»Zusammenhalt« lautete das Thema des Malwettbewerbs des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg. Die 10-jährige Juliane Fot, aus der Klasse 4b der Eichendorff-Grundschule Augsburg-Haunstetten ist die diesjährige Preisträgerin. Am 8. Juli ist ihr Gemälde zum Augsburger Friedensbild 2022 gekürt worden. Es ziert das Plakat zum Augsburger Hohen Friedensfest.

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Juliane Fot, Eichendorff-Grundschule Augsburg-Haunstetten, Kl. 4 b
1. Preis beim Malwettbewerb des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Augsburg

Julianes Bild zeigt ein kleines Mädchen, das mit einer älteren Dame im Wald unterwegs ist. Die Künstlerin verbindet mit ihrem Gemälde aber vor allem sehr persönliche Erinnerungen: „Mein Opa ist an Krebs gestorben, als Lockdown war. Das war sehr traurig – und wegen Corona konnte ich nicht zu meiner Oma. Jetzt geht das wieder, und wir können im Wald spazieren gehen und zusammen reden. Das ist schön!“

Stadtdekan Michael Thoma würdigte das Kunstwerk im Rahmen der Preisverleihung und nahm dabei Bezug auf einen Bibelvers (Koh 4, 9-12): „‘Zwei sind besser dran, als einer allein!‘, das zeigt das Bild ganz eindrücklich, gefühlvoll und klar. Als Jury waren wir davon, neben der künstlerischen Gestaltung, sehr bewegt.“ Voraussetzung für Zusammenhalt, auch in der Gesellschaft, sei immer, dass wir füreinander einstehen, offen miteinander reden und uns vertrauen. Dann könne man gemeinsam neue Wege gehen. „Und für diese Zukunft bin ich mir sicher: sie wird mit Gott sein – mit einem Gott, den ich erleben kann – auch mitten in all dem Leid durch Krieg und Pandemie“, so Thoma.

Zum Malwettbewerb eingeladen waren – unabhängig von Konfession und Religion Schülerinnen und Schüler der Grund- und Förderschulen aus Stadt und Landkreis Augsburg, Aichach-Friedberg sowie aus Wertingen. Eingereicht wurden rund 200 Kunstwerke.

Alle prämierten Bilder sind in einer Ausstellung zu besichtigen vom 8. Juli bis 25.Juli im Kundencenter der Sparkasse Schwaben-Bodensee (Martin-Luther-Platz 5) und vom 26. Juli bis 22. August im Kreuzgang der St. Anna Kirche (Im Annahof 2)

Das Kulturprogramm #Zusammenhalt zum Augsburger Hohen Friedensfest läuft vom 18. Juli bis 8. August.

Hintergrund zum Malwettbewerb

Der Malwettbewerb steht in der Tradition der sogenannten „Augsburger Friedensgemälde“, die seit 1650 in den Gottesdiensten zum Augsburger Hohen Friedensfest an Kinder verteilt wurden.

In der Jury zur Prämierung der diesjährigen Arbeiten wirkten mit: Vertreterinnen und Vertreter der evangelischen und katholischen Kirchen Augsburgs, Religions- und Kunstlehrerinnen und –lehrer der beteiligten Schulen und Vertreter der Stadt Augsburg.

Das Siegerbild wurde mit Unterstützung der Sparkasse Schwaben-Bodensee als Plakat zum Augsburger Hohen Friedensfest und als Ansichtskarte gedruckt.

 

Das Augsburger Hohes Friedensfest – Einzigartiger Feiertag: damals und heute

Geschichtlicher Ursprung

Das Augsburger Hohe Friedensfest geht zurück auf das Jahr 1650, als die evangelischen Christen Augsburgs erstmals ihre Gleichberechtigung mit den Katholiken feierten. Diese war zwar zuvor bereits formuliert worden – im Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) kam es aber zu blutigen Auseinandersetzungen.

Katholiken und Protestanten unterdrückten sich wechselseitig. Kirchen wurden geschlossen und abgerissen. Den 14 evangelischen Predigern in Augsburg wurde am 8. August 1629 jede weitere Amtshandlung untersagt.

Erst mit Ende des Dreißigjährigen Krieges wurde schließlich im Westfälischen Frieden (1648) die Parität (Gleichheit) zwischen Katholiken und Protestanten hergestellt und entsprechend alle städtischen Ämter paritätisch (in einem gleichmäßigen Verhältnis) besetzt.

In Erinnerung an die endlich errungene Gleichstellung stifteten die Augsburger Protestanten im Jahr 1650 mit dem Hohen Friedensfest am 8. August einen weltweit einzigartigen Feiertag. Sie dankten für den geschenkten Frieden und die Möglichkeit, ihren Glauben frei und gleichberech­tigt leben zu dürfen.

Friedensfest heute

Ohne Unterbrechung wird seit 1650 jedes Jahr am 8. August ein Gottesdienst gefeiert. Seit 1950, dem 300. Jahrestag des Festes, ist der Tag für die Stadt Augsburg gesetzlicher Feiertag. 2018 wurde das Augsburger Hohe Friedensfest mit dem Titel „Immaterielles Kulturerbe der UNESCO“ ausgezeichnet.

Das Friedensfest verbindet heute alle Religionen. Die Sehnsucht der Menschen nach Frieden, seine Gefährdung durch Intoleranz, Hochmut und Machtgier und die Aufgabe, in aller Unterschiedlichkeit von Glaubenstraditionen und kulturellem Herkommen friedlich zusammenzuleben, ist der Inhalt des Festes – damals wie heute.