Der Deutsche Mieterbund warnt davor, dass sich die Wohnungskrise in Deutschland zu einer umfassenden “Sozialstaatskrise” entwickelt.
Wie aus dem am Dienstag in Berlin vorgestellten Mietenreport 2026 hervorgeht, belasten die steigenden Mieten und Wohnkosten nicht nur einkommensschwache Haushalte, sondern auch die Mittelschicht. Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt zur Miete, und bei Menschen, die von Armut betroffen sind, sind es fast vier von fünf. Die finanzielle Belastung durch Wohnkosten hat dazu geführt, dass viele Mieter weniger Geld für Rücklagen oder die Altersvorsorge zurücklegen können. Zudem sparen sie dem Bericht zufolge bei Freizeitaktivitäten, Urlaub und sogar bei gesunden Lebensmitteln und Medikamenten.
Der Mietenreport zeigt, dass 29 Prozent der Mieter befürchten, ihre Miete künftig nicht mehr bezahlen zu können. Jede zweite Person sorgt sich, im Bedarfsfall keine bezahlbare Ersatzwohnung zu finden. Besonders alarmierend ist, dass mehr als ein Viertel der Mieter ihre Wohnung nach einem schweren Einkommensverlust nur noch maximal drei Monate halten könnte.
Der Deutsche Mieterbund fordert daher einen “Kurswechsel” in der Wohnungs- und Sozialpolitik. Es müsse ein “bundesweiter Mietenstopp” eingeführt und “dauerhaft bezahlbarer Wohnraum” geschaffen werden. Zudem sei ein “starkes Wohngeld” notwendig, das sich an den tatsächlichen Miet- und Energiekosten orientiere, so der Mieterbund.
Die Bundesregierung plant allerdings, die Wohngeldleistungen zu kürzen, was der Mieterbund als den falschen Weg sieht. Leistungskürzungen würden keine Mieten senken oder bezahlbaren Wohnraum schaffen, sondern das Risiko von Mietrückständen und Wohnungslosigkeit erhöhen.
Nach Einschätzung des Mieterbunds fehlen Deutschland rund 1,4 Millionen Wohnungen, und der Bestand an Sozialwohnungen ist auf einem historischen Tiefstand. Ein “nachhaltiger” Kurswechsel sei dringend erforderlich, um den Wohnungsmarkt zu reparieren und den Sozialstaat zu stärken.
In Zahlen fordert der Mieterbund zwei Millionen Sozialwohnungen bis 2030. Aktuell sind es knapp über eine Million. Zusätzlich werden dem Mieterbund zufolge jährlich mindestens 60.000 “bezahlbare Mietwohnungen für Normalverdienende” nötig.
Zur Umsetzung dieser Ziele sagte Mieterbund-Präsidentin Melanie Weber-Moritz der dts Nachrichtenagentur, dass das nur mit Neubau nicht gelingen werde. “Wir müssen aus dieser Spirale herauskommen, dass wir diese Sozialbindungsfristen haben.” Insgesamt brauche man drei Maßnahmen. Dazu zählten der Neubau und auch der Ankauf. “Das macht die Regierung natürlich auch schon, aber nicht im ausreichenden Maße.” Zudem müsse man Bestände zurückkaufen und dann in sozialen Wohnungsbau umwidmen.
Weber-Moritz räumte zugleich ein, dass die Baukosten dramatisch gestiegen sind. Dem könne man mit einer “nachhaltigen Bodenpolitik” entgegenwirken. Die Bodenpreise müssten zudem insgesamt reguliert werden. “Hier wünschen wir uns auch einen Bodenkosten-Deckel.” Sie seien so stark explodiert in den letzten Jahrzehnten, dass dies auch ein wichtiger Treiber für die gestiegenen Kosten sei, so die Mieterbund-Präsidentin.

