Der Wirtschaftsweise Achim Truger hat den Anstieg der Armutsrisiko-Quote in Deutschland als „alarmierend“ bezeichnet und vor weitreichenden Folgen für die Gesellschaft gewarnt. „Wenn so viele Menschen dauerhaft abgehängt zu werden drohen, dann ist das ein großes soziales Problem“, sagte der Ökonom den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Donnerstagsausgaben).

Die Entwicklung stelle jedoch auch eine Gefahr für die Demokratie dar, „weil die politische Partizipation zurückgeht“, sagte Truger, der dem Sachverständigenrat für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung angehört. Truger forderte von der Politik, es müssten „ganz akut die Entlastungspakete nachjustiert werden“. Gerade die untersten 20 Prozent der Bevölkerung seien immer noch am stärksten durch den Energiepreisanstieg belastet. „Da muss es zusätzliche gezielte Entlastungen geben“, verlangte der Wirtschaftsweise.

Zudem müssten die Hartz-IV-Sätze „endlich angehoben werden“. Ferner brauche es eine umfassende Reform des Steuer- und Transfersystems sowie einen Ausbau der Kinderbetreuung, „sodass die Erwerbstätigkeit gerade im Bereich niedriger Einkommen gesteigert werden kann“, sagte Truger. Laut dem am Mittwoch vorgestellten „Armutsbericht 2022“ des Paritätischen Wohlfahrtsverbands sind in Deutschland 13,8 Millionen Menschen betroffen und damit rund 600.000 mehr als vor der Pandemie.

Foto: Bettlerin, über dts Nachrichtenagentur