„Was ist derzeit nur in unserer Gesellschaft los?“ | Die exklusive Eva Weber-Kolumne, Oktober 2020

Liebe Augsburgerinnen und Augsburg,

eigentlich wollte ich in dieser Kolumnenausgabe etwas zu dem Großpaket über 100 Millionen schreiben, mit dem der Freistaat die Augsburger Wirtschaft unterstützt. Aber die Entwicklungen der vergangenen Tage bringen mich dazu, auch diese Möglichkeit zu nutzen, um mich klar gegen die Hass-Kommentare auszusprechen, die gegen Stadtratsmitglieder und institutionelle Einrichtungen gerichtet wurden.

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Eva Weber durfte sich über das Förderprogramm des Freistaats freuen, doch leider rückten diese Dinge bald in den Hintergrund | Foto: Czech

Ich habe mich in den vergangenen Tagen immer wieder gefragt, was derzeit nur in unserer Gesellschaft los ist. Was bringt Menschen dazu, andere wegen ihrer Hautfarbe oder ihrem Geschlecht zu diskriminieren? Erst wurde Stadtratskollegin Lisa McQueen in den sozialen Medien beleidigt, dann erreicht ein Hass-Brief den Stadtratskollegen Serdar Akin und die Vorsitzende unseres städtischen Integrationsbeirats Didem Laçin Karabulut.

Wenn es zu solch öffentlichen Diffamierungen kommt, sind wir alle aufgerufen klar und deutlich zu widersprechen. Meinungsverschiedenheiten sind das, was eine Demokratie ausmacht, sie sind sozusagen das Salz in der Suppe. Es ist auch normal, die Diskussionen manchmal als anstrengend zu empfinden, denn wir müssen aufeinander zugehen, Kompromisse schließen. Aber Beleidigungen und Hass haben mit einem guten Streiten nichts zu tun.

Der raue Ton in den öffentlichen Diskussionen, gerade auch in den sozialen Netzwerken, ist eine Tendenz, die ich schon seit längerer Zeit mit Sorge beobachte. Die Corona-Pandemie ist sicherlich mit dafür verantwortlich, da viele Menschen von den Folgen betroffen sind, und ein Blick über den eigenen Tellerrand hinaus in Zeiten der Krise schwerer scheint. Die Stadtverwaltung hat auf diese Entwicklungen reagiert, indem wir eine Fachstelle für Demokratie eingerichtet haben, mit einem Schwerpunkt im Bereich der Extremismus-Bekämpfung. Darüber hinaus wird in der Verwaltung auch eine Antidiskriminierungsstelle eingerichtet, und Mitte September eröffnete eine Außenstelle der Landeszentrale für politische Bildung in Augsburg.

Aber das alleine hilft nicht. Jede und jeder von uns ist gefragt, in seinem alltäglichen Handeln für den Erhalt der Demokratie einzustehen. Lassen Sie uns denen Parole bieten, die spalten und Hass verbreiten. Lassen Sie uns weiter im Gespräch bleiben, diskutieren, uns austauschen, den anderen Meinungen offen begegnen, lassen Sie uns streiten – aber dabei fair bleiben. Denn nur gemeinsam und vereint sind wir stark und können die Pandemie und ihre Folgen überwinden.

Herzliche Grüße

Eva Weber

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Foto: Martin Augsburger

Eva Weber ist seit Mai 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Seit Mai 2014 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.