Verein setzt sich weiter „Gegen das Vergessen“ ein – Interessante Vortragsreihe geplant

Für die nächsten Wochen hat der Verein „Gegen Vergessen-Für Demokratie“ etliche interessante Veranstaltungen organisiert. Der Verein setzt sich für die Förderung zivilgesellschaftlichen Engagements und politischer Teilhabe ein. Dabei stehen die Themen „Nationalsozialismus“, „DDR“, „politischer Extremismus“ aber auch die Demokratieförderung im Fokus der Arbeit.

ghetto_warschau_2-Weltkrieg Verein setzt sich weiter "Gegen das Vergessen" ein - Interessante Vortragsreihe geplant Freizeit News Politik Auschwitz Dachau Euthanasie in Schwaben Gegen das Vergessen Laszlo Schwartz Prof. Dr. Michael Göring Prof. Dr. Michael von Cranach Vor der Wand | Presse Augsburg
Der Verein „Gegen das Vergessen“ hält die Erinnerungen an die schlimmen Zeiten der jüngeren Geschichte aufrecht. Diese Aufnahme wurde im Ghetto Warschau aufgenommen.

Laszlo Schwartz: Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau. Ein Junge kämpft um sein Überleben. Lesung mit anschließender Diskussion. Zeughaus Augsburg, Dienstag 7.10.14, 19.30 Uhr; Eintritt €6, Studenten und Schüler €4. In Kooperation mit der DIG Augsburg-Schwaben.

Laszlo Schwartz  ist 84 Jahre alt und wohnt in New York und Münster. Er hat die Hölle von Dachau und Auschwitz überlebt. Seine Familie kam ins Ghetto, schließlich ins KZ, nur durch Zufall überlebte er die Selektion an der Rampe von Auschwitz. Seiner Familie blieb dieses Glück versagt. Kurz vor Kriegsende wurde er in den berüchtigten Mühldorfer Todeszug verfrachtet. Als Häftling Nr. 71253 flieht er, wird aber letztlich von einem jungen SS-Mann gestellt. Er jagt dem gerade einmal 14 Jahre alten László Schwartz eine Kugel in den Kopf – Schwarz überlebt das Martyrium. Er sagt: „Ich komme trotzdem nicht als Richter oder Ankläger.“
 
Prof. Dr. Michael Göring: Lesung aus seinem Roman „Vor der Wand“. Mittwoch, 15.10.2014 um 19.30 Uhr bei Bücher Pustet. Eintritt: €8, Studenten und Schüler €6.

Eine Jugend in den 1960er und 70er Jahren in einer typischen Mittelstandsfamilie, dem Rückgrat der Bundesrepublik, dem Hort der Tabus. Georg Mertens ist 16, als er sich intensiv mit der Kriegsvergangenheit seines Vaters auseinanderzusetzen beginnt. Doch sein Vater gehört zur sprachlosen Generation. Während Walter Mertens versucht zu verdrängen, kann sein Sohn nicht länger ruhen und sucht nach Antworten. Was geschah 1944 im toskanischen Dorf Sant Anna di Stazzema? Ein Roman um Schuld und Sühne über Generationen hinweg. Göring verwebt Fakten und Fiktion und erzählt von einem schweren Erbe.

IN MEMORIAM. Ausstellung zur Euthanasie in Schwaben. Von Prof. Dr. Michael von Cranach. Unterer Rathausfletz, Ausstellung vom 21.10. bis 14.11.2014. Eintritt frei.

Ausstellungseröffnung und Führung durch Prof. Dr. von Cranach im Anschluss an seinen Vortrag am 21.10. im Rathaus Augsburg, Oberer Rathausfletz. Weitere Führungen durch die Ausstellung von Prof. Dr. von Cranach am Di. 28.10. und am Di. den 11.11.2014 jeweils um 19 Uhr.

In der Ausstellung „In Memoriam“ werden anhand von Texten, Schriftstücken, Fotografien und Videointerviews mit Zeitzeugen die verschiedenen Phasen des NS-Vernichtungsprogramms dokumentiert. Die Ausstellung „konfrontiert mit den Ereignissen, um unsere Nachdenklichkeit wachzuhalten. Sie gibt den Opfern ein Gesicht, Menschen, denen im Namen einer sich menschlich genannten Psychiatrie unsägliches Leid angetan wurde“, schreibt der Psychiater und Ausstellungskurator Dr. Michael von Cranach im  Vorwort der Begleitpublikation.

Von 1980 bis 2006 war Prof. Dr. Michael von Cranach leitender ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren, das sich unter seiner Führung der Aufarbeitung der eigenen Geschichte im Nationalsozialismus stellte. Die Stiftung Erinnerung ehrte ihn dafür im Jahr 2006 mit dem Marion-Samuel-Preis.

Vortragsreihe zur Euthanasie in Schwaben im Nationalsozialismus:

Prof. Dr. Michael von Cranach: Dr. Valentin Faltlhauser als Direktor der Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren in der Zeit des Nationalsozialismus. Psychogramm eines Täters. Dienstag, 21.10. 2014, 19.30 Uhr, Oberer Fletz des Augsburger Rathauses. Eintritt frei – Spenden erwünscht.

Am Beispiel der Biographie von Valentin Faltlhauser, einem der  Vorgänger Michael von Cranachs in Kaufbeuren und Täter im Rahmen der Krankenmorde zwischen 1939 und 1945, sollen die Bedingungen aufgezeigt werden, die dazu führten, dass ein humanistisch gebildeter und reformorientierter Arzt schließlich seine Patienten ermordete.

Dr. med. Gerrit Hohendorf: „Ökonomie der Erlösung. Krankenmorde im Nationalsozialismus.“ Vortragsreihe zur Euthanasie in Schwaben in der Zeit des Nationalsozialismus. Donnerstag, 30.10.2014, 19.30 Uhr, Evangelisches Forum Annahof. Eintritt frei – Spenden erwünscht.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden etwa 300.000 Menschen mit psychischen Erkrankungen und geistigen Behinderungen Opfer des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms. Der Vortrag beschreibt die Entstehungsgeschichte der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“, erläutert die verschiedenen Aktionsformen des nationalsozialistischen „Euthanasie“-Programms und versucht die Geschichte der ermordeten Menschen zu erzählen, die nach dem Krieg lange in Vergessenheit geraten waren. Ein Blick auf gegenwärtige ethische Fragen der Sterbehilfe schließt den Vortrag ab. Gerrit Hohendorf, PD Dr. med., Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, ist seit 2006 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der Technischen Universität München.
 
Dr. Sibylle von Tiedemann: Leben und Sterben in einer „staatlichen Unheilanstalt“. Lebensgeschichten und Selbstzeugnisse von Opfern der NS-Euthanasie.  Donnerstag 6.11.2014, 19.30 Uhr, Evangelisches Forum Annahof. Eintritt frei – Spenden erwünscht.

Bei den Recherchen zu dem Gedenkbuch für die Münchner Opfer der NS-„Euthanasie“ wurden in den zum Teil noch erhaltenen Krankenakten zahlreiche Briefe und einige Zeichnungen der Patientinnen und Patienten gefunden, die von den Anstalten zurückgehalten wurden. Diese Briefe geben einen Einblick in den damaligen Klinik- und Behandlungsalltag, in die Ängste, Wünsche und Sehnsüchte der Patientinnen und Patienten. Sie geben den Opfern mehr als 80 Jahre nach der nationalsozialistischen Machtübernahme eine Stimme und ergänzen ihre Lebensgeschichten eindrucksvoll. Dr. Sibylle von Tiedemann, Slavistin und Historikerin, ist seit Herbst 2009 freie Mitarbeiterin am NS-Dokumentationszentrum München.

Prof. Dr. Annette Eberle: „Tödliche Gefahrenzone – Fürsorge in der NS-Zeit. Biografien aus der Augsburger Erinnerungswerkstatt. Donnerstag, 20.11.2014, 19.30 Uhr, Evangelisches Forum Annahof. Eintritt frei – Spenden erwünscht.

Prof. Dr. Annette Eberle, Professorin an der Kath. Stiftungsfachhochschule für Soziale Arbeit, sowie Mitglieder der Augsburger Erinnerungswerkstatt berichten über das Zusammenwirken von Fürsorge und Psychiatrie bei Zwangssterilisation und Krankenmorden in Schwaben aus Sicht der Betroffenen.

Robert Domes. Lesung aus: „Nebel im August“. Die Lebensgeschichte des Ernst Lossa. Donnerstag, 27.11.2014, 19.30 Uhr, Evangelisches Forum Annahof. Eintritt €6, Schüler und Studenten €4.
Der dreijährige Ernst Lossa wird 1933 von den Nazis seinen Eltern weggenommen. Nach einer Odyssee durch Kinder- und Erziehungsheime wird er in die Heil- und Pflegeanstalt Irsee abgeschoben und dort schließlich im Alter von 14 Jahren umgebracht. Der Journalist Robert Domes erzählt die wahre Geschichte Ernst Lossas aus der Perspektive des Jungen. Robert Domes ist gelernter Journalist. Er arbeitete 15 Jahre lang als Redakteur bei Tageszeitungen. 2002 machte er sich als Autor und Journalist selbständig. Für das Buch „Nebel im August“ recherchierte er vier Jahre lang. Domes lebt mit seiner Familie im Allgäu.

Die Ausstellung IN MEMORIAM und die Begleitvorträge mit Prof. von Cranach, Dr. Hohendorf, Dr. Sibylle von Thiedemann, Prof. Annette Eberle und die Lesung mit Robert Domes werden in Kooperation mit der Stadt Augsburg, dem Initiativkreis Stolpersteine und der Erinnerungswerkstatt durchgeführt und gefördert durch das Bundesprogramm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“.