Welle an Hilfsbereitschaft überwältigt Augsburger Malteser

Die Malteser haben seit über 960 Jahren ein Ziel: Hilfe den Menschen zukommen zu lassen, die Hilfe bedürfen, unabhängig von Herkunft, sozialem Status oder Alter. Gerade in der aktuellen Situation wird deutlich spürbar, wenn es keine Angehörigen gibt oder sich Menschen keine Hilfe holen können. In der aktuellen Corona-Pandemie stellen sich die Malteser in der Diözese Augsburg den neuen Herausforderungen mit breiter Unterstützung durch die Bevölkerung.

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Als zum Beginn der Corona-Pandemie auch in Deutschland die Schulen geschlossen wurden, wurde an vielen Malteser Standorten die Idee geboren, die jetzt frei werdenden Kapazitäten zu nutzen, um all den Menschen, die entweder über 65 Jahre alt sind oder aufgrund einer Vorerkrankung zur Risikogruppe gehören, einen kostenlosen Einkaufsdienst anzubieten (Bildrechte: Michael de Clerque).

Jährlich nehmen rund 50.000 Bedürftige die Hilfe der Malteser in der Diözese Augsburg in Anspruch. Viele Angebote, etwa für demenziell Erkrankte und deren Angehörige oder die offene Behindertenarbeit, können aktuell nicht in der gewohnten Form stattfinden. Deswegen bietet der Hilfsdienst Beratung und Hilfe zu diesen Themen nun auch telefonisch an.

Als sich die Pandemie als solche abzeichnete, war es für die Malteser wichtig, den Bedarf aufgrund der sich veränderten Situation im Kontakt mit Personen aus der Risikogruppe in der Diözese zu klären, um entsprechend gerüstet zu sein: Deshalb meldeten sich die haupt- und ehrenamtlichen Helfer bei 2.000 Klienten telefonisch, um zu erfahren, wo und in welchem Umfang Hilfe benötigt wird oder um bestehende Angebote den neuen Rahmenbedingungen anzupassen.

Malteser vergrößern Angebot und passen es auf veränderte Situation an

So wurde der Menüservice weiter ausgebaut, weil die Nachfrage bei den Risikogruppen enorm gestiegen ist. Auch der Hausnotruf wurde immer wichtiger: Die Hausnotrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar, Mitarbeiter kommen nach wie vor zu den Klienten nach Hause, unter Berücksichtigung der aktuell geltenden Schutzmaßnahmen. Weiterhin stehen die Malteser mit dem Rettungsdienst, Krankentransport und dem Katastrophenschutz der Gesellschaft zur Verfügung.

Weitaus schwieriger gestaltete es sich, diejenigen in der Diözese zu erreichen, die die Hilfsangebote nicht kennen und zur Risikogruppe gehören. Hilfe anzunehmen fällt ihnen oft schwer. Die Gruppe von bedürftigen alten Menschen wurden verstärkt über Printmedien, Radio und TV über Hilfsangebote informiert, da diese meist nicht über die sozialen Netzwerke erreicht werden kann. In Weilheim etwa brachten die Malteser mit vielen Freiwilligen Zettel an Bushaltestellen, in Metzgereien und in Arztpraxen an, um auf ihre Angebote hinzuweisen. Eine ganze Schulklasse des Gymnasiums half dabei, zudem meldeten sich 20 weitere freiwillige Unterstützer vor Ort.

Einkaufshelfer übernehmen den Supermarkt-Einkauf und Botengänge

Solidarität und Nächstenliebe sind deutlich spürbar in dieser besonderen Zeit. Ängste, Sorgen und Einsamkeit vieler Menschen können nur durch gemeinsame Hilfe und Anstrengungen begegnet werden. „Damit die Pandemie gesellschaftliche Probleme wie Altersarmut oder soziale Isolation nicht weiter verschärft, haben wir neue Dienste bereitgestellt oder Dienste angepasst. Viele Menschen wollen helfen. Gemeinsam schaffen wir die Herausforderungen und setzen auf die Solidargemeinschaft“, so Alexander Pereira, Diözesangeschäftsführer der Malteser Augsburg.

Um gerade älteren und immungeschwächten Menschen den Alltag in der Krise zu erleichtern, übernehmen aktuell die Helfer der Einkaufshilfe Einkäufe und kleine Botengänge wie Apotheken- oder Postbesuche für sie. Die Übergabe an den Hilfsempfänger erfolgt kontaktlos an der Haustüre. Gesucht und gefunden haben die Malteser Helfer und Hilfsempfänger über Medienaufrufe und ihre Social-Media-Kanäle. Nach wie vor können Bedürftige sich online auf www.malteser-augsburg.de oder telefonisch unter 0821/25850-57 in der Dienststelle Augsburg melden.

Augsburger möchten mit anpacken

Überwältigend war auch das Interesse in Augsburg, einen solidarischen Beitrag zu leisten. So haben sich innerhalb von drei Wochen 130 freiwillige Helfer gemeldet, mehr als ein Drittel davon im Alter von 20-30 Jahren. Ihre Gründe waren vielfältig: aktuell in Kurzarbeit, verlängerte Semesterferien oder einfach Lust und Zeit, anzupacken. Auch die Altersgruppe von 30 bis 40 meldete sich trotz Beruf und Familie. „Diese Welle an Hilfsbereitschaft hat uns überwältigt!“ fügt Pereira hinzu.

Im Zuge der Nachbarschaftshilfe vermittelten die Malteser bevorzugt Helfer und Hilfsempfänger in der Nähe. In insgesamt sieben Dienststellen der Diözese Augsburg führten die Malteser diesen Dienst kurzfristig ein. Auch die Lebensmittelpakete gegen Altersarmut wurden auf die kontaktlose Lieferung umgestellt und finden in dieser Ausnahmesituation zweimal im Monat in acht Dienststellen der Augsburger Diözese statt.

Malen gegen Isolation bringt Jung und Alt künstlerisch zusammen

Besonders Kinder, die in der Zeit der Ausgangsbeschränkung weder Kita, Kindergarten noch Schule besuchen konnten, wollen aktiv sein und Beschäftigung haben. Aus diesem Grunde initiierten die Malteser Augsburg das Projekt „Malen gegen Isolation“. Älteren und isolierten Menschen konnten sie damit eine Freude machen, da die Ausgangsbeschränkung jegliche Form der persönlichen Kommunikation für Jung und Alt ausschloss. Über 250 Bilder haben die Malteser in Augsburg erreicht, in der Diözese an die 500. Überbracht wurden diese Bilder den Empfängern der Lebensmittelpakete gegen Altersarmut und vielen anderen akut bedürftigen Senioren. Die Dankbarkeit und Freude war riesengroß und die Rückmeldungen berührend. Die schönsten Zeichnungen wurden von den teilnehmenden Kindern via Voting über die Social-Media-Kanäle ermittelt und die glücklichen GewinnerInnen konnten ein Malteser-Überraschungspaket gewinnen.

Malteser, die selbst zur Risikogruppe gehören und deshalb nicht mit ihrer Tatkraft unterstützen konnten, wurden ebenfalls aktiv. Mit den „Malteser Grüßen“ haben sie Postkarten an ältere Menschen in ganz Augsburg geschickt. Insgesamt sorgten über 300 Postkarten für große Freude bei den isolierten alten Menschen.

Neu-Ulm näht 1.700 Stoffmasken und bietet Vespertüten to-go

In Neu-Ulm handelten die Malteser aus der Augsburger Diözese schnell, flexibel und kreativ. Neben der Einkaufshilfe entwickelte sich hier das Nähen von Schutzmasken zu einem Riesenprojekt. Zwischenzeitlich war im Handel keinerlei provisorischer Schutz vorrätig. Um Altenheime, Obdachlose und Einzelpersonen in Risikogruppen damit dennoch kurzfristig versorgen zu können, starteten die Malteser einen Aufruf. Daraufhin konnten sie gemeinsam mit 53 Näherinnen aus dem gesamten Landkreis sowie drei Helferinnen der Malteser in vier Wochen sensationelle 1.700 Masken zur Verfügung stellen. Zehn ehrenamtliche Helfer verteilten die Masken.

Die bei Obdachlosen beliebte Johannes Suppenküche wurde kurzerhand umgestellt. Menschen ohne Wohnsitz sowie andere Bedürftige können sich entsprechend der neuen Abstandsregelungen wöchentlich eine gesunde Vespertüte to-go in der Neu-Ulmer Dienststelle der Malteser abholen. Die Nachfrage ist auch hier enorm.

Fazit der Malteser in der Diözese Augsburg

Auch wenn persönliche Begegnungen in dieser besonderen Zeit der Einschränkungen nur sehr begrenzt möglich sind, ist die Hilfsbereitschaft in der Diözese immens. Gerade jetzt wird spürbar, wie notwendig gepflegte Kontakte zu unseren Mitmenschen, Freunden, Verwandten und Hilfesuchenden sind. Wir spüren nun auch, wie wertvoll doch die verschiedenen Kommunikationsmöglichkeiten sind, die wir heute haben. Krisen schaffen immer wieder auch Chancen. „Mit positivem Blick nach vorne gerichtet werden wir diese besondere Zeit gemeinsam überstehen, und die Menschen nicht vergessen, die unsere Hilfe benötigen. Im Namen der gesamten Augsburger Diözese danke ich allen Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen vielmals für die positiven Rückmeldungen und Unterstützung. Sie, unsere Helfer vor Ort, geben bedürftigen Hilfesuchenden all das, was notwendig ist: Hilfe, Unterstützung, Zuwendung, Zeit und Zuversicht“, schließt Alexander Pereira.