„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“ | Panther-Chef Sigl im Interview

Halbzeit in der  DEL-Hauptrunde 2020/21 für die Augsburger Panther. Nach 19 von 38 Spielen steht das Team in der Gruppe Süd auf Platz 4, der zur Teilnahme an den diesjährigen Playoffs berechtigen würde. Zeit, sich mit dem geschäftsführenden Gesellschafter Lothar Sigl über den bisherigen Saisonverlauf, ereignisreiche Tage zum Ende der Transferfrist und die kommenden Wochen zu unterhalten.

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Lothar Sigl

Lothar Sigl, nach vier Niederlagen zu Beginn der Saison stehen die Panther seit einiger Zeit auf einem Playoff-Platz. Zuletzt verpasste man es aber, in den Heimspielen gegen Nürnberg und Straubing den Vorsprung auf Platz fünf auszubauen. Wie bewerten Sie die erste Hälfte der Hauptrunde?

Sigl: Dass der Start schwer werden könnte, hat uns intern nicht überrascht. Die Gründe waren vielfältig. In den darauffolgenden 13 Spielen haben wir uns dann aber in einer starken Gruppe mit teilweise überzeugenden Leistungen auf Rang 4 vorgearbeitet und jedes Team im Süden mindestens einmal geschlagen. Klar hätten wir uns mit Punkten aus den letzten beiden Spielen etwas Luft verschaffen können, aber so ist der Sport. Diese Phasen durchlebt jedes Team. Wichtig ist jetzt, dass wir weiter an uns glauben und weiter Punkte sammeln. Es ist noch viel Eishockey zu spielen. Wenn wir es schaffen, die individuellen Fehler zu reduzieren und auch im Powerplay effizienter werden, sind wir ein heißer Kandidat für das Viertelfinale.

Es stehen nun noch fünf gruppeninterne Partien an, ehe es eng getaktet in einer Einfachrunde gegen die sieben Teams aus dem Norden geht. Vom 21. März bis 18. April wird dann 14-mal gespielt. Ein enormes Pensum, oder?

Alle 14 Clubs haben sich bewusst für diesen Modus entschieden. Wir wollten speziell in den Wintermonaten – mit teils extrem hohen Corona-Inzidenzen – wenige bis keine Hotelübernachtungen und nur möglichst geringe Reisekilometer, um das Infektionsrisiko so klein wie möglich zu halten. Zudem war uns ein Puffer für etwaige Nachholspiele wichtig. Keiner hätte Ende November gedacht, dass wir so gut durch den Winter kommen. Insofern lässt sich über den Spielplan jetzt leicht diskutieren, wir haben als Liga aber sehr vieles richtig gemacht. Klar wird das Pensum jetzt hoch. Das betrifft aber alle 14 Teams, es herrscht Chancengleichheit. Vielleicht ist der Spielplan sportlich betrachtet sogar fairer als jemals zuvor. Wir sehen uns jedenfalls gut gerüstet und freuen uns auf die Duelle gegen die sieben anderen Teams. Derbys sind schön, ohne Fans in den Hallen aber maximal die Hälfte wert. Jetzt freuen wir uns alle darauf, mal wieder etwas anderes zu sehen.

Das hohe Pensum war einer der Gründe, weshalb die Panther zum Ende der Transferfrist noch vier Spieler nachverpflichtet haben?

Ja, nach den langfristigen Ausfällen von Olivier Roy und Alex Lambacher, den Wechseln von Niklas Länger und Magnus Eisenmenger und der ausbleibenden Rückkehr von Pat McNeill, wofür wir aber größtes Verständnis haben, war unsere Personaldecke in Anbetracht dieser intensiven Phase zu dünn. David Kickert ersetzt Roy, mit der Leihe von Layne Viveiros haben wir acht Verteidiger im Team und mit Brad McClure und Thomas Holzmann, der hoffentlich bald wieder einsatzbereit ist, haben wir wieder 14 Stürmer. Es wird wichtig, dass die Belastung von unserem Trainerteam in Training und Spiel entsprechend gesteuert werden kann, um weiteren Verletzungen bestmöglich vorbeugen zu können. Doch weil wir bei Roy und zuletzt auch Keller trotzdem gesehen haben, wie schnell es mit Verletzungen gehen kann, haben wir mit Ryan Zapolski noch einen erfahrenen Torwart für den Notfall lizenziert. Aktuell ist jedoch nicht geplant, dass er nach Augsburg kommt. Auch die Gefahr von Infizierten und Quarantäneanordnungen bleibt obendrein mindestens noch diese Saison stets präsent.

Dennoch sorgen diese Personalien auch für Unverständnis. Was entgegnen Sie?

Zunächst sei angemerkt, wir machen sicher nichts, was auch nur in irgendeiner Weise wirtschaftlich unvernünftig ist, geschweige denn laden wir uns Hypotheken für die kommende Saison auf. Das finanzielle Gesamtpaket hat bei jeder einzelnen Nachverpflichtung gepasst. Wir wollen wettbewerbsfähig sein, diese Verantwortung haben wir unseren Fans und Sponsoren gegenüber. Auch unsere Spieler fordern das, denn auch sie wollen am Ende des Tages persönlich und als Team erfolgreich sein. Es gibt keine Verpflichtung, die nicht im Vorfeld zwischen der sportlichen Leitung, dem kompletten Trainerteam und unserer „Leadership-Group“ um Brady Lamb, Scott Valentine, Drew LeBlanc, Henry Haase, Thomas Holzmann und Adam Payerl besprochen wurde. Wir sind mit unserer Mannschaft, die unsere Teilnahme an dieser Saison erst ermöglicht hat, stets im engen Austausch. Wir sind mit fünf Ausländern in die Saison gestartet, während andere schon nahezu alle Lizenzen vergeben hatten. Es war auch immer völlig transparent kommuniziert, dass wir im Verlauf der Saison reagieren werden. Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, auf der Einnahmenseite Erfolge erzielt und kurz vor Transferschluss gehandelt. Dazu waren Nachverpflichtungen natürlich auch von Beginn an budgetiert. Ich würde diesen Weg immer wieder so gehen.

Wäre es bei aller wirtschaftlichen Weiterentwicklung nicht trotzdem die ideale Saison, Talente wie Moritz Borst, Niklas Länger oder Magnus Eisenmenger mehr zu integrieren?

Die Wechsel von Magnus Eisenmenger nach Frankfurt und Niklas Länger nach Heilbronn waren auch Wünsche der Spieler, denen wir gerne nachgekommen sind. Simon Sezemsky zum Beispiel hat lange DEL2 gespielt und wurde erst mit 24 Jahren zum DEL-Spieler, und ein Niklas Länger ist jetzt 19. Das entscheidende bei dieser Diskussion ist der Spagat zwischen Förderung und Überforderung junger Spieler. Niklas hatte bislang noch nahezu keine Erfahrungen im Seniorenbereich, die DEL2 ist für ihn der ideale Ort, jetzt höherklassig mehr Eiszeit zu bekommen. Auch für Magnus persönlich ist es gut, mehr Eiszeit zu erhalten. Bei Moritz Borst ist es ähnlich. Er hat sich toll entwickelt, aber er kann nicht über Wochen die Nummer 2 in einem DEL-Team sein. Wir dürfen doch die Spieler nicht verbrennen. Entwicklung ist kein Prozess, der innerhalb eines Jahres abgeschlossen ist. Das ist ein langer Weg, auf dem wir die Spieler begleiten möchten. Gerade ein Marco Sternheimer zeigt doch mit seiner Leistung dieses Jahr, dass unsere Clubphilosophie und das behutsame Heranführen von Talenten richtig sind. Mit Max Eisenmenger, Samir Kharboutli und Dennis Miller durften wir dieses Jahr schon die ersten DEL-Tore drei weiterer Talente bejubeln. Ich finde, wir machen das im Bereich der U23-Spieler wirklich gut bislang. Auch im Ligavergleich.

Die Neuzugänge sollen die Panther wettbewerbsfähiger machen. Muss das Saisonziel Playoffs dann mit den jüngsten Personalien nicht gar nach oben korrigiert werden?

Nein, keinesfalls. Wir handeln vor allem, um unser Saisonziel nicht zu gefährden. Wir wollen Platz 4 im Süden verteidigen und in die Playoffs einziehen. In dieser Spielzeit unter die besten acht Mannschaften der  DEL zu kommen, das wäre wirklich eine tolle Leistung. Wir hätten dann drei Jahre in Serie die Endrunde erreicht. Dass wir das schaffen können, spricht für unsere Weiterentwicklung der letzten knapp zehn Jahre.

In den Playoffs ginge es dann im Viertelfinale gruppenintern weiter, ehe im Halbfinale überkreuzt wird. Alle Runden im Modus Best-of-Three. Erhöht das nicht die Chancen für die Außenseiter auf Erfolg?

Der Faktor Glück gewinnt in diesem Modus sicher an Bedeutung. Dazu eine gesunde Mannschaft, ein Lauf zur rechten Zeit und vieles scheint möglich. Trotzdem ändert sich an den Favoritenrollen von Teams wie Mannheim, München, Berlin oder auch Ingolstadt zunächst wenig. Die Playoffs sind die beste Zeit des Jahres, klar wären längere Runden natürlich schöner gewesen. Das ist mit der Weltmeisterschaft im Nacken terminlich leider nicht anders zu lösen. Der Modus ist allen Beteiligten jetzt lange bekannt, jeder kann sich darauf einstellen.

Die DEL hat sich mit ihren Clubs zuletzt einer breit angelegten Initiative aus Experten, Wissenschaftlern, Kultur und Sport angeschlossen, die sich mit der Rückkehr von Zuschauern unter strengen Hygienekonzepten befasst. Finden die Playoffs 2021 dann vielleicht schon wieder mit Fans in den Hallen statt?

Das sehe ich leider noch nicht. Alle Clubs der  DEL haben für die Saison 2020/21 ohne Zuschauer kalkuliert, das war richtig so. Dennoch war es wichtig, dieses Thema wieder in die Öffentlichkeit zu bringen. Wir spielen und überstehen nach einem großen Kraftakt aller Beteiligten diese Saison. Wir wissen natürlich, dass es ein Privileg war, diese Saison auch im zweiten Lockdown nicht unterbrechen zu müssen und unseren Beruf ausüben zu dürfen. So sind alle gut beraten, demütig zu bleiben. Aber, und das muss auch allen klar sein: Wir können so nicht weitermachen. Eishockey lebt, finanziell wie atmosphärisch, von den Fans in den Hallen. Wir brauchen eine Perspektive und müssen wissen, wie wir die Saison 2021/21 – dann vielleicht mit 15 Clubs in der DEL – planen können. Ähnlich wie schon vergangenes Jahr wird die Kalkulation für die nächste Saison eine große Herausforderung. Und wir werden hier wieder Vernunft walten lassen, um die Zukunft unseres Standortes nicht zu gefährden. Wir werden gewissenhaft arbeiten und am 24. Mai Lizenzunterlagen im Ligabüro einreichen, die auch unser 28. Jahr ohne Unterbruch im Oberhaus ermöglichen.