„Zeit für Aufbruch“ | Die exklusive Eva Weber-Kolumne, April 2022

Abseits des Krisenmanagements, das mit der Pandemie begann und uns nun mit der Unterbringung der Ukraine-Geflüchteten vor eine weitere Herausforderung stellt, laufen im Hintergrund in Augsburg etliche Entwicklungen fast unbemerkt weiter und zur Höchstform auf. Mit der digitalen Verwaltungsstrategie hat die Stadt eine Strategie der Chancen aufgelegt. Zeit für Aufbruch.

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Der Frühling hat begonnen. Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf und feiert den Aufbruch in einen neuen Zeitzyklus, alles sprießt und blüht auf – als hätte es schon in den Startlöchern gestanden und es kaum erwarten können loszulegen. Ich sehe Parallelen: Auch in der Stadt lief einiges im Backround-Modus weiter, während die Pandemie mit ihren Einschränkungen uns als Gesellschaft in eine Art Winterschlaf versetzte: Der digitale Wandel zum Beispiel.

Als Verwaltung möchten wir die Digitalisierung nutzen, um als moderne Dienstleisterin und Arbeitgeberin die digitale Teilhabe und eine hohe Servicequalität für die Augsburgerinnen und Augsburger, Unternehmen und Institutionen zu gewährleisten. Digitale Kommunikationswege entlasten uns alle. Behördengänge von zuhause aus erledigen? Nach der Spätschicht, wenn alles geschlossen hat? Dafür ist Digitalisierung wichtig. Digitalisierung macht uns flexibler, die Abläufe werden nutzungsfreundlicher, das Vorgehen einfacher, die Entscheidungsfindung transparenter. Und schneller!

Die Stadt Augsburg bietet inzwischen Online-Services für die meisten Lebensbereiche an: Von der Anmeldung des Hundes bis zur Zulassung eines Fahrzeugs. Wir haben außerdem zum Beispiel im Januar das Kita-Portal eingeführt, das Eltern hilft leichter und schneller einen Betreuungsplatz für ihr Kind zu finden. Bei der Onleihe Augsburg können Sie eine große Bandbreite digitaler Medien wie E-Books, E-Paper, E-Musik, E-Audios und E-Videos ausleihen, von wo aus und wann immer Sie wollen. Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen beantragen ihre Anliegen immer häufiger online. 2020 ca. 93.000 Mal, im Jahr 2021 stieg die Nutzung bereits um ein Drittel auf über 127.000 an. Und weil man nie weit genug sein kann und Digitalisierung auch keine Aufgabe ist, die jemals endet, haben wir im vergangenen Jahr ein Feedback-Formular eingeführt, das zudem zu einer Verbesserung und kontinuierlichen Weiterentwicklung der Online-Dienste beiträgt.

Auch demokratische Prozesse werden von der Digitalisierung gefördert. Es entsteht die Möglichkeit, sich orts- und zeitunabhängig an politischen Verfahren zu beteiligen.  Wir arbeiten gerade an einer E-Partizipationsplattform, die traditionelle, formelle wie informelle Bürgerbeteiligung auch digital ermöglicht. Grundlage dafür ist Open Data, ein Thema, das im Koalitionsvertrag meiner Regierung einen hohen Stellenwert hat. Durch das Zugänglichmachen von Daten können Bürgerinnen und Bürger, Politik und Stadtverwaltung transparent zusammenarbeiten und somit auch potenziell bessere Entscheidungen treffen. Dies schafft auch für Unternehmen und Startups neue Chancen.

Auch auf dem Weg zu Klimaneutralität unserer schönen Stadt wird Digitalisierung ein wichtiger Begleiter: mit intelligenter Verkehrssteuerung können wir auf Staugeschehen reagieren und die Schadstoffkonzentrierung reduzieren. Vergangenen Oktober haben wir dazu ein neues Parkleitsystem eingeführt, dass den Verkehr gezielt zu freien Plätzen in Parkhäusern lenkt und so unnötigen Suchverkehr vermeidet. Wir sind die erste Stadt in Deutschland, die so ein modernes Parkleitsystem im gesamten inneren Stadtgebiet eingerichtet hat.

Apropos Straßen, im Zuge der digitalen Verwaltungsstrategie bauen wir eine Mängelmelde-Plattform auf, um von Bürgerinnen und Bürgern schneller und gezielter über Störungen und Hindernisse im öffentlichen Verkehrsraum informiert zu werden. Und auch digitalen Zugangskanäle bei Bauvorhaben und die Einführung des Elster Unternehmenskontos stehen aktuell auf der Agenda, letzteres als Pilotprojekt für den Freistaat Bayern, damit Unternehmen digitale Verwaltungsleistungen einfacher in Anspruch nehmen können.

Das wichtigste Gebot ist natürlich: Es müssen alle, die es wollen, einen Zugang zu den digitalen Technologien haben. Dabei muss es aber den Menschen selbst überlassen bleiben, ob und wie sie die digitalen Medien nutzen. Die analogen Möglichkeiten sollen daher weiterhin zur Verfügung stehen. Wir werden also genaugenommen sogar mehr als digital, wir werden digilog. Zwei Möglichkeiten sind schließlich immer besser als eine.

Ich wünsche ein Frühjahr voller toller, neuer Möglichkeiten und entspannte Feiertage im Sinne unserer schönen Tradition: Frohe Ostern!

Herzlichst

Ihre Eva Weber

Eva Weber ist seit Mai 2020 Oberbürgermeisterin der Stadt Augsburg. Seit Mai 2014 veröffentlicht sie eine regelmäßige Kolumne exklusiv bei Presse Augsburg.