AHORNTAL / BAYREUTH / ECKERSDORF, LKR. BAYREUTH. Betrugsanrufe beschäftigen weiterhin täglich Polizei und Staatsanwaltschaft in Oberfranken. Am Mittwoch registrierte die Polizei 22 Fälle des sogenannten Callcenterbetrugs. In zwei Fällen gelang den Tätern der Betrug, jedoch konnte ein 21-Jähriger durch sein cleveres und couragiertes Verhalten einen Tatverdächtigen festnehmen lassen. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth befindet sich dieser nun in Untersuchungshaft.
Festnahme in Ahorntal – dank eines couragierten 21-Jährigen
Ein 21-Jähriger aus Ahorntal erhielt am Mittwochmittag einen Anruf von einem vermeintlichen Staatsanwalt, der behauptete, ein Familienmitglied des jungen Mannes habe einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht und eine Kaution sei zur Abwendung der Haft erforderlich. Der 21-Jährige durchschaute die Betrugsmasche, aber spielte mit und informierte parallel die Polizei.
Mehrere Stunden hielt er den Kontakt aufrecht, gab sich als ältere Frau aus und verstellte seine Stimme, um die Täter zu täuschen. Währenddessen bereiteten sich Einsatzkräfte der Kriminalpolizei Bayreuth und Zivilkräfte auf eine Festnahme vor und unterstützten den jungen Mann bei der Gesprächsführung. Die Täter forderten schließlich eine Übergabe von Geld und Wertgegenständen, wobei sie verlangten, dass die vermeintliche Seniorin persönlich vor die Tür tritt. Daraufhin verkleidete sich der 21-Jährige, band sich eine Küchenschürze und ein Kopftuch um und bereitete einen leeren Stoffbeutel vor.
Am Nachmittag erschien ein 32-jähriger polnischer Staatsbürger, nahm den Beutel entgegen und konnte direkt festgenommen werden. Nach bisherigen Erkenntnissen war der Verdächtige mit einem weißen VW Tiguan mit Münchner Zulassung angereist und hatte das Auto in der Nähe abgestellt. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Bayreuth wurde der Beschuldigte am Donnerstag einem Ermittlungsrichter vorgeführt, der Untersuchungshaftbefehl wegen des dringenden Verdachts des bandenmäßigen Betrugs erließ.
Geldübergaben in Bayreuth und Eckersdorf
Trotz dieses Erfolgs gab es am selben Tag zwei erfolgreiche Betrugsdelikte im Raum Bayreuth. In Bayreuth wurde eine Seniorin von einem Unbekannten angerufen, der sich als Bankmitarbeiter ausgab und behauptete, mit Betrügern in Verbindung zu stehen. Die Frau hob 10.000 Euro ab und deponierte das Geld, wie angewiesen, in einem gelben Plastikbeutel in der Rosestraße. Die Abholung erfolgte ohne persönlichen Kontakt zwischen 10.50 Uhr und 13 Uhr.
Ähnlich erging es einem Ehepaar in der Eckersdorfer Sophienstraße. Unter dem Vorwand von im Umlauf befindlichem Falschgeld forderte eine vermeintliche Staatsanwältin Bargeld zur Überprüfung. Das Paar hinterlegte einen niedrigen fünfstelligen Betrag in einem beigen Stoffbeutel am Gartenzaun ihres Anwesens und bekam die Anweisung, die Rollläden vor der Abholung zu schließen. Die Tat ereignete sich zwischen 13 Uhr und 14 Uhr, die Täter bleiben unbekannt.
Wer kann Hinweise geben?
Die Kriminalpolizei Bayreuth prüft mögliche Zusammenhänge zwischen den Fällen und bittet um Zeugenhinweise. Der in Ahorntal festgestellte weiße VW Tiguan mit Münchner Zulassung könnte auch für die Fälle in Bayreuth und Eckersdorf von Bedeutung sein.
Zeugen, die am Mittwoch im Bereich Bayreuth oder Eckersdorf verdächtige Beobachtungen gemacht haben, werden gebeten, sich unter der Telefonnummer 0921/506-0 zu melden.
Polizei und Staatsanwaltschaft appellieren erneut eindringlich: Geben Sie keine Auskünfte am Telefon über Ihre Vermögensverhältnisse und übergeben Sie niemals Bargeld oder Wertgegenstände an Unbekannte. Im Zweifelsfall beenden Sie das Gespräch und verständigen die Polizei unter der Notrufnummer 110.





