ZEIG DICH AUX | Ansprachen begeistern über 500 Menschen beim ökumenischen Gebet in der Augsburger Moritzkirche

„Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und dafür will er unsere Phantasie und unsere Liebe“, sagte Stadtdekanin Susanne Kasch beim ökumenischen Gebet in der Augsburger Moritzkirche. Es fand statt am 30. Juni aus Anlass des AFD-Parteitages im Rahmen der Aktion Zeig Dich AUX.

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Foto: Irmgard Hoffmann

Unter dem Motto „Güte und Treue einander begegnen – Gerechtigkeit und. Frieden sich küssen“ (Psalm 85) versammelten sich heute Vormittag über 500 Menschen in der Augsburger Moritzkirche und applaudierten am Ende der Andacht Stadtdekanin Susanne Kasch und Stadtdekan Helmut Haug für ihre deutlichen Worte. Unter den Gottesdienstbesuchern waren auch Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth und der Augsburger Oberbürgermeister Kurt Gribl.

Wir haben den hier den Wortlaut der begeisternden Ansprache von Stadtdekanin Kasch:

Liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüdern,

In den letzten Tagen habe ich zwei Briefe bekommen. Beide leider ohne Unterschrift. In dem einen steht:

„Sehr geehrte Frau Kasch, bald findet in Augsburg der Bundesparteitag der AfD sta tt. Ich finde diese Partei nicht gut, aber es ist ihr gutes Recht. Bestimmt werden die Delegierten sich in ihrer freien Zeit unsere schöne Stadt ansehen. Ich würde mir wünschen, Sie als Pfarrei in der Innenstadt könnten in irge ndeiner Form (Plakat, Fahne …) den friedlichen Geist unserer Stadt ausdrücken um den Delegierten und der Presse zu zeigen, dass die Mehrheit nicht die Meinung und die Ziele der AfD teilt. Herzlichen Dank.“

In dem anderen steht:

„Ich bin kein AfD Wähler. Aber die Kirche verrät uns an den Islam.“

Ich zitiere beide Briefe, weil sie deutlich machen: Wir Kirchen sind nicht außerhalb der Diskussion, sondern mitten drin. Und was unser Land und unsere Gesellschaft bewegt, bewegt auch uns Christen.

Ich zitiere beide Briefe, weil sie deutlich machen: Es gibt keine einfachen Lösungen und Christen sind nicht einfach gescheiter als der Rest der Welt.

Ich zitiere beide Briefe, weil sie deutlich machen: Wir machen uns Sorgen.

Und die Kehrseite der Sorge ist die Liebe. Denn wir machen uns Sorgen eigentlich nur um Menschen oder Dinge, die wir lieben. Wir sorgen uns um unser Land, um unser Zusammenleben, um unser Zuhause, um die Freiheit und Ungezwungenheit, die zu unserem Leben dazugehören, um unser Auskommen, und um den Frieden in unserem Land. Und wir sorgen uns um die Situation in der Welt und fragen uns: Was können wir tun?

Und da gibt es nicht nur eine Antwort und sicher nicht nur eine politische Option. Und es ist ein Privileg, dass es bei uns so viele Parteien und Gruppierungen und Verbände und Initiativen gibt, die nach Lösungen für komplizierte Probleme suchen.

Und für uns alle ist es gut, wenn uns die Sorge regiert, dem nachzuspüren, was im Mittelpunkt der Sorge steht: die Liebe. Denn die Liebe setzt uns auf eine Spur: Güte und Treue Gerechtigkeit und Frieden.

Güte: Ich war jetzt gerade 4 Tage in Brüssel. Über dem großen Portal zur liberalen Synagoge steht in niederländisch und französisch. Und ich versuche es auf Niederländisch.

Hebben wy niet allen eenen vader? Hefft niet een God ons geschapen? Haben wir nicht alle einen Vater? Hat nicht ein Gott uns geschaffen?

Güte heißt schlicht: niemand muss sich sein Lebensrecht verdienen. Wir kriegen es alle geschenkt.

Treue: Für mich heißt Treue schlicht: nicht weglaufen, wenn es schwierig wird. Wenn die Aufgabe größer ist als ich schaffen kann, mir Bundesgenossen suchen und nicht daran zweifeln: Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und dafür will er unsere Phantasie und unsere Liebe.

Gerechtigkeit: KonfiCamp Essensausgabe 300 Jugendliche auf einmal und am Ende sind alle satt. Nicht alle haben das Gleiche bekommen und nicht alle das Gleiche gebraucht. Aber alle sind zufrieden und der Hunger gestillt. Wir dürfen für uns selbst sorgen. Wir dürfen Freude haben an den Gütern des Lebens. Es ist eine Fülle in Gottes Welt, die für alle reicht. Wir müssen es nur entdecken und ausprobieren.

Frieden: ist nicht Friedhofsruhe. Frieden ist Zuhören, streiten, Argumente austauschen, miteinander nach Lösungen suchen, miteinander gerne leben, miteinander feiern.

Lasst uns so heute miteinander feiern, dass wir zusammen in einer wunderbaren Stadt leben dürfen. Amen.

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Foto: Irmgard Hoffmann

Worte aus Psalm 85

Alle: Gott, zeige uns deine Gnade Und schenk uns dein Heil.

1. Ich höre auf das, was Gott sagt. 2. Du sagst deinem Volk Frieden zu, damit wir nicht in Torheit geraten. 1. Ja, deine Hilfe ist denen nahe, die dich achten. 2. Und in unserem Land wohnt Ehrfurcht.

Alle: Güte und Treue begegnen einander. Gerechtigkeit und Frieden küssen sich.

1. Treue sprießt aus der Erde hervor Und Gerechtigkeit blickt vom Himmel herab. 2. Unser Gott tut Gutes Und unser Land gibt reiche Frucht

Alle: Gerechtigkeit geht vor ihm her und folgt seinen Schatten. Amen.