Paukenschlag bei den Kliniken an der Paar – Landkreis Aichach-Friedberg stellt Klinik-Geschäftsführer frei

Auf Einladung von Landrat Dr. Metzger trat am Freitag, 16.08.2019, der Ältestenrat des Landkreises plus der Herren Bürgermeister Habermann und Eichmann im Landratsamt zusammen. Einziger Tagesordnungspunkt war der von den Kliniken an der Paar an die Landkreisverwaltung übersandte und dem Landrat erstmals am 12.08.2019 zur Kenntnis gebrachte Nachtragswirtschaftsplan 2019 mit dem Finanzplan für die Jahre ab 2020. Im Finanzplan wurde von der Geschäftsführung ein Defizit für die nächsten drei Jahre von weit über 30 Millionen Euro prognostiziert. Der Ältestenrat befasste sich mit den daraus zu ziehenden wirtschaftlichen und personellen Konsequenzen.

Metzger: „Die neuen Zahlen machten konsequentes Handeln nötig“ | Foto: Dominik Mesch

Der Ältestenrat war sich weitestgehend einig, dass der vom Geschäftsführer vorgelegte Finanzplan den Landkreis in den nächsten Jahren finanziell komplett überfordern würde. Es gebe auch keine Vorschläge für zukunftsfähige Ideen und Strategien zur effektiven Reduzierung des prognostizierten Defizits, die in den Gremien Akzeptanz fänden.

Nach intensiver Diskussion und einer Empfehlung, personelle Konsequenzen zu ziehen, wurden noch am gleichen Tag innerhalb der kürzest möglichen Ladungsfrist Werkausschuss und Kreistag zu Sitzungen einberufen. Beide Gremien beschlossen nun heute, den Geschäftsführer der Kliniken an der Paar, Dr. Krzysztof Kazmierczak, abzuberufen und ab 01.09.2019 vom Dienst freizustellen.

Landrat Dr. Metzger: „Im Rahmen der Haushaltsberatungen 2019 war dem Kreistag im Frühjahr klar, dass die Kliniken ein schwieriges Jahr vor sich haben. Die schlechten Nachrichten vom Mai (statt 6,3 Mio. € bis zu 10,7 Mio. € Defizit in 2019) veranlassten den Werkausschuss, ein neues strategisches Konzept für die beiden Häuser einzufordern, in der Hoffnung, damit zumindest ab dem Jahr 2020 eine handhabbare Perspektive zu bekommen. Die neuen Zahlen gaben dies jedoch nicht her und machen konsequentes Handeln nötig. Was den Zeitpunkt betrifft: Man trennt sich nicht einfach zu einem beliebigen Zeitpunkt X von einem Geschäftsführer. Über eine personelle Neuausrichtung kann erst dann diskutiert werden, wenn auch zuverlässig klar ist, wer für den Übergang die Klinken an der Paar verantwortlich leiten könnte. An der Frage wurde intensiv gearbeitet, ohne dies öffentlich zu diskutieren. Das gebot der Respekt.“

Rückblick

Im Frühjahr 2017 wurde abwägend beraten, ob ein neuer Vertrag mit Herrn Dr. Kazmierczak abgeschlossen werden sollte. Damals waren Werkausschuss und Kreistag der Meinung, in der Phase des Neubaus sei es unklug, einen Wechsel vorzunehmen. So wurde für einen neuen Vertrag votiert.

Landrat Dr. Metzger: „Unmittelbar ab 1. September übernehmen die Herren Georg Großhauser und Peter Schiele dankenswerterweise die Geschäftsführung in der Übergangszeit. Beide kennen die Kliniken an der Paar bestens. Mit ihren Kompetenzen und kommunikativen Fähigkeiten ist es ihnen zuzutrauen, zunehmend wertschätzende Gemeinsamkeit und damit Arbeitsplatzzufriedenheit für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter herzustellen. Wir wissen, was unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter leisten können. Wir brauchen einen neuen Geist des Miteinanders, neue Motivation, schnelle Entscheidungen, klare Ziele; kurzum: Aufbruchstimmung.“

Das sei entscheidend, um folgend eine Steigerung der Patientenzufriedenheit und damit der Leistungszahlen zu erreichen. Ab Oktober werde das Duo weitere Unterstützung erhalten, wenn auch die Bereiche „Krankenhausorganisation und Patientenmanagement“ sowie die Bereichsleitung „Finanzen und Versorgung“ dauerhaft besetzt sein werden. „Wir alle wären gut beraten, das neue Team, das sich für den Landkreis dieser Aufgabe in besonderem Verantwortungsbewusstsein und höchster Motivation stellt, in Ruhe arbeiten zu lassen.“

Die Zeit des Übergangs ist zu nutzen, um gemeinsam mit externer Unterstützung nach einer neuen Geschäftsführung zu suchen.

Landrat Dr. Klaus Metzger: „Um zum wiederholten Mal den Gerüchten entgegenzutreten: Weil ein Krankenhaus nicht ausschließlich unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu betrachten ist, ist es klarer politischer Wille des Kreistages, beide Standorte in kommunaler Hand für die Grund- und Regelversorgung der Menschen im Wittelsbacher Land dauerhaft zu sichern – entgegen den aktuellen Tendenzen der Bundespolitik. Das wird nicht einfach, es braucht sicherlich große Anstrengungen. Es wäre aber äußerst unklug, jetzt Infrastruktur abzubauen, die uns dann in ein paar Jahren fehlen wird. Insofern weist die bundespolitische Diskussion für die Verantwortlichen des Landkreises Aichach-Friedberg, auch angesichts der Bevölkerungsentwicklung und der demographischen Daten des Wittelsbacher Landes, in eine völlig falsche Richtung. Ob und wie das von der Unternehmensleitung im Juli vorgeschlagene Umstrukturierungskonzept tatsächlich dazu beitragen kann oder eventuell andere Konstruktionen hilfreicher wären, wird sich unter der neuen Führung zeigen.  Die Gremien jedenfalls sagen dem neuen Team alle Unterstützung zu.“

Der Landrat bedankt sich auch im Namen des Landkreises Aichach-Friedberg und der Kliniken an der Paar bei Herrn Dr. Kazmierczak. Er hat in schwierigen Zeiten die Krankenhäuser stabilisiert und fast zwölf Jahre geleitet. Der neuen Führung wünschen Landrat und Kreistag alles Gute und viel Kraft bei der mehr als anspruchsvollen Aufgabe in höchst herausfordernden Zeiten.