Nach dem Messerangriff am Welfen-Gymnasium in Schongau verdichten sich die Hinweise auf einen möglichen extremistischen Hintergrund der Tat. Wie die Generalstaatsanwaltschaft München am Dienstag mitteilte, hat die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) die Ermittlungen übernommen.
Der 16-jährige Tatverdächtige befindet sich weiterhin in Untersuchungshaft. Gegen den ehemaligen Schüler wird wegen versuchten Mordes in zwei Fällen ermittelt. Er soll vergangene Woche auf dem Schulgelände zwei 13-jährige Schülerinnen mit einem Messer schwer verletzt haben. Beide Mädchen wurden in Krankenhäuser gebracht.
Schreiben mit extremistischen Inhalten wird ausgewertet
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht unter anderem ein Schreiben, das nach bisherigen Erkenntnissen vom Tatverdächtigen stammen könnte. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur enthält das Dokument zahlreiche Beschimpfungen gegen verschiedene Religionsgemeinschaften und Bevölkerungsgruppen. Außerdem werden Mitschüler und Lehrkräfte beleidigt.
Laut den Ermittlern sprechen mehrere biografische Details – darunter Alter und persönliche Schilderungen aus dem Schulalltag – dafür, dass der 16-Jährige der Verfasser sein könnte. Zudem prüfen die Behörden, ob der Jugendliche geplant hatte, die Tat per Livestream zu übertragen.
Zu den konkreten Hintergründen und der möglichen ideologischen Ausrichtung des Verdächtigen äußern sich die Ermittler mit Verweis auf das laufende Verfahren derzeit nicht.
Mitschüler leisteten Erste Hilfe
Nach bisherigen Erkenntnissen hatten Mitschüler unmittelbar nach der Attacke Erste Hilfe geleistet und damit vermutlich das Leben eines der verletzten Mädchen gerettet. Der Angreifer konnte schließlich von Lehrkräften und alarmierten Polizeibeamten überwältigt werden.
Bereits zuvor auffällig geworden
Bereits im vergangenen Jahr war der 16-Jährige nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft ins Visier der Ermittler geraten. Gegen ihn liefen Verfahren, weil er Mitschüler bedroht und in sozialen Netzwerken Amoktaten verherrlicht haben soll.
Waffe und Munition sichergestellt
Nach der Tat stellten die Ermittler neben dem Messer auch eine Pistole sowie Munition sicher. Nach dpa-Informationen befanden sich die Gegenstände in einem Rucksack, den der Jugendliche nach der Attacke auf dem Schulgelände abgelegt haben soll. Demnach machte er die Einsatzkräfte nach seiner Festnahme selbst auf den Rucksack aufmerksam.
Den Ermittlungen zufolge soll der 16-Jährige mit der Pistole einen Schuss abgegeben haben, bevor die Waffe versagte. Nach eigenen Angaben habe er die Schusswaffe über das Darknet beschafft. Bei dem verwendeten Messer soll es sich nicht um ein gewöhnliches Haushaltsmesser gehandelt haben.
Die Ermittlungen zu den Hintergründen und dem möglichen extremistischen Motiv dauern an.

