Weihbischof Losinger am Karfreitag: Der heilende Blick des Erlösers, der tröstet und befreit

In seiner Ansprache zum Karfreitag hat Weihbischof Dr. Dr. Anton Losinger für Kruzifixe in Pflegeheimen, Krankenzimmern und Zuhause geworben. Denn in ihren Nöten, Ängsten und Sorgen bräuchten Menschen den heilenden Blick des Erlösers in ihrer Nähe, betonte Weihbischof Losinger heute in der Karfreitagsliturgie mit Bischof Dr. Bertram Meier im Augsburger Dom. Zudem bezeichnete der Weihbischof gute Pflege, professionelle Palliativversorgung und Ausbau der Hospizidee als die passenden Instrumente der Sterbebegleitung. „Unsere Aufgabe ist Hilfe zum Leben, nicht Sterbehilfe!“

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Karfreitagsliturgie im Hohen Dom (Foto Nicolas Schnall pba) 2

Gerade unter dem Eindruck der vergangenen Monate der Distanz und Unsicherheit, in denen viele Menschen ihre persönliche Corona-Passion erleiden und erleben mussten, rückte Weihbischof Losinger den leidenden Herrn, den „echten Jesus“, wie ihn die Liturgie des heutigen Tages zeige, in das Zentrum seiner Ansprache. Erlösung durch das Kreuz sei kein perfekter heller Raum, wie es die Esoterik gerne zeichne. Im Gegenteil: Erlösung durch das Kreuz ist die Rettung aus dem wirklichen Dunkel, aus allem Schmerzenden, Belastenden und Bedrückenden unseres Lebens. Daher empfahl er den Gläubigen: „Sie brauchen das Kreuz Jesu im ‚Meditationsraum‛ ihres Lebens, weil sie darin mit ihrem Lebens-Kreuz am besten aufgehoben und geborgen sind. Das ist die Botschaft des Karfreitags, die unser Leben letztlich hell macht. Der liebende Blick des Erlösers, der tröstet und befreit.“

Mit Blick auf die Sterbehilfe-Debatte blickte Weihbischof Losinger sorgenvoll in die Zukunft. Trotz der phantastischen Möglichkeiten und Aussichten, die uns die moderne Medizin verheißt, sei uns doch vieles eher fraglich geworden. Vieles zeige die Kehrseite der wissenschaftlichen Entwicklung, die wachsende Ängste in den Menschen entstehen lasse, so der Weihbischof. „Darum stemmen wir uns vehement gegen Tötung auf Verlangen und organisierte Sterbehilfe. Weil um Jesu willen kein Mensch durch die Hand eines anderen aktiv getötet, oder auch nur durch sublimes Drängen seiner Umgebung in den Tod gedrängt werden soll.“ Denn hinter der Theorie vom freiverantwortlichen Suizid stünde meistens nicht autonome Freiheit, sondern ein Hilferuf an die Gesellschaft.

Im Deutschen Bundestag werde uns die Frage nach assistiertem Suizid „mit Wucht begegnen, „wenn nach dem ominösen Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom Februar 2020 die Gesetzesvorlage zur geschäftsmäßigen Sterbehilfe zur Debatte kommt“. Hier gehe es um nicht mehr und nicht weniger als um den Wasserstand einer Kultur des Lebens in unserer freiheitlich demokratischen Gesellschaft, die sich doch das Lebensrecht und die Unantastbarkeit der Würde in das Grundgesetz geschrieben habe, mahnte er.

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Karfreitagsliturgie im Hohen Dom (Foto Nicolas Schnall pba)

Nach den Großen Fürbitten sowie der Verehrung des Kreuzes wurde das Allerheiligste zum Ende der Liturgie in einer Prozession begleitet vom Gesang der Domsingknaben zum Heiligen Grab gebracht, das heuer nicht – wie gewohnt – in der Marienkapelle aufgebaut ist, sondern vor dem Sakramentsaltar. Vor dem Grab ist es bis 17 Uhr am Karsamstag zur Anbetung ausgesetzt.

pba