Britax-Römer-Werk in Leipheim vor Schließung: Produktion soll weitesgehend nach Asien verlagert werden

Die Ankündigung, dass die Produktion am Standort Leipheim kurzfristig geschlossen werden soll, traf die Beschäftigten, den Betriebsrat und die IG BCE völlig überraschend. In einer kurzfristig einberufenen Beschäftigtenversammlung am vergangenen Mittwoch teilte das Unternehmen mit, dass über 70 Prozent der Produktion nach Asien verlagert werden sollen. Von möglichen Alternativkonzepten war keine Rede. Die IG BCE fordert daher dringend, weitere Optionen zur geplanten Werksschließung zu prüfen.

Als Reaktion auf diesen „Schnellschuss“ ruft die zuständige Industriegewerkschaft IG BCE in Augsburg das Unternehmensmanagement dazu auf, im Rahmen der bevorstehenden Verhandlungen zu Interessenausgleich und Sozialplan auch alternative Lösungen vorzulegen – und diese gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung zu entwickeln. Besonders betroffen wären Mitarbeitende, die auf dem aktuellen Arbeitsmarkt nur geringe Chancen haben. Viele, überwiegend weibliche Beschäftigte, sind dem Unternehmen über viele Jahre hinweg treu geblieben – selbst nach dem Umzug 2017 von Ulm ins neue Gewerbegebiet in Leipheim, der mit erheblichen Mehrbelastungen und deutlich längeren Arbeitswegen verbunden war. Diese Beschäftigten haben es verdient, dass ernsthaft und sorgfältig nach Alternativen gesucht wird, um Entlassungen zu vermeiden.

Auch erste Reaktionen von Kindersitz-Kund:innen lassen sich bereits im Internet finden: Die Qualität der Fertigung „Made in Germany“ bzw. in der EU wird gelobt – gleichzeitig äußern sich viele kritisch gegenüber sicherheitsrelevanten Produkten aus Asien und stellen klar, dass sie diese nicht befürworten.

Torsten Falke, Bezirksleiter der IG BCE in Augsburg, der gemeinsam mit seinem Team den örtlichen Betriebsrat und die Belegschaft unterstützt, übt scharfe Kritik: In unverantwortlicher Weise würden hier Finanzinvestoren „verbrannte Erde“ hinterlassen, die offenbar nie genug bekommen. Er fordert daher auch eine Prüfung, ob Britax-Römer beim damaligen Umzug nach Leipheim öffentliche Fördermittel erhalten hat – denn diese könnten gegebenenfalls zurückgefordert werden.

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