Eigentlich sollte Ende Juli Schluss sein mit der viel beachteten Ausstellung TIERE IM TIM. Doch noch immer erfreuen sich die Besucherinnen und Besucher an den rund 600 bunten Tieren aus Bast, die seit November vergangenen Jahres als Interventionen die Dauerausstellung des Staatlichen Textil- und Industriemuseums (tim) bevölkern. Daher hat sich das tim nun für eine Laufzeitverlängerung der Ausstellung bis zum 6. Oktober 2024 entschieden.

Das gab tim-Museumsdirektor Dr. Karl Borromäus Murr bekannt. Murr: „Die Nachfahren der
Künstlerin Else Stadler-Jacobs waren mit der Idee einer Verlängerung sofort einverstanden. Das ist eine tolle Nachricht für unsere Besucherinnen und Besucher. Denn ob Klein oder Groß: die Menschen sind völlig begeistert von den grandiosen Tierfiguren und deren spannender Geschichte.“
Und die geht so: Ein halbes Jahrhundert lang lagerten hunderte Tiere aus dem textilen Material Bast unentdeckt auf einem Speicher eines Hauses im Münchner Stadtteil Pasing. Es handelte sich dabei um den Nachlass von Else Stadler-Jacobs, die ab 1927 unzählige dieser Tiere als Dekorationsobjekte herstellte und bis in die 1970er Jahre unter dem Namen „Bastowerkstatt“ weltweit verkaufte. Das umfassende Werk von Stadler-Jacobs gilt in seiner Fülle und Originalität als einmalig. Im Laufe ihrer Schaffenszeit gestaltete sie über 100 heimische und exotische Tierarten aus farbigem Bast in unterschiedlichsten Größen – vom zwei Zentimeter kleinen Küken bis zur zwei Meter hohen Urwald-Szenerie mit Krokodil, Löwe und Co. Mit Humor, Schöpfergeist und viel Liebe zum Detail erschuf sie ihre ganz persönliche Tierwelt.
Die Tiere treten im tim mit Objekten der Dauerausstellung in einen augenzwinkernden Dialog. So blickt beispielsweise eine Pinguinfamilie überrascht auf einen schwarz-weißen Hochzeitsfrack oder ein eitler Pfau schlägt sein leuchtendes Rad direkt vor seinem vermeintlichen Konkurrenten, einem schillernden Charleston-Kleid aus den 1920er Jahren. Die 1899 geborene Else Stadler-Jacobs stammte aus einer Pasinger Künstlerfamilie und studierte an der Kunstgewerbeschule in München. Für die angehende Künstlerin spielten Tiere als künstlerisches Motiv von Beginn an eine zentrale Rolle. Ihre Tierdarstellungen zierten Stoffe und Kissenbezüge und sie entwarf textiles Spielzeug, das sie als freie Kunstgewerblerin auf Messen verkaufte. Der große Erfolg stellt sich ein, als sie erstmal 1927 mit Bast als Werkstoff Tiere zur Dekorationszwecken gestaltet. Bereits 1930 war ihr Auftragsbuch mit Bestellungen aus Europa und den USA so gut gefüllt, dass sie sich ausschließlich auf ihre „Bastowerkstatt“ konzentrierte, mit der sie bald nach Aidenried an den Ammersee umzog.
Um Basttiere in größerer Anzahl manuell herstellen zu können, beschäftigte Else Stadler-Jacobs von Beginn an Heimarbeiterinnen. Besonders in der Nachkriegszeit stellte dieses anspruchsvolle Kunsthandwerk für viele Frauen eine willkommene Erwerbsmöglichkeit dar. Mitte der 1950er Jahre arbeiteten unter ihrer Anleitung mehr als 50 Frauen für die „Bastowerkstatt“. Als Else Stadler-Jacobs mit 73 Jahren die Produktion altersbedingt einstellte, fand sich keine geeignete Nachfolge für ihr Lebenswerk. Anfang der 1970er Jahre löste sie daher die Bastowerkstatt auf. Die Künstlerin starb 1997, ihr Nachlass ist im tim erstmals öffentlich zu sehen.
TIERE IM TIM – Kunsthandwerk aus Bast von Else Stadler-Jacobs verlängert bis zum 6. Oktober 2024
Der Eintritt zu „Tiere im tim“ ist im Ticketpreis der Dauerausstellung enthalten.
Regulär: 5,- Euro / Ermäßigt: 4,- Euro / sonntags: 1,- Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben immer freien Eintritt!
Ein Mit-Mach-Heft zur Ausstellung ist kostenlos an der Museumskasse erhältlich.
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 09.00 Uhr bis 18.00 Uhr; montags geschlossen.
Das Staatliche Textil- und Industriemuseum Augsburg (tim) ist eine Einrichtung des Freistaats Bayern, errichtet durch die Stadt Augsburg und den Bezirk Schwaben. Unterstützt durch den Förder- und Freundeskreis tim e.V

