Über 25.000 Besucherinnen und Besucher, drei Tage kreatives Programm, mehr als 500 freiwillige Helferinnen und Helfer: Das Modular Festival 2025 war für viele ein voller Erfolg. Friedlich, vielfältig, engagiert – ein Aushängeschild für Jugendkultur in Augsburg. Und dennoch steht das Festival aktuell unter politischem Druck.
Ausgangspunkt der Kontroverse: Zwei Gruppierungen im Mitmach-Programm des Festivals, die im bayerischen Verfassungsschutzbericht erwähnt werden. Die Folge: Lautstarke Kritik, Rücktrittsforderungen an den ehrenamtlichen Vorstand des Stadtjugendrings (SJR), und eine Debatte über die städtische Förderung des Festivals. Der SJR reagiert entschieden – und erfährt dabei breite Rückendeckung.
Grüne: Modular ist mehr als ein Musikfestival
Die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen positioniert sich klar: Das Modular sei ein „lebendiger Ort für kreative Freiheit, politische Bildung und gesellschaftliches Engagement“, so Fraktionschef Peter Rauscher. Über 500 Ehrenamtliche und rund 100 junge Menschen, die sich ganzjährig in der „Denkwerkstatt“ engagieren, zeigten, wie ernst Jugendbeteiligung gemeint ist.
Dass ausgerechnet jetzt die Förderung in Frage gestellt wird, bezeichnet Rauscher als „politischen Schnellschuss“. Extremistische Tendenzen hätten auf einem städtisch geförderten Festival zwar keinen Platz, „aber das darf nicht dazu führen, ein gesamtes Festival pauschal unter Verdacht zu stellen.“
Auch Verena von Mutius-Bartholy, kulturpolitische Sprecherin der Grünen, sieht in der öffentlichen Kritik eine Schieflage: „Unsere Fraktion ist irritiert über die aktuellen öffentlichen Äußerungen der Oberbürgermeisterin.“ Sie fordert eine sachliche Evaluierung im Kulturausschuss – gemeinsam mit den Verantwortlichen des SJR.
Stadtjugendring wehrt sich gegen Generalverdacht
Der Stadtjugendring zeigt sich selbstkritisch, aber auch kämpferisch. Marlene Mechold, Vorsitzende des SJR, räumt ein, dass bei über 35 Platzangeboten im Kreativbereich „nicht bekannt war“, dass zwei Gruppen im Verfassungsschutzbericht genannt sind. „Hätten wir es gewusst, hätten wir das in die Auswahl einbezogen.“ Gleichzeitig betont sie: „Daran das Festival und die Arbeit des Stadtjugendrings zu diskreditieren, ist unverhältnismäßig und falsch.“
Rücktrittsforderungen, wie sie etwa die Junge Union geäußert hat, weist der Stadtjugendring entschieden zurück. Die Zuspitzung auf dem Rücken ehrenamtlich Engagierter sei „schäbig“, so Mechold. Man lebe in der Jugendarbeit eine offene Fehlerkultur – was man von Teilen der Stadtpolitik derzeit nicht behaupten könne.
SPD: Modular ist Teil der Lösung, nicht das Problem
Auch von Seiten der SPD gibt es deutliche Worte. Die jugendpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Anna Rasehorn, nennt das Modular Festival ein „herausragendes Beispiel dafür, wie junge Menschen Verantwortung übernehmen“. Die aktuelle Debatte sei von „pauschaler Skandalisierung“ geprägt und müsse dringend wieder auf eine sachliche Ebene zurückgeführt werden.
„Es ist absurd, dass ausgerechnet ein solches Projekt zur Zielscheibe wird“, so Rasehorn. Der SJR leiste seit Jahrzehnten unverzichtbare Arbeit für die Demokratiebildung in Augsburg. Was es jetzt brauche, sei politische Rückendeckung – nicht Misstrauen.
CSU und AfD üben scharfe Kritik
Kritischer äußert sich die CSU Augsburg. In einer Stellungnahme heißt es, man begrüße die Prüfung durch OB Eva Weber. Öffentliche Förderung dürfe „keine Plattform für extremistische Gruppen“ bieten. Wer bei Rechtsextremismus zu Recht Alarm schlage, müsse dies auch bei Linksextremismus tun.
Deutlich härter fällt die Wortwahl der AfD aus: Die Partei spricht von einem „Frontalangriff auf die freie Jugendarbeit“ und kriminalisiert antifaschistisches Engagement pauschal. Der Stadtjugendring widerspricht entschieden: „Wir stehen für Meinungsvielfalt, nicht für Gleichsetzung. Wir stehen für Demokratie und politischen Diskurs“, so Mechold.
OB Weber: Aufarbeitung im Dialog
Oberbürgermeisterin Eva Weber kündigt eine sachliche Aufarbeitung an. „Damit das Modular das bleibt, was wir uns alle wünschen – ein sicherer, demokratischer und von Extremismus freier Ort – bin ich mit dem Stadtjugendring bereits im Gespräch.“ Sie lobt das Festival als Ort der Mitgestaltung, betont aber auch die Notwendigkeit, Vorfälle differenziert aufzuarbeiten.
Jugend ist politisch – und braucht Räume
Trotz der Debatte bleibt für viele festzuhalten: Das Modular ist ein Ort, an dem sich junge Menschen austauschen, engagieren und Gesellschaft mitgestalten – politisch, kreativ und demokratisch. Oder wie es Marlene Mechold zusammenfasst: „Der Stadtjugendring gibt Jugendlichen eine Stimme. Und wir werden das weiterhin tun.“





