„Wir würden jederzeit wieder Stammzellen spenden!“

Torsten aus Stadtbergen und Simone aus Bonstetten ermöglichten zwei Menschen die Chance zu Überleben

 Mehr als 4.200 Menschen strömten am 31. Mai 2008 in die Stadtbergener Osterhalle und ließen sich als potenzielle Stammzellspender bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren. Anlass war die Blutkrebserkrankung der damals vierjährigen Lucia aus Stadtbergen. Bis heute sind aus der Aktion bereits 83 Stammzellspender hervorgegangen, darunter auch Torsten van Gemmeren aus Stadtbergen und Simone Pfister aus Bonstetten, die ihren ‘genetischen Zwilling‘ bald persönlich kennen lernen wird. Auf einen Lebensretter hofft derzeit auch die 10-jährige Lisa aus Stadtbergen. Sie hat Blutkrebs und benötigt dringend einen Stammzellspende, um überleben zu können. Am 20. Juli 2014 findet deshalb erneut eine Registrierungsaktion in Stadtbergen statt.

Die kleine Lucia hatte damals großes Glück: Rechtzeitig wurde – allerdings durch eine andere Registrierungsaktion – ein passender Spender gefunden, so dass sie transplantiert werden konnte. Heute geht es der inzwischen 10-Jährigen gut, nach dem Sommer wechselt sie auf die weiterführende Schule. Auch wenn unter den rund 4.200 Menschen, die sich am 31. Mai 2008 aufgrund von Lucias Schicksal typisieren ließen, kein ‘genetischer Zwilling‘ für Lucia dabei war, hat deren Engagement enorm viel bewegt, denn: Bis heute haben 83 von ihnen tatsächlich schon Stammzellen spenden können. Zwei dieser Stammzellspender sind Simone Pfister und Torsten van Gemmeren.

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DKMS-Spenderin Simone Pfister

„Ich hatte Lucias Foto in der Zeitung gesehen und war sehr berührt von dem Schicksal des kleinen Mädchens. Mir war sofort klar, dass ich bei der Aktion mitmache“, erinnert sich Simone. Die 35-Jährige aus Bonstetten konnte dadurch zwei Jahre später einem Kleinkind das Leben retten „Es war ein schönes Gefühl, als ich das erfuhr. Ich habe mich immer auch gefragt: Was wäre, wenn man selbst eine Spende benötigen würde? Dann wäre man auch glücklich über einen Spender.“ Ähnlich ging es Torsten aus Stadtbergen: „Als ich mich 2008 registrieren ließ, hatte ich nicht wirklich damit gerechnet, dass ausgerechnet ich als Spender in Frage kommen würde“, gesteht der 26-Jährige. Etwa zwei Jahre später erfuhr er über die DKMS, dass seine Gewebemerkmale nun mit denen eines Patienten übereinstimmen. „Ich war sehr überrascht. Im allerersten Moment habe ich mich erschrocken und gleich danach war es ein sehr gutes Gefühl. Ich habe mich gefreut, dass ich jemandem helfen kann.“

Es gibt zwei Entnahmeverfahren, um an die für Patienten überlebensnotwendigen Stammzellen heranzukommen. Welche Methode angewendet wird, hängt von der Art der Erkrankung des Patienten ab. Die weitaus häufigere Stammzellentnahme wird heutzutage in 80 Prozent aller Fälle durchgeführt, so wie bei Torsten. Nach einer umfassenden der Voruntersuchung in der Entnahmeklinik gab man ihm ein Medikament mit, welches er sich an fünf aufeinanderfolgenden Tagen unter die Haut spritzen musste. Dieser körpereigene, hormonähnliche Stoff, der vom Körper auch bei fieberhaften Infekten produziert wird, stimuliert die Produktion der Stammzellen und bewirkt, dass sich vermehrt Stammzellen im fließenden Blut befinden. Diese können dann über ein spezielles Verfahren aus dem Blut gesammelt werden. „Bei der Voruntersuchung wurde ich einmal komplett auf den Kopf gestellt. Danach hatte ich die gute Gewissheit, kerngesund zu sein“, erklärt Torsten. „Die Spritzen zur Vorbereitung auf die Spende habe ich mir selbst gesetzt. Da ich mir als 16-Jähriger schon einmal hatte Thrombosespritzen geben müssen, war es für mich ein bekanntes Gefühl, ich hatte damit keinerlei Probleme. Ich fühlte mich zwar – wie von den Ärzten angekündigt – etwas grippal während dieser Tage, doch auch ohne Medikamente war das gut auszuhalten. Die Spende selbst hat etwa vier Stunden gedauert und fühlte sich an wie eine lange Blutspende. Ich fand es in Ordnung.“ Bei Simone Pfister hingegen wurde die seltenere Methode der Knochenmarkentnahme angewendet. „Mir war klar, dass ich für beide Methoden zur Verfügung stehe. Nach Entnahme war ich aufgrund der Narkose noch kurz etwas benommen, doch bereits am nächsten Tag konnte ich schon wieder mit dem Zug nach Hause fahren. Ein bis zwei Wochen habe ich die Stelle zwar noch ein wenig gespürt, aber ich fühlte mich wohl und nach zwei Wochen habe ich von dem Eingriff nichts mehr gemerkt.“

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DKMS-Spender Torsten van Gemmeren aus Stadtbergen

Eine Stammzellspende erfolgt zunächst immer anonym. Über den Empfänger seiner Stammzellen erfuhr Torsten zunächst nur, dass es sich um einen etwa 50-jährigen Mann aus den USA handelte. „Nach etwa einem halben Jahr bekam ich einen anonymen Brief von ihm. Darin teilte er mir mit, dass es ihm inzwischen bereits viel besser gehe. Das war schon ein besonderes Gefühl. Ich fühlte mich irgendwie mit dem Mann verbunden und es wurde plötzlich alles sehr real: Da war ein Mensch, der tatsächlich durch meine Spende überleben konnte: eine sehr positive Erfahrung. Der Aufwand, den man als Spender hat, steht in keinem Verhältnis zu dem, was man dadurch erreichen kann, nämlich einem anderen Menschen die Überlebenschance zu ermöglichen. Ich würde jedenfalls jederzeit wieder Stammzellen spenden!“ Simone hatte für einen zweieinhalbjährigen Jungen gespendet. „Als mir die Ärzte vor dem Eingriff mitteilten, dass man nicht viel Knochenmark entnehmen müsse – mein Patient wiege weniger als 10 Kilo – war mir ja schon klar, dass es ein Kind ist“, schmunzelt Simone. „Es war ein wirklich sehr schönes und bewegendes Gefühl, es dann „offiziell“ zu erfahren. Mit der Mutter stand ich später regelmäßig über die DKMS anonym in Briefkontakt, bis wir dann nach zwei Jahren die Adressen tauschen durften. Wenn man so erfährt, was der kleine Knirps durch die Krankheit alles schon durchgemacht hat, dann treibt es einem wirklich die Tränen in die Augen. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich ihm das Leben retten konnte. Jetzt ist Leon fünf und geht in den Kindergarten. Ein persönliches Treffen ist auf jeden Fall geplant – wir haben es nur noch nicht geschafft.“

Auf einen solchen Lebensretter hofft nun auch die 10-jährige Lisa aus Stadtbergen. Sie ist – wie Lucia damals – an Blutkrebs erkrankt und kann nur überleben, wenn ein passender Stammzellspender für sie gefunden wird. Wer gesund und zwischen 18 und 55 Jahren alt ist kann helfen und sich bei der DKMS Deutsche Knochenmarkspenderdatei registrieren lassen. Die Aktion findet statt am Sonntag, den 20. Juli 2014, von 11:00 bis 16:00 Uhr in der Oswald-Merk-Halle, Stadtberger Str. 8 in 86391 Stadtbergen.

Aber auch wer nicht mitmachen darf, kann helfen und Geld spenden. Für jeden neu aufgenommenen Spender entstehen der DKMS Kosten in Höhe von 50 Euro, die die gemeinnützige Gesellschaft allein durch Spendengelder finanzieren muss.

DKMS-Spendenkonto, IBAN DE12720501010030342927, BIC BYLADEM1AUG

Weitere Informationen finden Sie unter www.dkms.de.