Wie die Raben | Zahlreiche Lichter auf Friedberger Friedhöfen zerstört

Sonntagmittag zeigte ein Bürger eine Sachbeschädigung an einem Grab auf dem Friedhof an der Wiffertshauser Straße in Friedberg an.

Seine Schwiegermutter habe am Samstagnachmittag die Grabpflege verrichtet. Als die Rentnerin Sonntagmittag wieder zu dem Grab ging, bemerkte sie, dass die Glaseinfassungen des Grablichtes herausgeschlagen worden waren. Auch bei umliegenden Gräbern seien Grabgegenstände beschädigt worden, allerdings wurden bislang keine weiteren Anzeigen erstattet.

Wie festgestellt wurde, betraf es nicht nur Grabreihen an der Wiffertshauser Straße, sondern auch Gräber im nördlichsten Bereich des Friedhofes bei der Herrgottsruh-Kirche. Bei einer Begehung stellten wir fest, dass an insgesamt 64 Grabstellen die Gläser der Grablichter zersplittert daneben lagen, die Kerzen entweder schief im Behältnis standen oder gleich ganz heraus gezogen waren.

Bei einigen fehlte das Wachs, war flüssig auf der Erde verschüttet worden oder die  Kerzen waren völlig verschwunden. In sieben Fällen waren die Grablichter auf leichten Sockeln montiert und umgeworfen worden, bevor eine oder mehrere Scheiben eingeschlagen wurden. Auffallend war auch, dass LED-Kerzen unberührt blieben, nachdem die Scheiben eingeschlagen waren.

Aufgrund der Presseveröffentlichung und Beiträge in den sozialen Medien erstatteten 15 Bürger Anzeigen und meldeten gleichartige Sachbeschädigungen auf ihren Gräbern.

Am Mittwoch ergab sich dann eine völlig überraschende Wende: ein Anwohner berichtete , dass Krähen die Verursacher sein könnten. Er selbst hatte bemerkt, dass der Deckel seines Grablichtes offen stand und die Kerze aneben lag. Er fixierte deshalb den Deckel mit einem Stöckchen. Am nächsten Tag war eine Scheibe zersplittert und die Kerze angegangen.

Von einem ornithologischen Verein war fachkundig zu erfahren, dass dies tatsächlich eine Verhaltensweise von Rabenvögeln sein könnte. Sie sind durchaus in der Lage, mit ihren Schnäbeln die dünnen Glasscheiben zu zerhacken, um an das Paraffin der Kerzen zu gelangen. Deshalb blieben die LED-Kerzen unangetastet. Das Wachs verwenden sie für ihr Gefieder als Schutz vor Kälte und Nässe.

Dafür spreche weiter, dass die beschädigten Grablichter nahe an Baumreihen liegen. So konnten die scheuen Krähen bei einer Störung schnell Schutz suchen. Die Rabenvögel sind ziemlich stark, was das Umwerfen mancher Grablichter erklärt. Zudem seien sie schlau, Erfahrungen werden in einer Krähenkolonie von einem Vogel zum anderen weitergegeben.

Recherchen im Internet ergaben in anderen Ortschaften ähnliches Verhalten der Krähen. Manchmal werden sogar Blumen und Blumenstöcke herausgerissen, so dass der Eindruck entsteht, jemand hätte auf den Gräbern gewütet. Leider hat sich bis jetzt niemand gemeldet, der die Rabenvögel auf frischer Tat beobachtet hat.

Möglich ist auch, dass sich die Vorfälle aufgrund der wärmer werdenden Temperaturen nicht mehr wiederholen.

Erleichtert kann die Polizei resümieren, dass offensichtlich keine Vandalen den Friedhof aufgesucht haben. Die Vorfälle werden trotzdem der Staatsanwaltschaft berichtet. Wegen des besonderen öffentlichen Interesses wird ausnahmsweise ein Foto zur weiteren Verwendung zur Verfügung gestellt.