Die Bayerische Regiobahn (BRB) steht vor immer größeren Herausforderungen. Steigende Kosten, veraltete Abrechnungsmodelle und eine zunehmende Belastung durch Baustellen prägen den Alltag des zweitgrößten Eisenbahnverkehrsunternehmens Bayerns. Dennoch gibt es auch Fortschritte und Innovationen, wie BRB-Geschäftsführer Arnulf Schuchmann in seinem Jahresrückblick betont.
Finanzielle Belastungen und unfaire Regelungen
Die finanziellen Herausforderungen der BRB bezeichnet Schuchmann als „dramatisch“. Neben steigenden Kosten für Personal, Material und Energie belasten Strafzahlungen bei Verspätungen und Zugausfällen das Unternehmen – auch wenn die Ursachen in der maroden Infrastruktur der Deutschen Bahn liegen. „Zug fährt nicht und wir bekommen kein Geld. Und zusätzlich haben wir die Kosten für die Busse zu tragen,“ kritisiert Schuchmann. Die Erstattung für den Schienenersatzverkehr (SEV) sei ebenfalls veraltet und berücksichtige nicht die gestiegenen Kosten oder die zunehmenden Baustellen.

Ein weiteres Problem sei der Rückgang direkter Einnahmen aus dem Ticketverkauf seit der Einführung des Deutschland-Tickets, obwohl die Fahrgastzahlen stark gestiegen sind. Dies führt zu höheren Kosten, etwa für die Reinigung der Züge, ohne dass entsprechende Ausgleichszahlungen erfolgen. „Nötig wäre eine Planungssicherheit mit finanziellen Anpassungsmöglichkeiten,“ fordert Schuchmann.
Neue Wege in der Fahrgastinformation
Doch es gibt auch positive Entwicklungen. Seit Ende 2024 informiert die BRB ihre Fahrgäste zusätzlich über WhatsApp. „Umfangreiche und zuggenaue Informationen in Echtzeit zahlen sich aus,“ berichtet Schuchmann. Dies habe die Zahl der Fahrgastbeschwerden deutlich reduziert. Bereits über eintausend Fahrgäste in den Netzen Oberland und Chiemgau-Inntal nutzen die neuen WhatsApp-Kanäle.
Fokus auf Personalgewinnung und Sicherheit

Die BRB setzt zudem verstärkt auf Personalgewinnung. Mit der Plattform „bockauflok.de“ wirbt das Unternehmen modern und sympathisch für neue Mitarbeitende. Auch die Sicherheit im Bahnbetrieb bleibt ein zentrales Thema. Mit Aktionen wie der Demonstration einer Schnellbremsung für Schulklassen will die BRB auf die Gefahren an Bahnübergängen aufmerksam machen. „Wenn damit auch nur ein Menschenleben gerettet werden kann, hat sich der Aufwand gelohnt,“ so Schuchmann.
Engagement für Integration und Nachwuchs

Mit Projekten wie „Next Stop: Dream Job“ wirbt die BRB gezielt um Menschen mit Migrationshintergrund, während Kinder im „KidsExpress“ spielerisch den Zugbetrieb kennenlernen. Diese Projekte verdeutlichen das Engagement der BRB, Eisenbahnfahren als Erlebnis zu vermitteln und gleichzeitig neue Talente für die Branche zu gewinnen.
Bayerische Regiobahn: Ausblick auf 2025
Trotz der Herausforderungen blickt Schuchmann zuversichtlich auf die Zukunft. Die BRB hat 2024 erfolgreich die Ausschreibung für ihr Herzstück, das Netz Oberland, gewonnen. Derzeit arbeitet das Unternehmen an der Ausschreibung für das Netz Chiemgau-Inntal.
„Wir stehen jedes Jahr vor neuen Herausforderungen, aber ohne uns steht Deutschland still,“ resümiert Schuchmann. Für 2025 wünscht er sich vor allem mehr Planungssicherheit, um sich auf die Kernaufgabe zu konzentrieren: „Unsere Fahrgäste sicher, pünktlich und komfortabel an ihr Ziel zu bringen. Dafür arbeiten unsere Mitarbeitenden Tag und Nacht – auch an Feiertagen. Das sollten wir nicht vergessen.“


