Winnenden-Angehörige: Polarisierung begünstigt Amoktaten

Die Vorsitzende der „Stiftung gegen Gewalt an Schulen“, Nachfolgeorganisation des Aktionsbündnisses Amoklauf Winnenden, Gisela Mayer, glaubt, dass die zunehmende Polarisierung in Deutschland Amokläufe begünstigt. „Wir haben jedenfalls in unserer Gesellschaft mannigfaltige Probleme“, sagte sie dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (Montagsausgaben). „Wir haben mit der gespaltenen Haltung zum Thema Migration große Probleme. Wir haben im Umgang miteinander große Probleme. So ist das rasante Anwachsen von Gewalt auf Schulhöfen nichts anderes als ein Spiegel der Gesellschaft. Und wir haben einen Umgangston auch in politischen Debatten, der in dieser Form verderblich ist.“

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Am heutigen Montag ist der zehnte Jahrestag des Amoklaufs. „Wenn Beleidigungen an der Tagesordnung sind, sind auch persönliche Verletzungen an der Tagesordnung. Und solche zumindest gefühlten Verletzungen sind – das wissen wir – auch Ursache für Amoktaten. Die Gefahr steigt also. Positiv ist, dass wir mehr darüber wissen“, sagte Mayer.

Die 62-Jährige, die bei dem Amoklauf eine Tochter verlor, forderte eine Verschärfung des Waffenrechts. Dass die Zahl der Waffen zuletzt wieder angestiegen sei, „bereitet uns große Sorgen“, sagte sie. „Und es ist nicht einzusehen, warum Sportschützen großkalibrige Waffen brauchen. Was uns noch mehr Sorge bereitet, ist allerdings der extrem angestiegene Besitz von eigentlich frei verkäuflichen Waffen.“

So war die Zahl der sogenannten Kleinen Waffenscheine, mit denen Schreckschusswaffen oder Reizgase erworben werden können, zuletzt um über zehn Prozent angewachsen. „Die Zahlen sind enorm gestiegen“, so Mayer. „Und das Verrückte ist: Das Gefühl der Sicherheit steigt parallel zur realen Gefahr. Denn Menschen, die im Umgang mit solchen Waffen nicht geübt sind, gefährden damit sich und andere. Zudem können die Waffen von kundigen Händen umgebaut werden zu wirklich gefährlichen Waffen.“