Eine Demonstrantin am Ulrichsplatz, als die Glocken zum Gottesdienst zu läuten begannen: „Oh Gott, jetzt stört noch die katholische Kirche mit ihrem eigenen typischen Sound unsere Demo.“ Ein Passant am Königsplatz: „Gegen was demonstrieren die denn, für Oben-Ohne?“ Der Passant lachend: „Wo ist da das Problem? Bin sofort dafür!“, ganz verstanden hatte er den Zweck der Oben-Ohne-Demo wohl nicht, es war dennoch eine lockere Veranstaltung.
„Gleiche Brust für Alle!“ Unter dieser Forderung organisierte das sogenannte Oben-Ohne-Kollektiv Augsburg am Freitag, den 14. Juli 2023, eine Demonstration gegen die Sexualisierung von Körpern, als eine Form patriarchaler Unterdrückung. Mit einem Protestzug vom Ulrichsplatz in die Innenstadt präsentierte die queer-feministische Gruppe und ihre Unterstützer ihr Anliegen.
„In vielen Schwimmbädern kann ich zwar schon problemlos oben ohne sein, aber die sexualisierende Bewertung meines Körpers und die damit verbundenen ekelhaften Blicke und unangenehmen Situationen sind immer noch Teil meiner Schwimmbad-Besuche.“ so Ronja vom Oben-Ohne-Kollektiv. In anderen öffentlichen Räumen wird oben ohne für Frauen außerdem nach wie vor als Straftat ausgelegt. Auf Instagram werden weiblich Brüste zensiert und wenn ein Kind gestillt wird, dann soll das möglichst bedeckt geschehen.
„Laufe ich an einem warmen Sommertag oberkörperfrei durch die Innenstadt, muss ich beispielweise mit einer Anzeige wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses rechnen, während männlich zugeschriebene Menschen das problemlos tun können – das ist nicht gerecht! Ich kann mir nicht aussuchen, wie ich meinen Körper zeige oder was ich mit ihm mache.“ erklärt Fredda. Das Oben-Ohne-Kollektiv sieht darin eine Form patriarchaler Unterdrückung, gegen die sie sich mit der Protestaktion stellen wollten. Manch verwunderter Blick begleitete die friedliche Demo durch die Straßen Augsburgs.
„Das Kollektiv ist der Meinung das jeder Mensch frei zu entscheiden hat, ob der Oberkörper bedeckt wird oder nicht. Das gleiche Recht muss für alle Menschen gelten! Am Freitag auf der Straße zu sein, ist einer von vielen wichtigen Schritten im Kampf gegen Unterdrückung, Diskriminierung und gegen sexualisierte Gewalt!“ erklärte Tilia, ebenfalls Mitglied des Oben-Ohne-Kollektiv Augsburg.

