Mit beeindruckenden Zahlen endete die zweite Augsburger Vesperkirche am 23. Februar der voll besetzten Kirche St. Paul. Insgesamt 7700 Gäste nahmen am gemeinsamen Essen, den Gesprächen und dem vielseitigen Programm teil. Unterstützt wurde das Projekt von über 300 haupt- und ehrenamtlichen Helfern sowie mehr als 50 Kooperationspartnern. Es wurden 6000 warme Mahlzeiten, unzählige Tassen Tee und Kaffee sowie viele gespendete Kuchen verteilt.
Organisiert vom Evangelischen Dekanat Augsburg, gemeinsam mit dem Diakonischen Werk, dem Bistum Augsburg und der Caritas, setzte die Vesperkirche erneut ein starkes Zeichen für Solidarität und soziales Miteinander. Schirmherrin des Projekts war Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber, die ihre Unterstützung auch für 2026 bereits zugesagt hat.
Ein Raum für Begegnungen
Beim feierlichen Abschlussgottesdienst sprach Caritasdirektor Diakon Markus Müller über das zentrale Thema der Vesperkirche: Begegnung. Zwei Wochen lang kamen hier Menschen aus unterschiedlichsten Lebenssituationen zusammen – Hungrige, Ratsuchende, Einsame, Kranke, Helfende und Zuhörende.
„Begegnung braucht offene Räume. Die Vesperkirche hat ihre Türen weit geöffnet – ohne Herkunftsnachweise, ohne Leistungsnachweise, ohne Bedingungen. Ein Ort, an dem Menschen ihre Sorgen teilen können, wo ihnen zugehört wird, wo Ängste und Zweifel Platz haben. Solche Räume brauchen wir – Räume, in denen die Türen weit offen sind und Jesus mittendrin ist.“, so Müller.
Mehr als nur ein Ort zum Essen
Doch echte Begegnung sei mehr als nur das Zusammenkommen in einem Raum. Sie brauche Vertrauen, Liebe und Berührung. Hass und Hetze hingegen zerstörten diese Begegnungsmöglichkeiten, führten zu Abschottung und Angst.
Die Vesperkirche habe gezeigt, dass es Orte brauche, „wo jeder Mensch spürt: Du bist wertvoll, genauso wie du bist – mit all deinen Sorgen, Ängsten und Fragen.“
Müller betonte zudem, dass Kirche nicht darauf warten dürfe, dass Menschen zu ihr kommen, sondern selbst auf die Menschen zugehen müsse. **“Wir brauchen eine liebende Kirche, die greifbare Begegnung für das Leben bietet. Eine Kirche, die Türen öffnet – nicht nur symbolisch, sondern ganz real.““
Vesperkirche und die Bundestagswahl
Nach dem Gottesdienst, der vom Augsburger Gebärdenchor und dem Herz Jesu Chor musikalisch begleitet wurde, sprach Fritz Graßmann, theologischer Vorstand der Diakonie Augsburg, kurz über die gleichzeitig stattfindende Bundestagswahl.

„Die Vesperkirche ist nicht parteipolitisch, aber sie setzt nicht auf Spaltung. Wir schreiben niemandem vor, was er wählen soll, aber wir ermutigen dazu, wählen zu gehen. Wer die Werte der Vesperkirche im Herzen trägt, wird eine gute und richtige Wahl treffen.“, so Graßmann.
Positive Bilanz und hohe Nachfrage
Zum Abschluss hieß es noch einmal „… alle an einem Tisch“. Während 2023 7000 Gäste teilnahmen, waren es in diesem Jahr noch einmal 700 mehr.
„An manchen Tagen wurden wir fast überrannt. Das brachte uns organisatorisch an unsere Grenzen.“, berichtete Lena Sponner vom Evangelischen Forum Annahof. Dank des engagierten Teams aus 300 Haupt- und Ehrenamtlichen konnte der Ansturm dennoch bewältigt werden.
Finanzierung: Spenden weiterhin nötig
Die Vesperkirche hatte Gesamtkosten von rund 120.000 Euro, das entspricht 8000 Euro pro Tag für Essen, Getränke, Heizung, Materialien und Organisation. Ein Großteil der Personalkosten wurde durch die Evangelische Kirche und die Diakonie finanziert.
„Wir haben gut geplant und gewirtschaftet, aber ob am Ende alles aufgeht, wissen wir noch nicht. Jede weitere Unterstützung ist willkommen – auch für die nächste Vesperkirche.“, erklärte Pfarrer Fritz Graßmann.
Ausblick auf 2026: „… alle an einem Tisch“ geht weiter
Vom 1. bis 15. März 2026 wird es die nächste Augsburger Vesperkirche geben. Oberbürgermeisterin Eva Weber wird erneut als Schirmherrin fungieren:
„Dieses Projekt erfüllt mich mit großer Dankbarkeit. Es bringt Menschen mit ganz unterschiedlichen Motiven zusammen, ermöglicht Begegnungen und schafft Gemeinschaft. Ohne die Ehrenamtlichen, Spender und Organisatoren wäre das nicht möglich. Die Vesperkirche zeigt, wie wichtig Orte sind, an denen Menschen zusammenkommen und sich austauschen können.“, so Weber.
Die Augsburger Vesperkirche bleibt somit ein leuchtendes Beispiel für gelebte Nächstenliebe – und ein Ort, an dem jeder Mensch willkommen ist.


