augsburg

Erneut will die Gewerkschaft dieselben Stationen bestreiken wie beim letzten Streik. Der Streik soll dieses Mal auf 48 Stunden ausgeweitet werden. Das bedeutet, dass 207 Betten nicht versorgt werden, darunter sind über 40 Überwachungsbetten von Herz-Patienten und die gesamten Betten der  Geriatrie. Der Gesamtvorstand des UKA nennt dieses Verhalten der Gewerkschaft „verantwortungslos“. Elektive Operationen müssen erneut ausfallen. „Nur, weil elektiv planbar heißt, bedeutet das nicht, dass das beliebig verschiebbare Eingriffe sind“, sagt Prof. Dr. Michael Beyer, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des UKA., „Wir reden hier auch von schwerkranken Tumorpatienten.“ Der Gesamtvorstand habe immer betont, dass er großes Verständnis habe und es unterstütze, wenn die Mitarbeitenden für ihre Interessen kämpfen und um die Verbesserung der Rahmenbedingungen vor allem für Pflegekräfte eintreten. „Aber ein zweiter Streik innerhalb weniger Tage mit diesen Ausmaßen und in Anbetracht der eskalierenden Pandemiesituation – das ist völlig unangemessen und der falsche Zeitpunkt“, so Beyer. Bereits am 5. Oktober wurden im Universitätsklinikum Augsburg zirka 110 Betten und neun OP-Säle bestreikt.

Das Angebot, gemeinsam vor die Presse zu treten und den Streik aufgrund der aktuellen Situation abzusagen und zugleich eine Botschaft an die Politik zu senden für verbesserte Rahmenbedingungen und eine bessere Bezahlung der Mitarbeiter, hat ver.di abgelehnt. „Ich hatte gehofft, dass wir in der Krise zusammenstehen. Ich hatte auf den Schulterschluss mit ver.di gehofft“, sagt Beyer tief enttäuscht. „Wir sind die kritische Infrastruktur. Wir haben eine hohe Zahl behandlungsbedürftiger Menschen, die wir nun nicht behandeln können. Was glauben Sie, wer trägt die Verantwortung für diese Menschen?“

Anzahl der Covid-19-Patienten spürbar an

Stand heute behandelt das UKA insgesamt 16 Covid-19-Patienten – das bedeutet mehr als eine Verdopplung innerhalb weniger Tage –, davon 14 auf Normalstation, drei Patienten müssen intensivmedizinisch versorgt, zwei davon beatmet werden. Augsburg ist seit gestern Risikogebiet, die Zahl der Neuninfektionen steigt nun auch hier rasant an. Ist am UKA die Zahl von 25 Covid-Patienten inklusive Verdachtsfälle erreicht, darf der Streik laut Notdienstvereinbarung nicht stattfinden.

Deutschland sei bislang vergleichsweise gut durch die Pandemie gekommen, ist nun aber ebenfalls bei über 5.000 Neuinfektionen pro Tag angelangt. Die Niederlande wird das Land ab morgen wieder komplett herunterfahren. Augsburg hat die kritische Anzahl von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner übertroffen. Ver.di nenne die Pandemie einen Vorwand, um den Streik abzusagen. „Für mich sieht das nicht nach einem Vorwand aus“, sagt der Vorstandsvorsitzende.

„Patientensicherheit nicht für alle gleich wichtig“

Besonders betroffen mache ihn, dass es durch die Auswahl der Stationen zum Beispiel in der Gastroenterologie vor allem krebskranke Menschen sind, die unter dem Streik zu leiden haben. Zudem müssten teilweise schwerkranke Patienten verlegt werden, was für diese immer Stress bedeute. „Für uns steht jeden Tag die bestmögliche Versorgung der Patienten im Fokus, ob mit Streik oder ohne. Durch die wiederholte Streikmaßnahme kann man jedoch den Eindruck gewinnen, dass Patientensicherheit nicht für alle gleich wichtig ist“, so Beyer.

UKA ist derzeit mit über 90 Prozent voll ausgelastet

Das UKA ist derzeit mit über 90 Prozent voll ausgelastet. Durch die 1. Corona-Welle mussten viele elektive Eingriffe abgesagt werden. Patienten, auch Notfallpatienten, gingen von sich aus nicht mehr ins Krankenhaus aus Angst vor einer Ansteckung mit dem Corona-Virus. Alle diese Operationen und diagnostischen Untersuchungen werden jetzt nach und nach abgearbeitet. Große Sorgen macht den Verantwortlichen auch das mögliche Aufeinandertreffen einer zweiten Corona-Welle mit Grippe-Erkrankungen. Nehme man all diese Faktoren zusammen, könne man davon ausgehen, so der Vorstandsvorsitzende, dass der erneute Streik das Haus und die, die zum Wohle der Patienten arbeiten, mit voller Wucht treffe.

Beyer appelliert in dem Zusammenhang erneut an die Vertreter der Gewerkschaften, sich an den richtigen Ansprechpartner zu wenden. „Das UKA sitzt nicht mit am Verhandlungstisch.“

Ines Lehmann