Die Werksleitung der Teslafabrik in Grünheide soll häufiger krankgeschriebene Mitarbeiter unter Druck gesetzt haben. Der US-Autokonzern hat laut Informationen des Magazins stern krankgeschriebenen Mitarbeitern schriftlich gedroht, die Entgeltzahlungen einzustellen. Um das zu verhindern, sollten Arbeiter ihre ärztliche Diagnose offenlegen und ihre Ärzte von der Schweigepflicht entbinden.

Die Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) kenne gut ein Dutzend solcher Fälle, bestätigte Dirk Schulze, Bezirksleiter für Berlin, Brandenburg und Sachsen dem Magazin. „Wir gehen davon aus, dass dieses Vorgehen gängige Praxis ist, wenn Beschäftigte häufiger krank waren.” Bei Tesla gäbe es Krankenstände von 30 Prozent und mehr. Trotzdem müssten Teams 100 Prozent der vorgegebenen Stückzahlen produzieren. „Wer unter diesen Umständen öfter krank ist, wird trotz vorliegender Attests mit Kürzung des Entgelts und Kündigung bedroht“, sagte Schulze. So gehe man nicht mit den Kolleginnen und Kollegen um, die diese Fabrik am Laufen hielten.
Der stern zeigte einen dieser Drohbriefe dem Berliner Arbeitsrechtler Sven Jürgens. Dieser sagte, er halte Teslas Vorgehen für „unzulässig“. „Der Arbeitnehmer ist nicht verpflichtet, von sich aus außergerichtlich eine Schweigepflichtentbindungserklärung abzugeben oder dem Arbeitgeber Auskunft über seine Krankheiten im Einzelnen zu erteilen.“ Es handele sich hierbei um personenbezogene Daten, die dem Datenschutz unterlägen. Bei dem Vorgehen von Tesla dränge „sich der Verdacht auf, dass sogar der Straftatbestand einer Nötigung oder Erpressung erfüllt sein könnte.“


