Zum Jahresbeginn 2025 zeigt sich die wirtschaftliche Stimmung im Raum Augsburg verhalten. Der aktuelle IHK-Konjunkturindex liegt bei 102 Punkten und damit nur knapp über der Wachstumsschwelle von 100 Punkten. Dies geht aus der neuesten IHK-Konjunkturumfrage hervor. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate haben sich im Vergleich zur Umfrage im Herbst 2024 verschlechtert.
Regionale Unterschiede: Aichach-Friedberg bleibt stabil
Während die Stimmung in der Stadt Augsburg und im Landkreis Augsburg spürbar nachlässt, zeigt sich der Landkreis Aichach-Friedberg deutlich optimistischer. „Es fehlen die Wachstumsimpulse und stabilen Rahmenbedingungen, die wir als Unternehmerinnen und Unternehmer für eine langfristige, strategische Planung so dringend benötigen“, betont Ellen Dinges-Dierig, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Stadt.
Auch Ramona Meinzer, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Augsburg-Land, sieht die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen kritisch: „Doch können wir uns auf Dauer nicht dem konjunkturellen Umfeld und Markttrend entziehen.“
Katrin Krauß-Herkert, Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Aichach-Friedberg, setzt hingegen auf politische Veränderungen und erklärt: „Eine neue Agenda 2030, inspiriert von den Erfolgen der Agenda 2010, mit weniger Bürokratie und wettbewerbsfähigen Unternehmenssteuern kann den Weg für neue Investitionen ebnen und eine optimistische Zukunftsperspektive schaffen.“
Augsburg-Stadt: Deutlicher Rückgang des Index
Besonders stark betroffen ist die Stadt Augsburg, wo der IHK-Konjunkturindex im Vergleich zum Herbst von 113 auf 100 Punkte gesunken ist – der stärkste Einbruch in Bayerisch-Schwaben. Während die aktuelle Lage noch als stabil eingeschätzt wird, erwarten 32 Prozent der Unternehmen eine Verschlechterung, im Herbst waren es noch 20 Prozent.
Auch im Landkreis Augsburg sieht die Entwicklung nicht besser aus. Der Index fällt von 102 auf 98 Punkte und rutscht damit unter die Wachstumsschwelle. Besonders besorgniserregend: Die negativen Geschäftserwartungen steigen von 20 auf 28 Prozent.
Aichach-Friedberg als regionaler Spitzenreiter
Einen positiven Trend gibt es hingegen im Landkreis Aichach-Friedberg. Mit 114 Punkten führt die Region das Ranking in Bayerisch-Schwaben an. Während die aktuelle Lage skeptischer gesehen wird, steigen die Geschäftserwartungen von 11 auf 32 Prozent.
Dienstleistungssektor als Stütze der Wirtschaft
Ein Lichtblick bleibt der Dienstleistungssektor, der als „Stimmungsmotor im Wirtschaftsraum Augsburg“ beschrieben wird. „Von der Konzentration der Dienstleistungen im städtischen Umfeld profitiert die gesamte Region“, so Dinges-Dierig. Dahinter folgen Handel, Industrie und Tourismus. Doch besonders das verarbeitende Gewerbe leidet unter strukturellen Problemen.
Investitionen und Beschäftigung bleiben verhalten
Die angespannte Lage wirkt sich auch auf Investitionen und Neueinstellungen aus. „Die im Vergleich zu anderen Wirtschaftsstandorten in Europa und der Welt schlechteren Rahmenbedingungen drücken zwangsläufig auf die Investitionsbereitschaft am Standort“, erklärt Katrin Krauß-Herkert. Zwar federt das Ausscheiden der Babyboomer aus dem Arbeitsmarkt die Auswirkungen ab, doch auf lange Sicht verliert die Region an wirtschaftlicher Substanz.
Deutschland braucht eine Wirtschaftswende
Die IHK-Spitzenvertreterinnen sind sich einig: Deutschland braucht dringend wirtschaftspolitische Reformen. „Die seit Jahren erhoffte Trendwende bleibt weiterhin aus. Umso wichtiger ist es, die politischen Rahmenbedingungen so zu setzen, dass wirtschaftliches Wachstum wieder möglich ist“, fordern sie. Themen wie Bürokratieabbau, eine stärkere Inlandsnachfrage und wettbewerbsfähige Arbeits- und Energiekosten stehen im Fokus.
Die bevorstehende Bundestagswahl könnte dabei eine Chance sein, die wirtschaftspolitische Richtung neu zu justieren. „Viele unserer konjunkturellen Risiken sind hausgemacht und lassen sich durch eine mutige Wirtschaftsagenda 2030 lösen.“

