Viele Assistenzärzte sind im Job unzufrieden

Der Jobwechsel für Assistenzärzte wird ein immer bedeutenderes Thema, wie es eine aktuelle repräsentative Umfrage des Hartmannbundes offenbart: Demnach sind Arbeitsbelastung und Unzufriedenheit unter Assistenzärzten so groß, dass jeder dritte mit einem Jobwechsel liebäugelt. Deutlich mehr als die Hälfte möchte einer Teilzeitstelle nachgehen, um auf eine ’normale‘ Wochenarbeitszeit kommen zu können. Eigentlich befinden sich Assistenzärzte in einer chancenreichen Phase der Weiterbildung auf dem Weg zum Facharzt. Nach der erfolgreichen Ausbildung ergeben sich weitere Karriereoptionen. Diese scheinen aber für immer mehr Assistenzärzte in weite Ferne zu rücken, was offenbar vermehrt zu einer inneren Kündigung führt.

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Symbolbild

Motivsuche: Warum sind viele Assistenzärzte unzufrieden?

Fasst man die unter 1.200 Assistenzärzten durchgeführte Umfrage kompakt zusammen, lassen sich die folgenden Hauptgründe für die wachsende Unzufriedenheit anführen: Überlastung durch regelmäßige Mehrarbeit, fehlende Zeit für die eigenen Patienten und mangelnde Rotation werden als wichtige Gründe für diese Entwicklung angegeben. Zur besseren Einordnung sei darauf hingewiesen, dass mehr als 70 % der Assistenzärzte mindestens 45 Wochenstunden arbeiten, oftmals trotz Tarifvertrag sogar deutlich mehr. Fast die Hälfte der befragten Assistenzärzte bemängelt in diesem Zusammenhang, dass Überstunden in der Pflege und bei Ärzten nicht angemessen dokumentiert geschweige denn honoriert werden.

Schlechte Work-Life-Balance macht Jobwechsel zur Option

Viele Assistenzärzte sprechen sich für flexiblere Teilzeitmodelle aus, um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf erreichen zu können. Zu Enttäuschung und Frustrationen führen auch viele nicht ärztliche bzw. administrative Tätigkeiten, von denen die große Mehrheit befreit werden möchte. Kritisiert wird auch die zunehmende Profitorientierung im Behandlungskontext. So verwundert es nicht, dass fast 50 % aller Assistenzärzte einen hohen ökonomischen Druck beklagen. Viele vertreten kritisch die Auffassung, zu wenig Zeit für ihre Patienten zu haben.

Zudem fehlt es vielen Assistenzärzten während ihrer wichtigen Ausbildungsphase zum Facharzt an strukturierten Weiterbildungskonzepten. Damit sind bereits viele konkrete Stellschrauben benannt, an denen justiert werden müsste. Einen Verlust vieler angehender Fachärzte kann sich das deutsche Gesundheitssystem ohnehin angesichts des jetzt schon akuten Fachkräftemangels nicht erlauben.

Die Digitalisierung im Gesundheitsbereich hinkt laut Assistenzärzten hinterher

Die lahmende Digitalisierung im Gesundheitsbereich ist ein weiterer wichtiger Faktor, der viele Nachwuchsmediziner veranlasst, sich nach neuen Assistenzarzt Stellenangeboten umzusehen. So erklären 80 % aller Befragten, dass sie Digitalisierung im Arbeitskontext als sehr wichtig erachten. Demgegenüber steht aber die ernüchternde Feststellung, dass 99 % der befragten Assistenzärzte bislang noch keine digitalen Gesundheitsanwendungen verschrieben haben.

Beschreibend ist, dass 60 % der Assistenzärztinnen und -ärzte diese modernen Optionen gar nicht kennen bzw. nicht wissen, wie sie solche digitalen Medizinprodukte überhaupt verschreiben können. Die Autoren der Untersuchung kommen zu dem weiteren Schluss, dass mehr Aufklärung im öffentlichen Gesundheitsdienst geboten erscheint. Dies tun sie vor dem Hintergrund, dass 70 % der Befragten gar kein oder nur sehr wenig Wissen über den ÖGD haben.

Fazit zum Jobwechsel als Assistenzarzt mit Blick auf weitere Problemfelder

Die Zahlen aus der genannten Umfrage zeigen ganz klar ein hohes Maß an Unzufriedenheit unter Assistenzärzten, weshalb jeder dritte an einen Jobwechsel denkt. Mit Mittelpunkt steht die hohe Arbeitsbelastung, insgesamt erweisen sich offenbar viele Strukturen im Klinikbetrieb aus Sicht von Assistenzärzten als optimierungsbedürftig. Nicht zu vergessen ist, dass die Corona-Pandemie in den zurückliegenden Monaten für eine enorme Arbeitsbelastung im Klinikalltag gesorgt hat.

Im ambulanten Arbeiten sowie einer besseren interprofessionellen Zusammenarbeit liegen laut Umfrageergebnissen konkrete Chancen, um die Arbeitsbelastung insgesamt zu minimieren. Besser strukturierte Weiterbildungen zum Facharzt können dabei helfen, dass Assistenzärzte nie den Fokus auf dem Weg zum wichtigen Facharzttitel verlieren. Genau dieser Fokus scheint aber aktuell bei immer mehr jungen Assistenzärztinnen und -ärzten verloren zu gehen.