Im Skandal um die JVA Gablingen sorgen neue Recherchen des BR und des ARD-Politmagazins KONTRASTE für weitere schwere Vorwürfe.
Interne Chatnachrichten von Bediensteten sollen belegen, dass Gefangene gezielt gedemütigt und misshandelt wurden. In den Nachrichten ist unter anderem von „Spaß“ und einem „geilen Tag“ nach mutmaßlichen Übergriffen die Rede.
Gewalt und Demütigungen im Fokus
Nach Informationen der Ermittler sollen Häftlinge gewürgt, geschlagen und getreten worden sein, teils sogar gefesselt, berichtet der BR. Auch psychisch kranke oder verletzte Gefangene seien offenbar nicht verschont geblieben. Zudem stehen massive Demütigungen im Raum: So soll ein Gefangener nackt Kniebeugen vor Beamten gemacht haben müssen.
Besonders brisant: Die damalige stellvertretende JVA-Leiterin soll laut Chatnachrichten selbst eingeräumt haben, dass Bedienstete „rechtswidrig“ gehandelt hätten. Ihr wird vorgeworfen, Übergriffe geduldet und gedeckt zu haben.
Ehemalige Bundesjustizministerin spricht von historischem Skandal
Die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger erklärte, sollten sich die Vorwürfe bestätigen, handle es sich um massivste Grundrechtsverletzungen. Sie sprach von dem größten Skandal im deutschen Justizvollzug seit Bestehen der Bundesrepublik.
Anklage gegen 13 ehemalige Bedienstete
Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat inzwischen gegen 13 frühere Mitarbeiter der JVA Gablingen Anklage erhoben, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung im Amt. Betroffen sind auch die ehemalige Leiterin sowie ihre frühere Stellvertreterin. Für alle Beschuldigten gilt weiterhin die Unschuldsvermutung.
Die ARD berichtet heute ausführlich über die Recherchen. Im Fernsehen wird im ARD-Mittagsmagazin, in den Tagesschau-Ausgaben ab 17 Uhr, im Magazin Brisant (17.15 Uhr) sowie um 21.45 Uhr im Politmagazin KONTRASTE berichtet. Auch in den ARD (BR)- Radioprogrammen wird das Thema aufgegriffen werden.

