Augsburg – Über die Weihnachtsfeiertage 2025 sind in der Augsburger Jesuitengasse drei Stolpersteine geschändet worden, die an jüdische Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Betroffen sind die Gedenksteine für Karoline Dreilich, Ernestine Levi und Paul Levi, eine dreiköpfige jüdische Familie, die am 13. März 1943 gemeinsam mit weiteren Jüdinnen und Juden in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau deportiert wurde.
Unbekannte beschmierten die erst vor Kurzem feierlich verlegten Stolpersteine – an der Verlegung waren auch engagierte Schülerinnen beteiligt – mit dem Schriftzug:
„Wer erinnert an die vielen Palästinenser, die jeden Tag von Israelis getötet werden?“
Der Initiativkreis Stolpersteine für Augsburg und Umgebung verurteilt die Tat scharf. Durch die Platzierung dieser Botschaft auf den Stolpersteinen würden Jüdinnen und Juden pauschal als Kollektiv angegriffen und dämonisiert – lebende wie tote gleichermaßen. Auch Menschen, die lange vor der Gründung des Staates Israel gelebt hätten, würden so nachträglich in Haftung genommen. Der Initiativkreis spricht von einem klaren Fall antisemitischer Hetze.
Besonders schwer wiegt nach Ansicht der Initiative der Missbrauch des Gedenkens an die Opfer der Shoah für aktuelle politische Aussagen. Das vermeintliche Mitgefühl mit palästinensischen Opfern werde dadurch unglaubwürdig, da die Tat ausschließlich der Instrumentalisierung der Stolpersteine diene, um antisemitische Inhalte zu transportieren.
„Dieser Fall ist besonders perfide“, heißt es in der Stellungnahme. „Er richtet sich nicht nur gegen die Erinnerung an die Familie Levi, sondern missbraucht die Opfer des Holocaust insgesamt.“
Die Schändung der Stolpersteine hat in Augsburg Bestürzung ausgelöst. Die kleinen Messingtafeln gelten als wichtige Mahnmale gegen das Vergessen und erinnern an Menschen, die durch das nationalsozialistische Terrorregime verfolgt und ermordet wurden.


